WAYFARER ARCHIVE // LESEMODUS
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KAPITEL 28

Der Schlüssel im Eis

Der gefrorene Boden erzitterte unter den Stiefeln der Sturmtruppen, als Cal wie ein Wirbelwind aus blauem Licht durch ihre Reihen fegte. Die ersten drei Soldaten wurden von ihren eigenen reflektierten Blasterschüssen von den Beinen gerissen. Die restliche Vorhut der imperialen Pioniere wich panisch zurück, während sie verzweifelt versuchten, das schwere E-Netz-Blastergeschütz neu auszurichten.

„Flankenfeuer! Deckung suchen!“, brüllte der imperiale Wachführer, doch sein Befehl ging im ohrenbetäubenden Zischen von geschmolzenem Metall unter.

Seren Vael nutzte die Verwirrung perfekt. Sie stürzte sich mit einem gellenden Kriegsschrei von der oberen Eisgalerie herab. Ihre schwere Cortosis-Hellebarde schnitt in einem weiten Bogen durch die Luft und traf den Lauf des schweren Geschützes. Beim Aufprall entlud sich die kinetische Energie des Cortosis-Erzes in einem grellen, violetten Blitz – die Energiezellen des Blasters schlossen augenblicklich kurz und das gesamte Geschütz detonierte in einer Wolke aus weißem Rauch und Funken.

„Taren, jetzt! Zum Tor!“, rief Cal, während er die Klinge seines Lichtschwerts hob, um eine Salve aus den Blastergewehren der verbliebenen Sturmtruppen abzuwehren.

Taren Wayfarer zögerte keine Sekunde. Er sprintete, flach geduckt, an den kämpfenden Soldaten vorbei direkt auf das massive, runenverzierte Steintor zu. Die beiden imperialen Techniker, die dort mit einem thermischen Plasmabrenner gearbeitet hatten, ließen vor Schreck ihre Werkzeuge fallen. Einer von ihnen griff nach seiner Blasterpistole, doch Taren war schneller: Mit einem gezielten Schuss aus seinem modifizierten Blaster traf er die Hand des Technikers, während BD-1 von Tarens Schulter absprang und dem zweiten Techniker direkt ins Gesicht sprang, um ihm mit heftigen Elektroschocks die Sicht zu nehmen.

„Gute Arbeit, Kumpel!“, keuchte Taren, als er das rauchende Kontrollpanel des Tores erreichte. Die Imperialen hatten die Schaltkreise bereits halb kurzgeschlossen. „Das wird knapp... die Systeme sperren sich gegen das imperiale Protokoll.“

„Benutz das Siegel meines Vaters!“, rief Seren, während sie einen heranstürmenden Sturmtrupp-Unteroffizier mit dem Schaft ihrer Hellebarde von den Beinen holte. Sie wich einem Blasterschuss aus und warf Taren die kleine Metallkassette mit einer präzisen Bewegung über das Schlachtfeld hinweg zu.

Taren fing die Kassette auf, riss das schwere Cortosis-Eissiegel heraus und blickte auf die Konsole. Unter den zerschmolzenen imperialen Kabeln kam eine kreisrunde Vertiefung im uralten Stein zum Vorschein, die exakt die Geometrie der Vaal-Runen aufwies.

Mit klammen Fingern drückte er das Siegel in die Aussparung.

Ein tiefes, mechanisches Grollen ging durch den gesamten Gletscher. Die dicken Eisschichten, die das Tor jahrhundertelang versiegelt hatten, sprangen mit einem lauten Knallen auf. Die gewaltigen Steinplatten begannen sich langsam und schwerfällig nach innen zu öffnen, und ein Hauch von jahrtausendealter, vollkommen trockener und kühler Luft strömte der Gruppe entgegen.

„Es ist offen!“, rief Taren. „Bewegung, rein da!“

Cal schlug einen letzten, verzweifelten Blasterschüsse zurück, packte den piepsenden BD-1 im Flug und hechtete gemeinsam mit Seren durch den immer breiter werdenden Spalt des Steintors. Taren rollte sich direkt hinter ihnen durch, riss das Siegel aus der Verankerung und schlug auf den inneren Notöffner. Mit einem lauten Krachen schlugen die tonnenschweren Steinplatten wieder zu und schnitten das verbliebene dumpfe Feuern der Sturmtruppen draußen ab.

Drinnen herrschte plötzliche, fast ehrfurchtgebietende Stille. Das Heulen des arktischen Sturms war verschwunden.

Sie standen in einer gigantischen, kreisrunden Kammer, die tief in das unnachgiebige Herz des Permafrosts geschlagen war. An den Wänden ragten hunderte von Regalen empor, die jedoch keine Bücher, sondern tausende von blau und grün schimmernden Datenkristallen und Datapads enthielten – das gesammelte Gedächtnis von dreißig Generationen des Vaal-Konklaves.

In der Mitte der Halle erhob sich ein Podest aus dunklem, glatt poliertem Obsidian. Und dort, eingebettet in eine Halterung, die wie die Äste eines Mammutbaums geformt war, schwebte ein handgroßes, würfelförmiges Objekt, das in einem sanften, goldenen Licht pulsierte.

Der Schleier-Vektor.

Seren trat langsam an das Podest heran, ihre Schritte hallten leise auf dem antiken Boden wider. Sie senkte ihre Hellebarde und blickte auf das Artefakt, für das ihr Vater sein Leben gelassen hatte. „Das ist es. Die unkartierten Pfade. Die Zukunft unseres Volkes.“

Cal trat neben sie, doch anstatt Erleichterung zu spüren, spannte sich sein ganzer Körper plötzlich an. Ein kaltes Gefühl kroch seinen Nacken hinauf – eine Erschütterung in der Macht, die nichts mit der Kälte von Veridia-Vaal zu tun hatte.

„Wir sind nicht allein hier drin“, flüsterte Cal, während seine Hand unwillkürlich wieder zum Griff seines Lichtschwerts wanderte.

Aus der Dunkelheit am anderen Ende der Archivhalle, direkt hinter dem Obsidian-Podest, ertönte ein langsames, rhythmisches Klatschen. Ein schwerer, schwarzer Militärmantel schälte sich aus den Schatten, gefolgt von den glänzenden Rüstungen zweier imperialer Purge-Trooper mit aktivierten Elektrostäben.

Großadmiral Vance stand im Archiv, ein kaltes, triumphierendes Lächeln auf den schmalen Lippen.

„Ein wahrlich rührender Moment, Kommandantin Vael“, sagte Vance, und seine Stimme schnitt wie Eis durch die Halle. „Du bringst mir den Schlüssel zu meinem eigenen Tor. Ich wusste, dass deine sentimentale Ader dich direkt hierherführen würde.“

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.