WAYFARER ARCHIVE // LESEMODUS
Kapitelübersicht
KAPITEL 26

Die Asche von Sylva-Vaal

Die Triebwerke der Stinger Mantis jaulten gequält auf, als das Schiff die dichte, von Rauch geschwängerte Atmosphäre von Sylva-Vaal durchbrach. Wo sonst ein endloses, smaragdgrünes Meer aus gigantischen Urwäldern und versteckten Tälern lag, fraßen sich nun orangefarbene Narben aus Feuer durch das Kronendach. Das Imperium hatte den Nebelkorridor durchbrochen. Großadmiral Vances Sternenzerstörer hingen wie monströse Dolche im Orbit und feuerten unaufhörlich Orbitalschläge auf die Zufluchtsorte des Vaal-Konklaves.

Im Cockpit umklammerte Taren Wayfarer die Schalthebel des Co-Pilotensitzes, während Greez die Mantis mit schweißnassen Händen durch ein tödliches Abwehrfeuer aus Flak-Blitzen und abstürzenden brennenden Mammutbaum-Riesen manövrierte.

„Das ist kein normaler Angriff, das ist eine Säuberung!“, rief Taren gegen das Dröhnen der Triebwerke an. Seine Augen spiegelten das rötliche Glühen der sterbenden Wälder wider. „Wenn sie die Ratskammer an den Klippen treffen, ist das Konklave Geschichte!“

„Ich tue, was ich kann, Kleiner!“, schrie Greez zurück, während er das Schiff in einen halsbrecherischen Sturzflug schickte. „Aber wenn wir nicht gleich landen, werden wir selbst zu Sternenstaub auf diesem Dschungelbrocken!“

An den rauchenden Klippen, direkt vor dem verborgenen Eingang der Ratskammer, brachte Greez die Mantis in einer meisterhaften Schwebelandung zum Stehen. Die Luft, die durch die sich öffnende Luftschleuse drang, war heiß und schmeckte nach Asche und verbranntem Ozon.

Im Inneren der Ratskammer herrschte pures Chaos. Ratsherr Kaelen stand am zentralen Holoprojektor, sein Gesicht bleich vor nackter Panik. Um ihn herum flackerten die Notübertragungen der anderen Welten: das karge, tektonisch hyperaktive Aethel-Vaal , dessen Cortosis-Minen bereits blockiert waren, und die eisigen Ozeane von Veridia-Vaal , wo das Imperium die historischen Archive belagerte. Das gesamte Vaal-System stand am Abgrund.

„Es ist vorbei!“, rief Kaelen den versammelten Jägern zu, seine Stimme überschlug sich fast. „Wir müssen kapitulieren! Wenn wir Großadmiral Vance die Rebellen und die Jedi ausliefern, wird er die restlichen Siedlungen auf Sylva-Vaal verschonen. Es ist der einzige Weg, unser Volk zu retten!“

„Das ist kein Weg, Kaelen. Das ist ein Todesurteil auf Raten“, erklang eine ruhige, aber felsenfeste Stimme am Eingang der Kammer.

Cal Kestis trat aus dem Schatten der Steinsäulen, die Hand einsatzbereit am Griff seines Lichtschwerts. Neben ihm stand Seren Vael, die Augen voller mühsam beherrschter Wut, die Hand an ihrer schweren Cortosis-Hellebarde.

„Das Imperium schließt keine Kompromisse“, fuhr Cal fort und trat Kaelen entgegen. „Ich habe gesehen, was sie mit Welten machen, die sich ergeben. Sie werden Sylva-Vaal ausbeuten, die Minen auf Aethel-Vaal versklaven und die Archive auf Veridia-Vaal niederbrennen. Wenn ihr jetzt kniet, steht ihr nie wieder auf.“

„Du bist ein Ausgestoßener, ein Relikt eines toten Ordens!“, zischte Kaelen und deutete mit zitterndem Finger auf Cal. „Du hast diesen Krieg auf unsere Welt gebracht! Wegen dir brennen unsere Wälder!“

„Nein, Kaelen. Sie brennen, weil du Angst hast“, unterbrach ihn Seren Vael. Sie trat vor den Rat, hob ihre Hellebarde und stieß den Schaft schwer auf den Steinboden, sodass ein metallischer Klang durch die Halle hallte. Die verunsicherten Schatten-Jäger in der Kammer sahen zu ihr auf. „Der Ratsherr will uns an den Henker verkaufen, um Zeit zu kaufen. Aber wir sind die Jäger von Vaal. Wir verstecken uns nicht mehr in den Schatten, während unsere Heimat verbrennt!“

Mit einer schnellen, entschlossenen Bewegung aktivierte Seren das Kom-System der Ratskammer und schaltete es auf die planetare Frequenz. Ihr Ruf ging an jede verborgene Enklave im Dschungel, an jede Fischer- und Archivsiedlung auf den Eisinseln von Veridia-Vaal.

„An alle Fraktionen des Vaal-Systems: Ratsherr Kaelen hat den Pfad der Ehre verlassen. Ich enthebe ihn hiermit seines Amtes. Ab heute kapitulieren wir nicht mehr. Wir koordinieren unseren Widerstand. Schnappt euch eure Waffen, besetzt die Schiffe. Wir treiben das Imperium aus unseren Wäldern!“

Ein Raunen ging durch die Reihen der Jäger in der Kammer. Einer nach dem anderen traten sie von Kaelen weg und stellten sich hinter Seren und Cal. Kaelen sank fassungslos in seinem Ratssessel zusammen, entmachtet durch den reinen Willen seines eigenen Volkes.

Taren Wayfarer stürmte in die Kammer, einen modifizierten Blaster in der Hand und BD-1 auf der Schulter, der aufgeregt piepste. „Seren, Cal! Die imperialen Landungsboote setzen im Sektor Vier auf. Sie wollen uns einkesseln!“

Cal blickte zu Seren und ein schmales, entschlossenes Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Er zog sein Lichtschwert, und die blaue Klinge erhellte die düstere Ratskammer mit einem vertrauten Summen.

„Dann sollten wir sie wohl gebührend auf Sylva-Vaal willkommen heißen“, sagte Cal.

Gemeinsam mit Seren, Taren und den vereinten Jägern des Konklaves trat er hinaus in den ascheregen, bereit, die brennende Dschungelwelt bis zum letzten Atemzug zu verteidigen.

Der gebrochene Ratsherr Kaelen wurde von zwei Jägern aus der Halle geführt, doch für Erleichterung blieb keine Sekunde. Das ferne Grollen der imperialen Bomben ließ die steinernen Wände der Ratskammer unaufhörlich erzittern. Staub und kleine Kiesel rieselten auf den Holotisch herab.

In diesem Moment trat ein älterer, sichtlich gezeichneter Schatten-Jäger aus den hinteren Rängen vor. Sein linker Arm lag in einer Behelfsschlinge, doch in seiner rechten Hand hielt er eine kleine, wettergegerbte Metallkassette. Er ging vor Seren auf ein Knie.

„Kommandantin Vael“, sagte der Jäger mit brüchiger Stimme. „Dein Vater, Kommandant Garrick, hat mir dies vor seinem letzten Flug übergeben. Er sagte, wenn die Hauptwelt jemals brennt und der Rat versagt, liegt die Zukunft unseres Blutes nicht mehr in den Wäldern von Sylva-Vaal. Es ist für dich.“

Mit zitternden Fingern öffnete Seren die Kassette. Darin lag ein schweres, mit geometrischen Vaal-Runen verziertes Eissiegel aus seltenem Cortosis-Erz – der physische Schlüssel zu den innersten Kammern der Ahnen.

Bevor Seren antworten konnte, gellte Tarens Stimme durch die Kammer. Er stand am imperialen Funkterminal, das er an sein Datapad angeschlossen hatte. Seine Augen waren geweitet, während er die abgefangenen Datenströme überflog.

„Seren! Cal! Hört euch das an!“, rief Taren, während er an den Frequenzen drehte. Ein stark verzerrter, imperialer Funkspruch knackte aus den Lautsprechern: „...an Kreuzer Vanguard-Zwei: Orbitalschnittpunkt über Sektor Nordpol bestätigt. Die Gletscherscans auf Planet Vier waren erfolgreich. Haben die thermische Signatur des unterirdischen Komplexes lokalisiert. Beginnen mit der Landung von Pionier-Einheiten, um das Archiv-Tor zu knacken. Sichert das Holocron... den Schleier-Vektor... Befehl von Großadmiral Vance...“

Das Funkknacken verstummte, aber die Stille in der Ratskammer war drückend.

„Sie haben die Archive auf Veridia-Vaal gefunden“, flüsterte Seren, und ihr Griff um das Siegel ihres Vaters wurde so fest, dass ihre Knöchel weiß anliefen. „Sie suchen den Schleier-Vektor . Wenn Vance dieses Holocron in die Finger bekommt, kennt das Imperium jede unkartierte Route durch den Nebel. Sie werden uns hier drin einkesseln und systematisch auslöschen.“

Cal trat an ihre Seite und blickte auf das Siegel in ihrer Hand. „Vance hat die Koordinaten, aber er hat nicht den Schlüssel. Seine Truppen werden versuchen, das Tor aufzubrechen – und das gibt uns ein Zeitfenster. Wenn wir das Archiv vor ihnen erreichen, können wir den Vektor sichern und deinem Volk den Weg in die Freiheit offenhalten.“

Seren sah auf die versammelten Jäger hinab, dann zu Taren und Cal. Ein neues, unerschütterliches Feuer brannte in ihren Augen.

„Sylva-Vaal ist für den Moment verloren, wir müssen unsere Kräfte sammeln“, rief sie den Jägern zu. „Haltet die Stellungen im Dschungel und zieht euch in die tiefen Höhlen zurück! Wir holen das Vermächtnis meines Vaters.“

Sie wandte sich an Taren. „Funke Greez an. Er soll die Triebwerke der Mantis warmlaufen lassen. Wir brechen sofort auf zum Zwillingsplaneten. Wir fliegen nach Veridia-Vaal!“

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.