Der imperiale Kommandant hatte den Befehl zum Feuern noch nicht ganz ausgesprochen, als die Falle von zwei Seiten gleichzeitig zuschnappte.
Taren, der die instabile Deckenkonstruktion auf seiner Holo-Karte genau im Blick hatte, wartete nicht, bis die Sturmtruppen abdrückten. Mit einer schnellen, fließenden Bewegung warf er ein kleines, rundes Sprenggerät – ein von ihm modifiziertes Schrottteil aus seiner Scout-Ausrüstung – direkt an den neuralgischen Punkt der Decke über den Purge Troopern. Ein gezielter Schuss mit seinem Blaster ließ die Ladung mit einem ohrenbetäubenden Knall detonieren.
Im selben Moment brach die Wand auf der rechten Seite mit einem lauten Getöse auf. Cal Kestis stürmte staubspuckend herbei, die blaue Doppelklinge seines Lichtschwerts bereits im Kreis wirbelnd, um die ersten Blasterschüsse der aufgeschreckten Soldaten zu reflektieren. Direkt hinter ihm materialisierte sich Merrin aus einer Wolke aus grünem Nachtschwestern-Ichor. Sie nutzte ihre Magie, um die Sturmtruppen in der hinteren Reihe in Sekundenschnelle zu desorientieren und zu entwaffnen.
Das Imperium war für einen kritischen Moment abgelenkt – und das war Serens Moment. Als ausgebildete Assassinin nutzte sie das Chaos perfekt aus. Sie brauchte keine Emotionen, um die Macht zu kanalisieren; für sie war diese Energie reine Physik, Fokus und Wille.
Mit einem fast unsichtbaren Macht-Impuls stieß sie sich vom steinernen Boden ab und glitt wie ein Schatten durch die verrauchte Luft. Ihre Plasma-Hellebarde blitzte im vertrauten gleißenden Weiß auf. Sie setzte die Macht nicht ein, um große Trümmer zu werfen, sondern um ihre eigenen Bewegungen unnatürlich zu beschleunigen und die Schwachstellen in den Rüstungen der Purge Trooper mit chirurgischer Präzision zu finden. Zwei der Elite-Soldaten gingen zu Boden, bevor sie überhaupt begriffen, dass die Jägerin des Konklaves die Seiten gewechselt hatte.
Selbst der kleine Droide tat, was in seiner Macht stand. Während Taren sich mit seiner eigenen Klinge den Weg freikämpfte, kletterte BD-1 flink an einer rissigen Säule hoch. Er schoss einen gezielten Elektro-Pfeil direkt in das Kontrollpanel der imperialen Suchdroiden. Die Droiden spielten augenblicklich verrückt, fingen an, wild im Kreis zu feuern, und blockierten die nachrückenden Sturmtruppen im Korridor.
„Der Weg ist frei! Raus hier!“, brüllte Cal über den ohrenbetäubenden Lärm des Gefechts hinweg.
Die fünf bildeten eine perfekte Kette: Cal und Merrin deckten den Rückzug, während Taren den Scout-Pfad nach draußen anführte. Seren bildete die Nachhut, ihre Hellebarde wirbelte wie ein Schild aus reiner Energie, der jeden nachfolgenden Schuss abfing.
Als sie keuchend die zerklüfteten Felsformationen von Jedha erreichten und die brennenden Ruinen hinter sich ließen, brach bereits die Morgendämmerung über dem Planeten an. Die Stinger Mantis wartet getarnt auf einer nahen Lichtung.
Auf der Rampe des Schiffes blieb Seren plötzlich stehen. Sie deaktivierte ihre Hellebarde mit einem leisen Zischen und blickte auf die ungleiche Gruppe. Sie hatte gerade Seite an Seite mit einem Jedi, einer Nachtschwester und einem machtsensitiven Schatzsucher gekämpft. Sie hatte die Macht auf eine Weise im Einsatz gesehen, die in den strengen Lehrbüchern des Konklaves als unmöglich oder chaotisch beschrieben wurde – und doch hatte es ihr heute das Leben gerettet.
Sie sah zu Taren, der die Maske abnahm und sich den Schweiß von der Stirn wischte. BD-1 hüpfte auf Tarens Schulter und trillerte leise, als wollte er das Überleben feiern.
„Ihr kämpft nicht wie Soldaten“, sagte Seren leise, und ihr Blick wandert zu BD-1, der die Karte ihrer Heimat in sich trug. „Ihr kämpft füreinander. Das Konklave lehrt uns, dass Bindungen schwach machen. Aber heute... war das unsere Stärke.“
Taren lächelte matt, schob seine Brille zurecht und blickte sie an.
„Willkommen in der Grauzone, Seren. Wie wäre es, wenn wir dir zeigen, was diese Galaxis noch zu bieten hat, bevor das Imperium dein Zuhause findet?“