Der Weg zurück zur Landeplattform war ein Wettlauf gegen die Physik. Als Taren, Cal und Merrin die Rampe der Stinger Mantis hinaufstürmten, hatte sich der Taghimmel der Hauptwelt bereits in eine unheimliche, künstliche Nacht verwandelt.
Der Himmel brannte.
Das Dröhnen der Triebwerke der Stinger Mantis vibrierte durch Cals Stiefelsohlen, als Greez die Startsequenz einleitete. Draußen peitschte der Wind den Regen über das Cockpitglas, doch sein Blick war starr nach oben gerichtet – dorthin, wo die gewaltige Silhouette der Iron Vanguard die Wolkendecke durchschnitt.
Er drehte sich noch einmal kurz in der Luke um. Am Fuß der Rampe stand Seren, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Neben ihr piepste BD-1 leise und trippelte ungeduldig von einem Bein auf das andere.
„BD, du bleibst bei Seren“, sagte Cal über das Heulen der Systeme hinweg. „Pass auf sie auf und hilf ihr, die Ionenkanone zu hacken, sobald Taren und ich oben den Himmel brennend halten. Wenn Vances Sensoren uns erst einmal im Visier haben, gehört die Bodenbasis euch.“
Der kleine Droide gab ein zustimmendes Trillern von sich, salutierte flüchtig mit einer seiner Sensor-Antennen und sprang geschickt auf Serens Schulter. Cal nickte ihr ein letztes Mal zu, dann schloss sich die Luke. Sekunden später schoss die Mantis wie ein silberner Blitz in den verregneten Himmel, hinein in den tödlichen Orbit.
Die Iron Vanguard war durch den Nebel gebrochen. Der gigantische Sternzerstörer schob sich wie ein finsterer Keil über den Horizont, so massiv, dass er das Licht der weißen Sonne fast vollständig schluckte. Das tiefe, markerschütternde Dröhnen seiner gigantischen Ionentriebwerke ließ die Seen im Tal vibrieren und brachte die weißen Steinbauten des Konklaves zum Weinen.
Aus dem schier endlosen Hangar des Leviathans quollen bereits tausende kleine, schwarze Punkte – TIE-Jäger, Bomber und imperiale Landungsboote, die wie eine Insektenplage auf die unberührte Welt herabstürzten.
Am Boden, in den dichten Wäldern rund um den Dom, aktivierten Serens Eltern die getarnten Verteidigungsstellungen. Grüne Plasmastrahlen schossen peitschend in den Himmel und trafen die ersten imperialen Landungsschiffe, während Seren an der Konsole einer uralten, unterirdischen Batterie stand und die Zielerfassung auf die Brücke des Sternzerstörers ausrichtete.
Im Cockpit der Mantis riss Greez das Steuer herum, als die Schwerkraftregler des Schiffes gegen den massiven Traktorstrahl-Druck der Iron Vanguard ankämpften.
„Taren!“, brüllte Cal über das Alarmheulen hinweg, während er sich in den Co-Pilotensitz warf. „Vance riegelt den Sektor ab! Wenn wir hier rauswollen, müssen wir eine Lücke in seiner Jäger-Formation finden!“
Taren trat zwischen die Sitze, schlug mit der Hand auf die Holo-Karte und ließ die veränderten Gravitationslinien des Nebels anzeigen. Seine Augen fixierten das Chaos da draußen.
„Er blockiert die Standard-Vektoren“, sagte Taren, und ein wildes, entschlossenes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht hinter der Maske. „Aber er kennt die thermischen Winde nicht, die der Nebel in der oberen Atmosphäre erzeugt. Greez, flieg direkt auf den Bauch des Sternzerstörers zu! Wir nutzen seine eigene Hitzewelle, um uns über ihn zu katapultieren!“
„Du bist absolut lebensmüde, Scout!“, schrie Greez, aber seine vier Hände bewegten die Schubregler synchron nach vorn. „Aber mir gefällt, wie du denkst!“
Mit einem markerschütternden Aufheulen schoss die Stinger Mantis steil nach oben – direkt in den Rachen des imperialen Monsters.
Beide Pläne laufen. Seren und ihre Eltern schlagen am Boden brutal zu, während die Mantis im Orbit ein lebensgefährliches Ablenkungsmanöver startet.
Auf der weiten, sterilen Brücke des Sternzerstörers starrte Großadmiral Theron Vance auf den zentralen Holotisch. Seine perfekte, schneeweiße Uniform war makellos, doch das schmale Lächeln war von seinen Lippen gewichen. Seine eisblauen Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Erklären Sie mir das“, sagte Vance, und seine Stimme war leise, fast ein Flüstern, das jedoch gefährlicher klang als jeder Brüller. „Ein einziges, modifiziertes ziviles Schiff tanzt unserer gesamten Vorhut auf der Nase herum?“
„G-Großadmiral“, stammelte der leitende Sensor-Offizier, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. „Unsere Zielerfassungssysteme spielen verrückt. Die Anzeigen melden Phantomsignale. Es ist, als würde das Schiff... Hexerei benutzen. Und die Bodentruppen melden heftigen, organisierten Widerstand in den Wäldern. Sie nutzen Waffen, die wir nicht analysieren können.“
Malakor, der Anführer der Sith-Kultisten, trat aus dem Schatten. Seine gelben Augen fixierten das Hologramm der Mantis . „Das ist kein normaler Scout. Der Junge... Kestis ist dort. Und die Hexe. Lassen Sie uns mit unseren Jägern hinabsteigen. Wir werden ihre Geister brechen.“
Vance atmete langsam aus. Seine charismatische Aura kehrte zurück, kalt und absolut unerbittlich. Er glättete seine Ärmel.
„Nein, Malakor. Wir werden dieses Spiel nicht auf ihre Art spielen“, sagte Vance mit schneidender Ruhe. „Wenn sie zwischen den Welten wandern wollen, entziehe ich ihnen den Boden. Richten Sie die vorderen Turbolaser-Batterien auf die Koordinaten der planetaren Ionenkanone, die unsere Landungsboote unter Beschuss nimmt. Wenn sie nicht kapitulieren, brennen wir diesen Sektor vollständig aus.“
„Großadmiral!“, rief der Sensor-Offizier plötzlich dazwischen. „Die Ionenkanone am Boden... sie lädt auf! Sie haben uns im Visier!“
Vance blickte starr aus dem Sichtfenster, direkt hinab auf den grünen Planeten. „Feuer frei auf meine Anweisung.“