„Mein Vater…“, begann Seren erneut, und dieses Mal hielt ihre Stimme dem Gewicht der Worte stand. Sie zog die Knie an ihren Körper, legte das Kinn darauf und starrte unverwandt in das saphirblaue Flackern des Navigations-Holocrons. „Kommandant Garrick Vael. Er war kein Mann, der an Wunder glaubte. Er glaubte an Disziplin, an die Dichte des Unterholzes und an die kalte Logik des Überlebens.“
Sie atmete tief ein, und für einen Moment schien es, als würde das Summen des Hyperraumantriebs der Mantis mit ihrem Herzschlag verschmelzen.
„Als die Sternenzerstörer des Imperiums über Sylva-Vaal auftauchten und die ersten Bomben die jahrhundertealten Mammutbäume in Brand steckten, sah ich ihn zum ersten Mal zögern“, fuhr sie leise fort. „Er rief mich in die verborgene Kommandozentrale unter den Wurzeln. Dort lag er – der Schleier-Vektor. Mein Vater sah mich an und sagte: 'Seren, eine Armee kann sterben, eine Welt kann brennen. Aber wenn das Wissen des Konklaves ausgelöscht wird, sind wir nie existent gewesen.' Er wollte, dass ich die Rolle der Kuratorin annehme. Ich sollte mich mit den Chroniken tief in den Höhlen vergraben, während er und meine Jäger den imperialen Vormarsch mit ihrem Leben verzögerte.“
Ein bitterer Zug legte sich um ihre Lippen. Ihre Finger klammerten sich fester um ihre Schienbeine.
„Meine größte Angst war nicht der Tod durch Großadmiral Vances Truppen. Es war die Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Ich stand in diesem feuchten, dunklen Bunker, hörte die Erschütterungen der Einschläge von oben und dachte: Wenn ich hierbleibe und die Mauern über mir einstürzen, habe ich alles verloren. Wenn ich fliehe, bin ich eine Verräterin an seinem Befehl.“ Sie blickte auf und sah Merrin direkt in die Augen. „Als ich den Vektor griff und zur Mantis rannte, fühlte ich mich feige. Ich dachte, ich hätte den Weg der Kuratorin verraten, weil ich die lebendige Wärme der Flucht der kalten Pflicht des Sterbens vorgezogen habe.“
Sie wandte ihren Blick zu Taren. Der Mechaniker rührte sich nicht, doch das rhythmische Zucken seiner Finger hatte aufgehört; er hörte ihr mit einer fast schmerzhaften Intensität zu.
„Ich habe dich in der Werkstatt beobachtet, Taren“, sagte sie sanft, ohne jede Spur ihrer sonstigen kühlen Distanz. „Als du dich hinter deiner Mauer aus Stille versteckt hast, habe ich meinen Vater gesehen. Er tat dasselbe. Er sperrte seine Angst in Befehle weg, so wie du deine in die Maschinen flüchtest. Und ich… ich habe mich hinter meiner Hellebarde und meiner schroffen Maske versteckt, weil ich dachte, wenn ich jemanden an mich heranlasse, bricht die Disziplin zusammen, die mein Vater mir eingebläut hat.“
Sie ließ die Beine wieder auf den Boden gleiten und öffnete die Handflächen, als würde sie die unsichtbare Last der verbrannten Wälder ihrer Heimat loslassen.
„Merrin hat recht“, flüsterte sie, und ein erstes, echtes Gefühl der Erleichterung spiegelte sich in ihren Zügen wider. „Ein Konklave besteht nicht aus vergrabener Asche. Es besteht aus uns. Ich habe meinen Vater nicht verraten, indem ich auf dieses Schiff gestiegen bin. Ich habe sein Vermächtnis gerettet.“
Greez wischte sich unauffällig mit dem oberen rechten Arm über die Wange, während Cal ihr ein tiefes, respektvolles Nicken schenkte. Das blaue Licht des Schleier-Vektors flackerte ruhig weiter, doch die Atmosphäre in der kleinen Messe hatte sich grundlegend verändert. Die unsichtbaren Mauern waren gefallen. Sie waren keine Fremden mehr, die sich ein Schiff teilten – sie waren eine Crew.