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KAPITEL 20

Die Trümmer des Glaubens

Im medizinischen Abteil der Mantis roch es nach verbranntem Stoff und Bacta. Seren lag auf der Liege, den Oberkörper leicht aufgerichtet. Ihre Jägerinnen-Rüstung war aufgeschnitten und lag wie die abgelegte Haut eines sterbenden Wesens in der Ecke. Taren saß auf einem kleinen Hocker neben ihr. Er hatte seine Maske abgenommen; seine Augen hinter den Brillengläsern waren müde, von dunklen Schatten unterlaufen, aber unendlich sanft. Mit ruhigen, präzisen Bewegungen strich er mit einem medizinischen Scanner über die schwere Brandwunde an ihrer Schulter, wo Malakors Klinge das Fleisch versengt hatte.

Seren starrte an die Decke. Sie zitterte nicht vor Schmerz – die kryogene Betäubung tat ihre Pflicht –, sondern vor einer inneren Kälte, die kein Bacta-Tank der Galaxis jemals heilen konnte. Taren blickte auf Seren hinab, deren Atemzüge flach und unregelmäßig waren. Er erinnerte sich kaum an den panischen Rückzug durch die berstenden Gänge – nur an das Herabstürzen der Decke– und Merrins grüne Magie, die im letzten Moment aufgeflammt war. Die Nachtschwester hatte nicht nur den Rückweg rauchfrei gehalten, sondern auch Serens fassungslose Mutter gepackt und mit sich durch die Schatten direkt in die Schleuse der Mantis gezogen, während Taren Seren getragen hatte. Nun saß die ältere Frau am Fußende der Liege, den Kopf in die Hände gelegt, eine stumme Statue des Leids.

„Du solltest dich nicht so viel bewegen“, sagte Taren leise, als Seren versuchte, den Arm zu heben. „Das Gewebe muss sich erst schließen. Malakors Klinge war... schmutzig. Die Macht in ihr war pures Gift.“

Seren antwortete nicht sofort. Ein einzelnes rhythmisches Piepen des Scanners untermalte das Schweigen. Schließlich wandte sie den Kopf zu ihm. Ihre Augen, die sonst die unerschütterliche Kälte einer Jägerin ausgestrahlt hatten, wirkten riesig, verloren und unendlich verletzlich.

„Er ist tot, Taren“, flüsterte sie. Ihre Stimme war rau, fast brüchig. „Mein Vater. Der stärkste Verfechter unserer Gesetze. Er hat sein ganzes Leben lang die Mauern bewacht... und sie sind einfach über ihm zusammengestürzt.“

Taren legte den Scanner beiseite und sah sie fest an. „Er hat dich beschützt, Seren. Und deine Mutter. Er hat nicht für die Mauern gekämpft. Er hat für euch gekämpft.“

Ein bitteres, fast verzweifeltes Lächeln stahl sich auf ihre blassen Lippen. Sie blickte auf ihre zitternden Hände.

„Du verstehst es nicht... das ganze System... alles, woran ich geglaubt habe, ist eine Lüge“, sagte sie, und mit einem Mal brach die mühsam aufrechterhaltene Fassade. Tränen der Ohnmacht und der Trauer schossen ihr in die Augen und liefen ungehindert über ihre Wangen. „Uns wurde beigebracht, dass das Konklave perfekt ist. Dass unsere Isolation uns unantastbar macht. Dass die Galaxis da draußen eine asymmetrische Seuche ist, die man nur ignorieren muss, damit sie verschwindet. Wir haben uns für die Krone der Schöpfung gehalten, Taren! Wir dachten, wir stünden über den Fehlern der Jedi und der Sith.“

Sie ballte die linke Hand zur Faust, so fest, dass die Knöchel weiß wurden. Der Schmerz der emotionalen Erkenntnis war schlimmer als die physische Wunde.

„Und dann kommt ein einziger imperialer Großadmiral. Er bringt Schiffe, die den Himmel verdunkeln, und Kreaturen, die die Finsternis selbst kontrollieren. Und unsere perfekte Zivilisation? Unsere Äonen des Friedens? Sie wurden in weniger als einer Stunde pulverisiert. Die Ältesten saßen weinend in ihren Roben, als das Licht ausging. Unsere Hegemonie... sie war nichts als ein Glashaus. Ein feiges, arrogantes Versteck.“

Es war der totale Zusammenbruch ihrer Weltanschauung. Alles, was ihr Identität, Stolz und Richtung gegeben hatte – die Disziplin, die Ränge, die Unfehlbarkeit des Rates –, war vor ihren Augen im Schlamm des Dschungels ertrunken. Sie fühlte sich nackt. Ohne Kompass. Genau wie der Wanderer, den sie so verachtet hatte.

Taren schwieg für einen langen Moment. Er reichte ihr ein sauberes Tuch und legte dann vorsichtig seine Hand auf ihre gesunde Hand. Er drückte sie nicht fest, sondern bot ihr einfach einen Halt im tobenden Sturm ihrer Gedanken.

„Es ist schmerzhaft, wenn die Götter sterben, an die man geglaubt hat“, sagte Taren mit einer emotionalen Tiefe, die Seren aufhorchen ließ. „Ich habe das auf Taris gesehen. Wenn die großen Fabriken schließen und die Reichen merken, dass ihr Geld sie im Dreck nicht rettet. Aber hör mir zu, Seren: Die Mauern sind gefallen, ja. Aber du stehst noch. Deine Mutter steht noch. Das Konklave war nicht die Steine des Doms. Es war die Entschlossenheit, das Leben zu schützen.“

In der Tür des medizinischen Abteils tauchte Cal Kestis auf. Er hielt sich am Rahmen fest, sein Poncho war zerrissen, sein Gesicht rußgeschwärzt. BD-1 saß auf seiner Schulter und gab ein leises, mitfühlendes Trillern von sich.

„Taren hat recht“, sagte Cal und trat einen Schritt in den Raum. „Als der Jedi-Orden fiel, dachte ich auch, das Universum geht unter. Ich habe mich jahrelang versteckt, weil ich dachte, ohne den Rat bin ich nichts. Aber die Macht stirbt nicht, weil ein Tempel brennt, Seren. Und dein Kampfgeist stirbt nicht, weil das Konklave versagt hat.“

Seren sah von Taren zu Cal. Sie atmete tief und zittrig aus. Die Tränen versiegten langsam, und in der Tiefe ihrer Augen, hinter all der Niedergeschlagenheit und dem lähmenden Schmerz, entzündete sich ein neuer, kalter Funke. Es war kein blinder Stolz mehr. Es war die rohe, unerbittliche Entschlossenheit einer Überlebenden.

„Vance wird die Reste meines Volkes jagen“, sagte sie, und ihre Stimme gewann Sekunde für Sekunde an Festigkeit zurück. „Er wird versuchen, jede Erinnerung an uns auszulöschen, um seine 'Ordnung' zu bringen. Und Malakor wird nicht ruhen, bis er die Macht dieser Welt ganz ausgesaugt hat.“

Sie blickte Taren direkt in die Augen.

„Ich habe keine Heimat mehr, an die ich zurückkehren kann, Wanderer. Mein Kompass ist zerbrochen. Aber wenn ich mit euch durch das Chaos gehen muss, um diesen Großadmiral und seine Bestie bluten zu sehen... dann werde ich das tun. Bring mir meine Hellebarde. Wir sind noch nicht fertig.“

Taren lächelte matt, ein echtes, stolzes Lächeln des Scouts. „Das ist das erste Mal, Jägerin, dass du wie eine echte Wanderin klingst.“

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.