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KAPITEL 55

Die gezähmte Bestie

Die provisorische Kommandozentrale im Herzen der Vaal-Zuflucht war erfüllt vom Summen der neuen Monitore, als Cal und Merrin mit schnellen, schweren Schritten eintraten. Ihre Gesichter ließen Seren und Taren sofort erstarren. Das Datenpad, das Taren gerade gehalten hatte, sank langsam auf den Tisch.

„Sie kommen“, sagte Cal ohne Umschweife. Seine Stimme schnitt durch den Raum wie eine aktivierte Lichtschwertklinge. „Malakor hat uns lokalisiert. Die Dunkle Seite hat unseren Schleier durchbrochen. Wir haben nicht mehr viel Zeit.“

Ein eisiger Schock legte sich für einen Herzschlag über den Raum, doch die Panik blieb aus. Seren straffte die Schultern, ihre Augen verengten sich zu zwei messerscharfen Schlitzen. Der Moment, vor dem sie sich gefürchtet hatte, war da – aber dieses Mal war ihr Volk nicht wehrlos im Geäst gefangen.

„Sie werden diesen Felsen nicht so leicht einnehmen wie unsere Wälder“, sagte Seren mit einer tiefen, grollenden Entschlossenheit. Sie schlug mit der Faust auf das Kommunikationsterminal. „An alle Einheiten der Schatten-Jägerinnen! Das Imperium hat unsere Spur. Das ist keine Evakuierung mehr. Mobilisiert die Abfangjäger. Besetzt die Verteidigungsstellungen in den äußeren Tunneln. Wenn sie in diesen Asteroiden eindringen wollen, werden sie für jeden Meter mit Blut bezahlen!“

Über die internen Comm-Kanäle antworteten die Stimmen ihrer Kommandantinnen – diszipliniert, kampfbereit, ohne das Zittern der Vergangenheit.

Taren stand starr vor dem holografischen Modell der Tenebris-Anomalie. Seine Finger tippten keinen verzweifelten Code, sondern klinkten sich mit einer unheimlichen, kalten Präzision in die Gravitationsmatrix des Sektors ein.

„Ein frontaler Kampf gegen einen Sternenzerstörer ist Selbstmord“, flüsterte Taren, während seine Augen die rotierenden Saphirbahnen des Modells scannten. „Die Iron Vanguard wird am Rand der Anomalie aus dem Hyperraum brechen. Malakor wird versuchen, seine Jäger durch die stabilen Korridore zu schicken, die wir für unsere Frachter genutzt haben.“

Er blickte auf zu Cal und Merrin. Ein düsteres, fast triumphierendes Lächeln stahl sich auf sein schmutzverschmiertes Gesicht.

„Aber diese Korridore existieren nur, weil meine Relaisstationen die Gravitation der Anomalie künstlich glätten. Wenn das Imperium eintrifft, werde ich die Polarität der äußeren Resonanzkerne umkehren.“

Taren rief eine komplexe Gleichung auf dem Hauptbildschirm auf:

„Ich werde den Schleier nicht einfach fallen lassen“, erklärte er, während er die Variablen neu ordnete. „Ich werde die Resonanzschleife in eine gigantische kinetische Falle verwandeln. In dem Moment, in dem die imperialen Staffeln oder der Zerstörer selbst in die scheinbar sicheren Korridore einfliegen, kollabiert die Dämpfung. Die Anomalie wird sich wie eine hydraulische Presse zusammenziehen. Die Gravitationskräfte werden ihre Schilde überlasten und ihre Schiffe wie leere Blechbüchsen zerquetschen, noch bevor sie unsere Asteroiden überhaupt auf den Scannern sehen.“

„Das wird die Generatoren bis an die absolute Grenze belasten, Taren“, gab Cal zu bedenken, obwohl in seinen Augen Anerkennung aufblitzte. „Wenn die Falle zuschnappt, stehen wir hier drinnen ohne Schilde da.“

„Dann müssen wir dafür sorgen, dass beim ersten Schlag nichts mehr übrigbleibt, was uns gefährden kann“, erwiderte Taren hart. „Merrin, ich brauche deine Magie auf den externen Emittern. Wenn die Schwerkraft zuschnappt, muss dein grünes Feuer das instabile Plasma der Anomalie direkt in ihre Triebwerke leiten.“

Merrin trat neben ihn und legte ihre bleiche Hand auf die Konsole. Der smaragdgrüne Nebel begann bereits, sich mit dem saphirblauen Leuchten der Monitore zu verweben. „Die Nachtschwestern wissen, wie man eine Falle zuschnappen lässt, Scout. Sag mir einfach, wann ich das Netz zuziehen soll.“

Draußen im kalten Vakuum des Tenebris-Sektors begann die saphirblaue Bestie der Anomalie, unbemerkt von der Außenwelt, ihre Muskeln anzuspannen. Das Konklave floh nicht mehr. Es wartete im Dunkeln, die Finger am Abzug einer Waffe, die so groß war wie das System selbst.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.