Die Luft in den tiefen Versorgungsstollen der Vaal-Zuflucht war dick und schmeckte nach Ozon. Das rasselnde, mechanische Atmen Malakors hallte von den engen, glasierten Ferro-Magnetit-Wänden wider. Es klang verzerrt, fast wie das Fauchen einer gefangenen Bestie. Der Inquisitor hatte seine rote Klinge deaktiviert, um Kraft zu sparen, doch die Dunkle Seite umgab ihn wie ein greifbarer, eisiger Mantel.
Er bog um eine scharfe Biegung des Stollens, als sich plötzlich mit einem schweren, hydraulischen Knallen ein massives Panzerschott direkt vor seiner Nase schloss.
Malakor hielt inne. Er drehte sich um – und sah, wie ein zweites Schott hinter ihm herabstürzte. Er war gefangen in einem kaum zehn Meter langen, fensterlosen Gang aus nacktem Stein. Ein gewöhnlicher Soldat wäre in Panik geraten. Malakor hob nur langsam die Hand, die Finger gekrümmt, um das Metall des Schotts mit der Macht zu zerquetschen.
„Jetzt, Merrin!“, tönte Tarens Stimme gedämpft aus den Intercom-Lautsprechern an der Decke.
Noch bevor Malakor seinen Willen auf das Schott projizieren konnte, zischten die Belüftungsventile des Ganges auf. Doch statt Sauerstoff strömte ein dichter, smaragdgrüner Nebel in die Kammer. Es war keine chemische Substanz, die seine Maskenfilter blockieren konnten – es war die personifizierte Magie der Nachtschwestern.
Der Nebel kroch wie lebendige Schlangen an Malakors Stiefeln hoch. Wo die grünen Schwaden seine Rüstung berührten, begann das Metall hysterisch zu funken. Die Magie griff nicht seinen Körper an, sondern seine ohnehin geschwächte Verbindung zur Macht. Stimmen – das hasserfüllte Flüstern der gefallenen Hexen von Dathomir – hallten in seinem Verstand wider, zerrten an seinen Synapsen und vernebelten die gelb glühende Sicht seiner Augen.
Malakor stieß einen heiseren Schrei des Zorns aus. Er zündete seine rote Klinge und schnitt in wilden, weiten Bögen durch die Luft, um den Nebel zu zerteilen, doch die Magie wich der Klinge nur weichend aus und schloss sich sofort wieder um ihn. Seine Knie zitterten leicht. Das Ritual mit dem Sith-Holocron auf dem Zerstörer hatte ihn bereits Tribut gekostet; nun fraß Merrins Zauber den verbliebenen Rest seiner inneren Festung.
„Er wehrt sich“, sagte Merrin, die tief in den oberen Wartungsschächten kniete, beide Hände fest auf den nackten Felsen gepresst. Ihre Stirn war von Schweiß bedeckt, der grüne Nebel pulsierte wild um ihre Unterarme. „Er ist stark, Taren… unheimlich stark. Die Dunkelheit in ihm ist wie ein schwarzes Loch.“
„Dann entziehen wir dem Loch die Energie“, erwiderte Taren, der neben ihr an einem freigelegten Kabelstrang arbeitete. Seine Finger flogen über sein Datenpad. „Er nutzt die Masse seiner Rüstung und der kybernetischen Implantate, um sich zu erden. Schalten wir die Resonanz auf die Tunnelwände.“
Taren überbrückte die Sicherheitsrelais der umliegenden Asteroiden-Kerne.
Im engen Stollen unter ihnen änderte sich die saphirblaue Resonanz der Wände abrupt. Die Ferro-Magnetit-Adern im Gestein wurden zu einem gigantischen, hochfrequenten Elektromagneten aufgeladen.
Plötzlich spürte Malakor eine immense, unsichtbare Last. Seine schweren, metallischen Beinschienen und die kybernetischen Verstärker in seiner Wirbelsäule wurden mit brutaler Kraft an den Boden und die Wände gesaugt. Es war, als hätte sich die Schwerkraft in diesem einen Gang verzehnfacht. Das rote Lichtschwert in seiner Hand wurde so schwer, dass die Spitze zischend in den Boden schnitt und tiefe, glühende Furchen im Gels hinterließ.
Das mechanische Atmen seiner Maske wurde zu einem erstickten, panischen Keuchen. Die Kombination aus Merrins lähmender Magie und Tarens technologischer Schwerkraftfalle hielt das Monster in Ketten. Seine gelben Augen starrten hasserfüllt auf das vordere Schott. Er spürte, dass sie ihn schwächen wollten. Sie wollten ihn brechen, bevor er den Jedi erreichte.
Mit einem letzten, verzweifelten Aufbäumen seines verbliebenen Hasses stieß Malakor eine Schockwelle aus purer, roher Macht-Energie von sich. Die Entladung war so heftig, dass die Deckenlampen des Tunnels explodierten und die Magnetfelder für einen kurzen Herzschlag ins Wanken gerieten. Das vordere Schott verbog sich mit einem ohrenbetäubenden Knallen nach außen und riss aus den Verankerungen.
Er war wieder frei. Das Schott war offen.
Doch als er schwerfällig, die Klinge hinter sich herziehend, aus dem rauchenden Stollen in den großen, nebligen Zentralschacht der Kolonie trat, war er nicht mehr der unaufhaltbare Inquisitor, der den Sternenzerstörer befehligt hatte. Er war gezeichnet. Seine Schritte waren ungleichmäßig, sein Atem ein rasselndes Fragment.
Und dort, am Ende des saphirblau leuchtenden Stegs, wartete Cal Kestis. Das orangefarbene Licht seiner Klinge erwachte mit einem klaren, majestätischen Summen zum Leben.
Der Weg war bereitet. Der finale Kampf stand bevor.