Die Ratskammer war erfüllt vom hektischen Summen der überbrückten Konsolen. Kaelen stand bewacht von Merrin in der Ecke, während Cal und Taren sich über das imperiale Kommunikationsterminal beugten. Taren hatte die Verkleidung des Geräts mit seinem Scrapper-Messer aufgehebelt und die empfindlichen Kabel freigelegt.
„Die imperiale Frequenz ist hochgradig verschlüsselt“, erklärte Taren, während er zwei Drähte vorsichtig miteinander verband. „Wenn wir einfach so hineinfunken, merkt Vance sofort, dass wir nicht Kaelen sind. Wir brauchen den originalen ID-Code der Ratskammer, den Vance vorhin autorisiert hat.“
BD-1 sprang mit einem metallischen Klackern auf den Tisch. Er stieß ein entschlossenes Trillern aus, schoss sein Scomp-Link-Kabel direkt in die offene Matrix des Terminals und begann, die Datenströme zu filtern. Seine kleinen Linsen zoomten aufgeregt hin und her. Er simulierte Kaelens digitale Signatur und speiste sie in den imperialen Äther ein.
„Verbindung zur Iron Vanguard stabilisiert...“ , meldete die Konsole mit verzerrter, künstlicher Stimme.
„Guter Junge, BD“, murmelte Cal und klopfte dem kleinen Droiden auf den Kopf. „Taren, wie sieht der Plan aus? Wir können Vance nicht einfach sagen, dass wir auf dem Weg zu ihm sind.“
„Nein“, sagte Taren, und ein schmales, verwegenes Lächeln trat auf sein Gesicht hinter der Maske. „Wir füttern seine Logik. Vance denkt, das Konklave bricht unter der Angst zusammen. Wir schicken ihm ein gefälschtes Signal: Kaelen meldet, dass die Verräter gefangen genommen wurden und in einem unbewaffneten Transporter zur Übergabe in den Orbit geschickt werden. Sobald sie uns an Bord holen und die Hangarschilde für uns öffnen, schlagen wir von innen zu.“
Während Taren und Cal die Audio-Täuschung vorbereiteten, grub sich BD-1 tiefer in die imperialen Systemprotokolle, die durch die offene Leitung zurückflossen. Es war kein geplanter Hack – der kleine Droide suchte lediglich nach einer Möglichkeit, den Datenstrom stabil zu halten, um die Tarnung nicht auffliegen zu lassen.
Doch als er sich durch die verschachtelten Diagnoseberichte der beschädigten Iron Vanguard wühlte, stolperte seine Software über eine Anomalie.
Es war ein reiner Zufallsprodukt imperialer Arroganz.
Um die Triebwerke nach dem Ionenbeschuss so schnell wieder hochzufahren, hatte Großadmiral Vance – wie Taren bereits vermutet hatte – extreme Notfallprotokolle aktiviert. Die Kühlflüssigkeit, die Vance aus den Mannschaftsquartieren abgezogen hatte, erzeugte im inneren Reaktorkern der Iron Vanguard eine asymmetrische thermische Belastung. Ein bestimmtes Entlüftungsventil direkt hinter dem primären Hangar war durch die enorme Hitze blockiert. Die Sensoren des Zerstörers meldeten diesen Fehler zwar, aber das System hatte ihn als „akzeptables Risiko“ eingestuft, um die Einsatzbereitschaft der Turbolaser zu garantieren.
BD-1 hielt inne. Seine internen Schaltkreise ratterten. Er projizierte plötzlich ein helles, blaues Hologramm mitten in den Raum. Es war der detaillierte Bauplan des Sternzerstörers. Am Heck des Schiffes flackerte ein kleiner, roter Punkt wie ein warnendes Herz.
Taren brach mitten im Satz ab und starrte auf die Projektion. Er schob seine Brille hoch, trat ganz nah an das Hologramm heran und kniff die Augen zusammen. Seine Scrapper-Erfahrung mit großen Schiffskernen schlug sofort an.
„Cal... sieh dir das an“, flüsterte Taren, und in seiner Stimme lag eine Mischung aus absolutem Staunen und grimmiger Vorfreude. „Das ist kein akzeptables Risiko. Das ist eine offene Wunde. Weil Vance die Kühlung umgeleitet hat, staut sich der gesamte thermische Druck des Hauptreaktors hinter diesem einen Ventil im Hangar. Wenn wir den Hangar betreten und diese Matrix mit einer gezielten Ladung oder einem Lichtschwerthieb überlasten...“
„...dann jagen wir nicht nur den Hangar in die Luft“, vollendete Cal den Gedanken, und ein breites, entschlossenes Lächeln trat auf sein Gesicht. „Der gesamte thermische Rückstau schlägt direkt in den Hauptreaktor zurück. Das Schiff wird sich selbst von innen heraus zerreißen.“
Taren sah hinab zu dem kleinen Droiden, der stolz mit den Beinen tippte und ein triumphierendes Trillern von sich gab.
„BD, du bist ein verdammt genialer kleiner Schatzsucher“, sagte Taren und strich ihm über die Metallplatte. „Du hast uns gerade nicht nur einen Weg an Bord besorgt... du hast uns die Waffe geliefert, um diesen Riesen endgültig zu Fall zu bringen.“
Er wandte sich zu Seren, die mit finsterer Entschlossenheit ihre Hellebarde fest umklammerte. „Jägerin, sag Greez, er soll die Mantis startklar machen. Wir fliegen direkt in die Höhle des Löwen. Und wir nehmen die Fackel mit.“