WAYFARER ARCHIVE // LESEMODUS
Kapitelübersicht
PROLOG

Der Vaal-Korridor

Die ältesten Aufzeichnungen des Konklaves erzählen nicht von einer Gründung, sondern von einer Reise. Sie berichten von einer Zeit, in der die bekannte Galaxis noch jung war und ihre Sternenkarten an den dunklen Grenzen der Unbekannten Regionen endeten. Damals brach eine kleine Flotte zu einer Expedition auf, deren Ziel nicht Eroberung oder Expansion war, sondern das Verlangen, jene Regionen zu verstehen, vor denen selbst die erfahrensten Navigatoren ehrfürchtig zurückschreckten.

An Bord dieser Schiffe befanden sich keine Eroberer. Es waren Wissenschaftler, Philosophen, Kartografen und Gelehrte – Menschen verschiedenster Welten, die eine gemeinsame Überzeugung verband: Wissen war wertvoller als Besitz, Erkenntnis bedeutender als Macht.

Was während ihrer Reise geschah, ist bis heute nur in Bruchstücken überliefert. Die Chroniken sprechen von gewaltigen Hyperraumstürmen, von Gravitationsstrudeln, die selbst modernste Navigationscomputer in den Wahnsinn trieben, und von einem Korridor aus natürlichen Hyperraumströmungen, der sich wie ein verborgenes Flussbett durch die Unbekannten Regionen zog. Wer ihn nicht verstand, kehrte niemals zurück. Wer jedoch lernte, seine Gesetzmäßigkeiten zu lesen, fand eine Region der Galaxis, die über Jahrtausende von den Konflikten der bekannten Sternensysteme unberührt geblieben war.

Diesen Ort nannten sie den Vaal-Korridor .

Aus einer verlorenen Expedition wurde eine neue Zivilisation. Generation folgte auf Generation, bis aus den ersten Siedlungen Städte entstanden, aus Forschungsstationen gewaltige Akademien wurden und sich zwischen fünf Sternensystemen ein Netzwerk entwickelte, das vollständig auf Zusammenarbeit beruhte. Nur drei Welten besaßen eine lebensfreundliche Atmosphäre. Die übrigen Planeten waren von Eis bedeckt, bestanden aus nacktem Gestein oder wurden von mächtigen Gasriesen beherrscht. Dennoch war jede dieser Welten von Bedeutung, denn jede lieferte Ressourcen, Erkenntnisse oder wissenschaftliche Möglichkeiten, die zum Fortbestand des gesamten Korridors beitrugen.

Die Isolation formte ihre Kultur stärker als jede politische Entscheidung. Während in der bekannten Galaxis Republiken entstanden, Imperien zerfielen und Kriege ganze Sternensektoren verwüsteten, lernte die Gesellschaft des Vaal-Korridors Geduld. Geschichte wurde dort nicht in Jahrzehnten gemessen, sondern in Jahrhunderten. Entscheidungen mussten nicht den nächsten Wahlsieg sichern, sondern auch noch Generationen später Bestand haben.

Aus diesem Denken heraus entwickelte sich das Meritokratische Konklave .

An seiner Spitze standen dreizehn Kuratoren, Frauen und Männer, die nicht durch Herkunft oder Abstammung in ihr Amt gelangten. Jeder einzelne hatte sein gesamtes Leben dem Dienst an der Gemeinschaft gewidmet und sich über Jahrzehnte hinweg durch Wissen, Urteilsvermögen und Integrität ausgezeichnet. Erst wenn das gesamte Konklave überzeugt war, dass ein Kandidat Verantwortung über persönliche Interessen stellte, erhielt er einen der dreizehn Sitze. Wer dieses Vertrauen verlor, verlor auch sein Amt.

Im Ratssaal des Konklaves gab es weder Enthaltungen noch Ausflüchte. Jede Stimme musste abgegeben werden, jede Entscheidung getragen werden. Verantwortung ließ sich nicht teilen; sie begann in dem Augenblick, in dem eine Stimme erhoben wurde.

Über dem halbkreisförmigen Saal, dessen gewaltige Fenster den Blick auf die schimmernden Wälder und Gebirgsketten von Veyra freigaben, war seit Jahrhunderten derselbe Leitsatz eingraviert:

„Wissen verpflichtet. Macht verführt. Verantwortung entscheidet.“

Veyra war die älteste und bedeutendste Welt des Vaal-Korridors. Zwischen kristallklaren Seen, uralten Wäldern und schroffen Bergketten erhoben sich Städte aus hellem Stein und schimmerndem Metall, deren Architektur niemals den Versuch unternahm, die Natur zu beherrschen. Stattdessen schien sie mit ihr zu verschmelzen. Gewaltige Observatorien ragten über die Baumkronen hinaus und richteten ihre Sensoren seit Jahrhunderten in die Tiefen der Galaxis, während unter den Fundamenten der Hauptstadt Archive ruhten, in denen das Wissen zahlloser Generationen bewahrt wurde.

Von hier aus beobachtete das Konklave die bekannte Galaxis. Republik, Imperium und Neue Republik waren für die Menschen des Korridors keine Feinde und keine Verbündeten. Sie waren Kapitel derselben Geschichte – wiederkehrende Versuche intelligenter Wesen, Ordnung aus dem Chaos zu schaffen. Nur selten griff das Konklave ein. Zu oft hatte die Vergangenheit gezeigt, dass selbst gut gemeinte Eingriffe unvorhersehbare Folgen nach sich ziehen konnten.

Erst als die Berichte über einen ehemaligen Navigator namens Taren Wayfarer eintrafen, änderte sich diese Haltung. Ein Mann, der ohne Kenntnis ihrer Sternenkarten einen Weg in den Vaal-Korridor gefunden hatte, stellte alles infrage, woran diese uralte Zivilisation geglaubt hatte. Seine Existenz widersprach jeder Berechnung, jeder Wahrscheinlichkeit und jeder historischen Erfahrung.

Zum ersten Mal seit Jahrhunderten entschied das Konklave, eine Beobachterin in die bekannte Galaxis zu entsenden.

Ihr Name war Seren Vael .

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.