Das sanfte Flackern des modifizierten Schleier-Vektors erlosch abrupt, als eine schrille, mechanische Frequenz durch die Lautsprecher der Messe dröhnte. Das monotone Summen des Hyperraumantriebs veränderte seine Tonlage, wurde tiefer, vibrierender und ging schließlich in das vertraute, dumpfe Grollen über, das das baldige Austreten in den Realraum ankündigte.
„Wir erreichen den Tenebris-Sektor in wenigen Minuten“, krächzte Greez’ Stimme über das interne Intercom, merklich freier von dem vorherigen Frust über die verlorenen Rationen. „Macht euch bereit. Da draußen sieht es laut den Scannern ungemütlich aus.“
Die gerade erst gewonnene emotionale Wärme in der Runde verflog und wich der kalten Realität der bevorstehenden Ankunft. Cal und Merrin erhoben sich schweigend, während BD-1 mit einem kurzen, aufgeregten Chirp auf Cals Schulter sprang. Taren stand ebenfalls auf, die Augen bereits wieder auf die Deckenverkleidung gerichtet, als würde er im Geist die Belastung der Schilde kalkulieren.
Nur Seren blieb einen Moment länger sitzen. Der emotionale Durchbruch hatte ihr zwar Erleichterung verschafft, doch mit dem nahenden Ziel holte sie eine völlig neue, lähmende Angst ein. Sie spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Es war nicht die Angst vor dem Imperium oder einer physischen Konfrontation – es war die erdrückende Last der Verantwortung für die Überlebenden ihres Volkes.
Sie trat an das große Sichtfenster der Messe, während die Mantis mit einem heftigen Ruckeln den Hyperraum verließ.
Vor ihnen erstreckte sich der Tenebris-Sektor. Es war ein düsteres, unheilvolles Panorama. Riesige, aschgraue Staubwolken und instabile Asteroidenfelder hüllten die fernen Himmelskörper ein. Das Licht der sterbenden Sterne im Hintergrund wirkte fahl, fast kränklich, und schaffte es kaum, die gähnende Leere zwischen den Brocken zu erhellen. Anomalien verzerrten die Sensorendaten auf den sekundären Bildschirmen der Messe in wirren Mustern.
Cal trat leise neben sie und blickte ebenfalls hinaus in das Chaos aus Staub und Stein. „Da ist er also. Ein Ort, an den uns niemand so leicht folgen wird.“
„Ein Ort, an dem vielleicht niemand überleben kann“, erwiderte Seren, und ihre Stimme war von plötzlichen, tiefen Zweifeln erfüllt. Sie wandte sich nicht von der Scheibe ab. „Sieh dir das an, Cal. Das ist kein Zufluchtsort. Das ist ein Friedhof aus kosmischem Schrott und Strahlung. Ich habe die Reste meines Volkes hierhergeführt, im Glauben, ihnen eine Zukunft zu schenken. Aber was, wenn ich sie nur in eine andere, weitaus grausamere Falle gelockt habe? Was, wenn dieser Sektor ihre Sicherheit nicht garantiert, sondern ihr Todesurteil ist?“
Sie dachte an die Familien, die Verletzten, die Kinder der Vaal-Welten, die auf ihre Entscheidung vertraut hatten. Die Vorstellung, dass diese unwirtliche, unberechenbare Schwärze ihre neue Heimat werden sollte, schnürte ihr die Kehle zu. Ihre gerade mühsam abgelegte Maske drohte unter dem Druck dieser neuen Panik wieder zu erstarren.
Merrin trat von der anderen Seite an sie heran. „Die Dunkelheit schützt vor den Jägern, Seren. Aber man muss lernen, in ihr zu atmen.“