WAYFARER ARCHIVE // LESEMODUS
Kapitelübersicht
KAPITEL 1

Die Schatten von Jedha

Die Sonne von Jedha stand tief am Horizont und tauchte die zerklüfteten Wüstenruinen in ein brennendes Orange. Cal Kestis kniete im Staub vor den Überresten eines gewaltigen Bogens, seine Hand flach auf den uralten Stein gepresst. Mit geschlossenen Augen spürte er die Echos der Vergangenheit – das ferne Echo von Gesängen, das Klirren von Metall und die tiefe, unerschütterliche Präsenz der Macht, die diesen Ort einst erfüllt hatte.

„Und? Findest du einen Weg hinein, Kumpel?“, fragte Taren Wayfarer, der ein paar Schritte entfernt auf einem umgestürzten Säulenkapitell saß. Er balancierte ein modifiziertes Hydrospanner-Werkzeug auf den Fingerspitzen. Taren trug die abgewetzte Kleidung eines Scouts der Kernwelten, funktionell und staubbedeckt, doch unter seiner lockeren Fassade lag die ständige Wachsamkeit eines Mannes, der in den Tiefen der Unterstadt von Taris überlebt hatte.

„Das Echo ist schwach“, antwortete Cal und öffnete die Augen. Er blickte zu Taren auf. „Aber die Struktur führt tief nach unten. Die Kosmische Matrix muss hier irgendwo verborgen sein. Merrin sucht am Westkamm nach einem alternativen Zugang.“

Ein leises, mechanisches Piepen ertönte, als BD-1 von Cals Schulter hüpfte und neugierig an einer geometrischen Gravur herumschnüffelte.

„Guter Junge, BD“, sagte Taren mit einem schiefen Lächeln. Doch plötzlich fror sein Lächeln ein. Er ließ das Werkzeug sinken, seine Augen verengten sich, als er den Blick über die umliegenden Klippen schweifen ließ. Eine feine Vibration in der Luft ließ die Haare auf seinen Armen aufstellen. Taren war kein Jedi, er hatte nie die formelle Ausbildung im Tempel genossen, aber seine Verbindung zur Macht war die eines Fährtenlesers – er spürte Absichten, Gefahren und die subtilen Veränderungen in seiner Umgebung. „Cal… wir sind nicht allein.“

Cal stand langsam auf, die Hand wanderte wie von selbst zum Griff seines Lichtschwerts an der Hüfte. „Ein Suchdroide?“

„Nein“, flüsterte Taren, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch im heißen Wüstenwind. „Etwas… Schärferes. Jemand beobachtet uns. Schon seit wir das Tal betreten haben.“

Hoch oben auf einem der sandsteinernen Vorsprünge, verborgen im tiefen Schatten der Felsen, hielt Seren Vael den Atem an. Durch das Visier ihres Helms fixierte sie die beiden Männer. Ihre Finger lagen fest um den Schaft ihrer Plasma-Hellebarde, einer Waffe, deren Technologie im bekannten Imperium gänzlich unbekannt war. Als Beobachterin des Vaal-Konklaves war ihre Mission klar: Die Geister der Vergangenheit studieren, aber niemals eingreifen. Doch diese Fremden waren der Wahrheit zu nahe. Sie suchten nach der Matrix – dem Schlüssel, der die Isolation ihrer Heimat zerstören könnte.

Sie dürfen das Siegel nicht brechen , dachte Seren, während ihr Herz schwer hämmerte.

Gerade als sie sich abstoßen wollte, um den beiden Fremden den Weg abzuschneiden, zerschnitt ein vertrautes, hasserfülltes Kreischen die Stille des Tals.

TIE-Jäger.

Zwei imperiale Abfangjäger schossen im Tiefflug über die Ruinen hinweg. Die Druckwelle wirbelte Staubkaskaden auf. Sekunden später hallte das dumpfe Stampfen von schweren Armeestiefeln durch die Schlucht. Eine Patrouille des Imperiums, angeführt von zwei schwer bewaffneten Purge Troopern, hatte das Tal umstellt.

„Verdammt!“, fluchte Taren, als er von der Säule sprang. „Sie haben uns eingekesselt!“

„Nicht ganz“, rief Cal, während er sein Lichtschwert zog. Die blaue Plasmaklinge erwachte mit einem vertrauten Summen zum Leben. „Taren, öffne dieses Tor! BD, hilf ihm! Ich halte sie auf!“

Von den Klippen herab sah Seren, wie die Sturmtruppen das Feuer eröffneten. Rote Blasterstrahlen zischten durch die Luft. Sie sah, wie der rothaarige Jedi die Schüsse mit übernatürlicher Präsenz reflektierte, während der andere Mann – Taren – verzweifelt versuchte, die uralte Konsole des Tempels zu überbrücken.

Wenn das Imperium die Matrix in die Hände bekommt, ist das Konklave verloren , erkannte Seren blitzartig. Die Isolation zu wahren war ihre Pflicht, aber das Überleben ihres Volkes wog schwerer.

Mit einem kühnen Satz sprang sie von der Klippe, ihre wehende Tunika fing den Wind auf, als sie mitten zwischen den heranstürmenden Sturmtruppen landete. Ihre Plasma-Hellebarde flammte in einem gleißenden Weiß auf. Mit einer fließenden, tödlichen Drehung zertrennte sie die Arme der vordersten Soldaten.

Cal hielt mitten in einer Abwehrparade inne, seine Augen weiteten sich vor Überraschung. „Wer im Outer Rim ist das denn?!“

„Keine Ahnung, aber sie ist auf unserer Seite!“, rief Taren, dessen Finger über die freigelegten Kabel der Konsole flogen. Ein lautes, mechanisches Klacken ertönte. Die massiven Steintore des Tempels begannen sich mit einem mahlenden Geräusch zu öffnen. „Cal! Tor ist offen! Bewegung!“

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.