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KAPITEL 11

Das Urteil der Wiege

Der Abstieg durch die Atmosphäre der Hauptwelt verlief in unheimlicher Stille. Keine brennenden Triebwerke, kein Rütteln – die Traktorfelder des Konklaves führten die Stinger Mantis so sanft nach unten, als würde sie schweben.

Als sich die dichten Wolken verzogen, bot sich der Crew ein Bild von zeitloser, fast schmerzhafter Schönheit. Die Architektur des Konklaves war fließend, weißer Stein verschmolz nahtlos mit gewaltigen, uralten Wäldern und klaren Bergseen. Keine rauchenden Fabriken, kein imperialer Beton. Es war das Paradies, das die Galaxis vor Jahrtausenden verloren hatte.

Das Schiff setzte auf einer runden, weißen Plattform auf, die über einem tiefen Tal schwebte. Als die Rampe der Mantis mit einem leisen Zischen nach unten glitt, wartete dort kein Erschießungskommando.

Dort standen zwei Personen.

Sie trugen die traditionellen, eleganten Gewänder der inneren Welten, gefertigt aus heller, fließender Seide. Doch an ihren Gürteln hingen deaktivierte Plasma-Klingen – die Waffen von Meistern. Es waren Serens Eltern. Ihr Vater, ein hochgewachsener Mann mit silbernen Schläfen und demselben wachsamen Blick wie Seren, und ihre Mutter, deren Gesicht von tiefer Sorge gezeichnet war.

Seren ging als Erste die Rampe hinunter. Ihre Haltung war aufrecht, doch als sie die Augen ihrer Eltern traf, flackerte für den Bruchteil einer Sekunde das kleine Mädchen in ihr auf, das nach Anerkennung suchte.

„Mutter. Vater“, sagte Seren leise und neigte das Haupt.

„Seren“, antwortete ihr Vater. Seine Stimme war nicht hasserfüllt, sondern unendlich schwer von Trauer. „Als die Jäger uns meldeten, dass dein Signal den Korridor durchbrochen hat, haben wir gedankt. Aber du kehrst nicht als Heldin zurück. Du hast das Chaos an unsere Schwelle geführt.“

Ihre Mutter trat einen Schritt vor. Ihre Hand zuckte, als wollte sie ihre Tochter berühren, doch sie hielt inne, den Blick streng auf Cal, Taren und Merrin gerichtet, die langsam hinter Seren die Rampe hinuntergingen.

„Wir haben dich geliebt, Seren“, sagte ihre Mutter mit zitternder, aber fester Stimme. „Wir haben dich der Ordnung des Konklaves übergeben, weil wir dich beschützen wollten. Weil wir an die Mauern glauben. Wie konntest du den Schwur brechen?“

„Ich habe ihn nicht gebrochen, um uns zu schaden!“, entgegnete Seren, und zum ersten Mal verlor sie ihre eiskalte Assassinidisziplin. Ihre Stimme wurde emotional. „Die Galaxis da draußen... sie brennt! Das Imperium vernichtet alles. Sie jagen uns bereits. Wenn diese Menschen nicht gewesen wären, wäre ich im Schlamm einer Außenwelt gestorben. Taren hat mein Leben geschützt!“

Ihr Vater wandte den Blick zu Taren. Er scannte die abgewetzte Scout-Ausrüstung, die Brille, die Maske an Tarens Gürtel.

„Du bist der Wanderer, von dem die Jäger sprachen“, sagte ihr Vater kühl. „Ein Kind der Gosse, das ohne Kompass durch das Universum stolpert. Du verkörperst die Instabilität, die die Alte Republik in den Ruin getrieben hat. Du hast unsere Tochter infiziert.“

Taren schob seine Brille zurecht und trat neben Seren. Er blickte den Eltern direkt in die Augen.

„Mit allem Respekt, Sir“, sagte Taren ruhig und besonnen. „Ich habe sie nicht infiziert. Ich habe ihr nur gezeigt, dass die Mauern, die Sie hier gebaut haben, das Imperium nicht aufhalten werden. Sie lieben Ihre Tochter, das sehe ich. Aber Sie haben sie in einem Glashaus großgezogen, während draußen ein Hagelsturm tobt. Das Glashaus wird brechen. Und Seren ist die Einzige, die gelernt hat, wie man im Sturm überlebt.“

Die Eltern schwiegen. Der Vorwurf traf sie sichtlich, doch die Jahre der Konditionierung saßen zu tief.

„Es ist nicht an uns, über dich oder deine... Begleiter zu urteilen, Seren“, sagte ihr Vater schließlich und straffte die Schultern, während vier schwer bewaffnete Wachen des Konklaves aus den Schatten der Plattform traten. „Der Ältestenrat erwartet euch im Hohen Dom. Bereitet euch vor. Sie werden keine Rücksicht auf die Gefühle von Eltern nehmen.“

Sie wurden durch lange, lichtdurchflutete Gänge aus weißem Marmor geführt, bis sich die gewaltigen Flügeltüren des Hohen Doms öffneten.

Der Raum war kreisrund. An den Wänden erhoben sich steile Ränge, auf denen die Ältesten des Konklaves saßen – Männer und Frauen, deren Gesichter wie aus Stein gemeißelt wirkten. In der Mitte des Raumes, im fahlen Licht einer Deckenöffnung, war der Platz für die Angeklagten.

Ganz oben saß Meister Vandar, der Mann mit der eisigen Stimme aus dem Funk. Er blickte auf die Gruppe hinab.

„Seren Vael“, die Stimme des Ratsvorsitzenden echote durch den gigantischen Dom. „Du stehst hier wegen des schwersten Verbrechens, das unsere Ordnung kennt: Dem Bruch der Isolation und dem Hereinführen der asymmetrischen Seuche. Was hast du zu deiner Verteidigung vorzubringen, bevor wir dein Urteil sprechen und die Fremden eliminieren, um die Spur zu löschen?“

Seren stand in der Mitte des Raumes. Sie war flankiert von ihren Eltern, die auf den Rängen der Ankläger sitzen mussten, und der Crew der Mantis . Sie blickte nach oben, spürte das Chaos in ihrem Inneren – und sah dann zu Taren.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.