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KAPITEL 51

Das Schweigen des stählernen Riesen

Das rötliche Glühen von Sylva-Vaal war im Sichtfenster von Inquisitor Malakors privatem Meditationsraum längst zu einem matten, sterbenden Funken verblasst. Der Sternenzerstörer Iron Vanguard bewegte sich kaum merkbar durch das Nichts. Doch die Stille, die den gusseisernen Koloss umgab, war nicht die Stille des Triumphs. Es war die lähmende, erstickende Stille einer kollektiven, lautlosen Verweigerung.

Malakor saß im Schneidersitz auf dem kalten Metallboden. Seine Maske lag vor ihm, das vernarbte, bleiche Gesicht entblößt im fahlen Licht der Deckenleuchte. Er hatte die Augen geschlossen, versuchte, seinen Geist in die Ströme der Macht zu versenken, um den Vektor der flüchtigen Mantis zu erfühlen. Doch jedes Mal, wenn er das Netz auswarf, stieß er auf eine Wand.

Es war keine Wand aus Stein oder feindlicher Macht. Es war eine Wand aus bürokratischem Schleim, aus absichtlicher Inkompetenz und der passiven Aggression von fünftausend imperialen Soldaten, die den Tod ihres Großadmirals rächen wollten, ohne auch nur eine einzige Vorschrift zu brechen.

Ein leises Zischen kündigte die Öffnung der Hydrauliktür an. Malakor öffnete die Augen nicht, als Kommandantin Tyler den Raum betrat. Ihr Gesicht war eine Maske aus vorschriftsmäßiger, militärischer Kälte.

„Bericht“, stieß Malakor hervor. Seine unverzerrte Stimme klang rauchig, heiser und gefährlich leise.

„Die Diagnose der sekundären Rechenkerne zieht sich weiter in die Länge, Inquisitor“, erklärte Tyler, und in ihrer Stimme lag dieses ungreifbare, unverschämte Quäntchen an monotoner Pflichterfüllung, das Malakor innerlich rasend machte. „Die Filterprotokolle von Großadmiral Vance waren mit seinen persönlichen ISB-Verschlüsselungscodes verknüpft. Da der Großadmiral… unerwartet im Einsatz verstarb, hat das System eine automatische Sperre initiiert. Wir versuchen seit sechs Stunden, die mathematischen Schleifen manuell zu umgehen.“

„Sie lügen, Kommandantin“, flüsterte Malakor. Er erhob sich langsam. Seine nackte Gestalt wirkte in den Schatten des Raumes wie ein hagerer, hungriger Totenbeschwörer. Er trat an Tyler heran, bis er ihren Atem spüren konnte. Er suchte in ihrem Geist nach dem Funken des Verrats, nach dem Bild des ISB-Agenten Krennel, nach geheimen Absprachen.

Doch Tyler blinzelte nicht einmal. Ihre Gedanken waren perfekt diszipliniert. Sie dachte an imperiale Paragrafen. Sie dachte an das Flottenhandbuch, Sektion 12, Absatz 4: Verfahren beim plötzlichen Ausfall des kommandierenden Offiziers unter unklaren Gefechtsbedingungen . Sie schützte sich mit der reinsten Form der imperialen Bürokratie.

„Ich berichte lediglich die Fakten, die mir die Technikabteilung liefert, Sir“, erwiderte sie flach. „Wenn Sie es wünschen, kann ich den leitenden Techniker exekutieren lassen. Das wird die Rechenzeit der beschädigten Relais allerdings um schätzungsweise weitere zwölf Standardstunden verzögern, da uns dann die Fachkraft fehlt.“

Malakor ballte die Fäuste. Sie spielten mit ihm. Sie wussten genau, dass er sie nicht alle töten konnte. Wenn er die Brückencrew hinrichtete, stand der Sternenzerstörer still. Wenn er Tyler eliminierte, brach die Disziplin auf den unteren Decks komplett zusammen. Er war der absolute Herrscher über dieses Schiff, und doch war er ihr Gefangener. Die Crew hatte sich in die Schatten zurückgezogen, dorthin, wo seine rote Lichtschwertklinge sie nicht erreichen konnte.

„Wegtreten“, zischte er.

Tyler salutierte exakt im vorgeschriebenen Winkel, drehte sich auf dem Absatz um und ging. Die Tür schloss sich mit einem dumpfen Klacken.

Als Malakor wieder allein war, trat er an den Holo-Projektor an der Wand. Ein rotes Warnsymbol blinkte unaufhörlich. Es war keine Meldung über die Rebellen. Es war eine verschlüsselte Prioritäts-Anfrage des Imperialen Sicherheitsbüros aus dem Kernsektor.

„Anfrage zu Status und Verbleib von Großadmiral Vance. Letzter offizieller Bericht überfällig. Erklären Sie die Verzögerung des Erstickungs-Protokolls.“

Die Zeit lief ab. Das ISB auf Coruscant hatte bereits Verdacht geschöpft. Krennels geheimer Bericht musste die Relaisstationen im Tiefenraum bereits passiert haben. Malakor spürte, wie sich die Schlinge um seinen eigenen Hals zuzog. Wenn er die Mantis und das Vaal-Konklave nicht innerhalb der nächsten Tage vernichtete, um dem Imperator einen totalen Sieg zu präsentieren, würde Vances Tod nicht als Gefallener im Kampf deklariert werden – sondern als Hochverrat der Inquisition an der Flotte.

Er war isoliert. Gefangen auf einer dreitausend Meter langen Festung aus Stahl, umgeben von Männern und Frauen, die ihn mit jedem vorgetäuschten Systemfehler, mit jeder absichtlich falsch kalibrierten Antenne und mit jedem bürokratischen Hindernis tiefer in den Abgrund stießen.

Der Inquisitor griff nach seiner Maske und drückte sie wieder auf sein Gesicht. Das vertraute, mechanische Atmen setzte wieder ein. Es klang nicht mehr mächtig. Es klang wie das Ticken einer Uhr, deren Federn kurz vor dem Zerspringen waren. Er musste die Spur finden. Allein. Ohne die Flotte.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.