Die Stille im Hohen Dom war erdrückend. Meister Vandar blickte unbarmherzig auf die Gruppe hinab, während Serens Eltern auf den Rängen der Zuschauer saßen, die Hände fest ineinander verschlungen, unfähig, ihrer Tochter zu helfen.
Seren trat als Erste vor. Ihre Stimme, obwohl von den emotionalen Wellen der letzten Stunden gezeichnet, war glasklar:
„Ihr sprecht von einer Seuche, ehrwürdige Älteste“, begann Seren und blickte in die Runde. „Aber die einzige Seuche da draußen ist das Imperium. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sie Welten aussaugen. Sie jagen nicht nur uns, sie jagen alles, was die Macht in sich trägt. Wenn dieses Schiff und seine Besatzung mich nicht gerettet hätten, wäre die Sternenkarte unserer Heimat jetzt in den Händen eines imperialen Inquisitors. Ich habe die Isolation nicht gebrochen, um uns zu verraten – ich habe sie gebrochen, weil die Mauern uns nicht mehr beschützen!“
Ein Raunen ging durch die Ränge, doch Vandar hob abwehrend die Hand. „Emotionen vernebeln die Wahrheit, Jägerin Vael. Du wurdest gesandt, um Bedrohungen zu eliminieren, nicht um sie zu bemitleiden.“
Bevor der Ratsvorsitzende das Urteil fällen konnte, trat Taren einen Schritt vor. Er schob seine Brille hoch und blickte ohne Furcht zu Vandar hinauf.
„Wissen Sie, was das Problem mit Mauern ist, Meister Vandar?“, fragte Taren ruhig, und seine Stimme hallte von den Marmorwänden wider. „Sie halten nicht nur die Feinde draußen. Sie machen auch die Menschen drinnen blind. Ich habe mein ganzes Leben im Schrott verbracht. Ich habe die Überreste von Zivilisationen gesehen, die dachten, sie wären sicher, weil sie mächtige Festungen hatten. Das Imperium schert sich nicht um Ihre Äonen des Friedens. Sie haben eine technologische und militärische Macht, die diese Galaxis noch nie gesehen hat. Ich bin kein Soldat, ich bin ein Wanderer. Aber ich weiß, wann ein Sturm aufzieht. Und wenn Sie uns jetzt eliminieren, löschen Sie die einzige Frühwarnung aus, die Ihr Volk noch hat.“
Nun trat Cal Kestis an Tarens Seite. Seine Hand ruhte instinktiv auf dem Griff seines Lichtschwerts, doch seine Haltung war friedlich.
„Mein Orden dachte auch, er sei sicher“, sagte Cal, und die schmerzhafte Tiefe seiner Worte ließ selbst einige der Ältesten aufhorchen. „Die Jedi saßen in ihrem großen Tempel auf Coruscant, umgeben von Traditionen und Regeln. Wir glaubten, wir könnten die Galaxis kontrollieren und uns vor der Dunkelheit schützen, indem wir uns über sie erheben. Wir haben uns geirrt. Das Imperium hat uns in einer einzigen Nacht ausgelöscht. Wenn Sie glauben, dass Ihre Isolation Sie rettet, begehen Sie exakt denselben Fehler, den wir begangen haben.“
Aus dem Schatten hinter den beiden trat Merrin hervor. Ein schwacher, grüner Schleier aus Magie tanzte flüchtig um ihre Fingerspitzen, und ihre dunklen Augen fixierten den Rat mit einer fast unheimlichen Kälte.
„Und ich bin die Stimme dessen, was danach kommt“, sagte Merrin leise, doch jedes Wort schnitt durch den Raum. „Ich bin eine Nachtschwester von Dathomir. Mein Volk hat sich ebenfalls versteckt. Wir dachten, unsere Magie und unsere Isolation auf einer abgelegenen Welt würden uns unantastbar machen. Dann kam der Krieg. Sie haben meine Schwestern niedergemetzelt, bis nur noch ich übrig war. Das Schicksal der Isolation ist nicht der Frieden, Älteste. Es ist das Vergessen. Wenn Sie allein bleiben, sterben Sie allein.“
Die Ältesten schwiegen. Das geballte Gewicht dieser vier unterschiedlichen Schicksale hing wie eine bleierne Last im Raum. Vandar wollte gerade ansetzen, um zu antworten, als das Licht im Dom plötzlich flackerte.