Cal und Merrin traten respektvoll einen Schritt zurück, als Taren sich von der Wand löste und langsam an das Sichtfenster herantrat. Seine Bewegungen, sonst oft von einer nervösen, barriereartigen Zurückhaltung geprägt, wirkten in diesem Moment seltsam entschlossen. Er stellte sich neben Seren, den Blick starr auf die wirbelnden, aschgrauen Staubwolken des Tenebris-Sektors gerichtet.
„Als das Imperium die Oberflächen von Taris säuberte, gab es für uns in der Unterstadt keine Evakuierungspläne“, begann er leise, während seine Finger im Rhythmus der elektromagnetischen Anomalien auf den Armaturen mitschwangen. „Wir hatten keine Vorräte, keine Soldaten, keine alten Chroniken. Nur den Schrott, der von oben herabfiel. Giftigen, scharfkantigen Müll. Ich war allein. Keine Hilfe, keine Führer. Wenn du dort in den starren Mustern denkst, die man dir beigebracht hat – dass Metall sauber sein muss, um zu funktionieren, oder dass eine Maschine nur nach Bauplan laufen darf –, dann stirbst du innerhalb von zwei Tagen.“
Er wandte den Kopf leicht zu ihr. Das kränkliche, fahle Licht der sterbenden Sterne spiegelte sich in seinen Augen.
„Du siehst hier draußen nur Chaos und Trümmer, Seren, weil dein Vater dich gelehrt hat, in Schwarz und Weiß zu denken. Sicherheit oder Verderben. Imperium oder Konklave. Aber das hier? Das ist das, was nach dem Feuer kommt. Es ist unfertig. Und genau das ist die Chance.“
Seren sah ihn überrascht an. Es war das erste Mal, dass Taren so zusammenhängend und tiefblickend sprach, ohne sich hinter technischem Jargon zu verstecken.
„Deine Bevölkerung muss nicht mehr in den alten, starren Strukturen der Vaal-Welten leben“, fuhr Taren fort, und ein seltenes, intensives Leuchten trat in seine Züge. „Vielleicht ist die Zeit gekommen, umzudenken. Wenn du sie in eine perfekt geschützte, sterile Festung sperrst, hältst du sie nur in der Vergangenheit gefangen. Lass sie diesen Sektor als das sehen, was er für mich auf Taris war: ein rohes, unbeschriebenes Blatt. Gib deinem Volk die Möglichkeit, Neues zu entdecken, zu erleben, aufzubauen und einen völlig neuen Weg zu gehen.“
Er hob eine Hand und deutete auf die wilden, unkartierten Asteroidenfelder vor ihnen.
„Sie werden lernen müssen, sich anzupassen. Sie werden die Energie dieser Anomalien nutzen, neue Schiffe bauen und die Dunkelheit zu ihrem Werkzeug machen. Die nächste Generation deines Volkes… sie ist kein trauriger Rest, der die Asche bewacht. Sie ist die nächste Stufe einer Evolution. Sie werden stärker sein als alles, was Sylva-Vaal je hervorgebracht hat, weil sie gelernt haben, im Chaos zu atmen und zu wachsen.“
Tarens Worte hallten tief in Seren nach. Sie blickte wieder hinaus in den Sektor, doch die bedrohliche Schwärze wirkte plötzlich nicht mehr wie ein Gefängnis, sondern wie ein gigantisches, ungebändigtes Fundament. Ein Ort, an dem aus den Bruchstücken der Vergangenheit etwas völlig Neues entstehen konnte.