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KAPITEL 33

Metall und Masken

Das tiefe, rhythmische Pulsieren des Hyperraumantriebs lag wie eine ständige Vibration im Gitterboden der Mantis . Sie befanden sich nun mitten im Sprung – auf dem Weg in den unkartierten Tenebris-Sektor, jenseits jeglicher bekannten imperialen Grenzen.

Taren stand in der Werkstatt. Auf seiner Arbeitsbank lag ein zerlegter Frequenzverteiler, aber seine Finger bewegten sich nicht. Seine Augen waren auf den Schott gerichtet. Er wusste, dass Seren dort drüben in der kleinen Messe saß und ihre Waffe wartete. Er wollte zu ihr gehen. Er wollte mit ihr reden – über das Einzige, was ihm in dieser chaotischen Galaxis Halt gab: Technologie. Das seltene Cortosis-Erz ihrer Hellebarde, die mechanische Balance der Klinge, die Energieabsorption... das waren greifbare Fakten. Logik.

Er nahm einen Universalschraubenschlüssel, steckte ihn in die Gürteltasche und ging los.

Als er die Messe betrat, saß Seren am Tisch. Die schwere Hellebarde lag vor ihr auf einem Tuch. Sie führte gerade einen feinen Schleifstein mit gleichmäßigen, fast meditativen Bewegungen an der Klinge entlang. Das gedämpfte Licht des Raumes brach sich auf dem matten, dunkelgrauen Cortosis-Metall.

Taren blieb zwei Schritte vor dem Tisch stehen. Er öffnete den Mund.

„Die Legierung hat eine bemerkenswerte Dichte, wenn man bedenkt, dass Cortosis beim Schmieden extrem spröde wird.“ Das war der Satz, den er sich im Kopf zurechtgelegt hatte. Ein perfekter Einstieg.

Doch kein Ton verließ seine Kehle. Seine Stimmbänder fühlten sich an wie blockierte Servomotoren.

Taren spürte, wie ihm die Hitze in den Nacken stieg. Auf Taris gab es keinen Smalltalk. In den rauen Schrottebenen der Unterstadt redete man, um zu verhandeln, zu drohen oder Warnungen auszusprechen. Ein einfaches, ungezwungenes Gespräch zu beginnen, war für ihn eine unüberwindbare Wand. Er fühlte sich plötzlich nackt, unbeholfen und schrecklich fehl am Platz.

Instinktiv zog er sich in sein inneres Refugium zurück. Er schloss die Augen für einen halben Herzschlag und griff nach dem feinen, rudimentären Band der Macht, das er seit seiner Kindheit tief in sich verborgen hielt. Er war kein Jedi, er konnte keine Steine bewegen oder Gedanken kontrollieren. Aber er konnte die Strömungen um sich herum wahrnehmen und sie nutzen, um seine eigene Präsenz zu dämpfen, seine Nervosität hinter einer unsichtbaren Barriere aus absoluter emotionaler Stille zu verbergen. Es war seine Maske. Sein Schutzschild vor der Welt.

Seren hielt in ihrer Bewegung inne. Sie sah nicht auf, aber ihre Schultern strafften sich minimal. „Du stehst dort wie ein Spion, Taren. Wenn du mein Jagdrudel auf Sylva-Vaal wärst, hätte ich dich längst gehört. Aber hier drinnen... verändert sich die Luft um dich herum.“

Taren schluckte das trockene Gefühl im Hals hinunter. Die Macht half ihm, seine Fassung zu wahren, aber sie konnte nicht für ihn sprechen. Er trat einen Schritt näher, zog den Schraubenschlüssel aus der Tasche und legte ihn mit einem leisen Klack auf die Tischkante – einfach, um seinen Händen eine Beschäftigung zu geben.

„Ich... ich habe mir die Klinge angesehen“, brachte er schließlich heraus. Seine Stimme klang rauer, als er gewollt hatte. „Beim Entkommen im Archiv. Als du das Podest zertrümmert hast.“

Seren legte den Schleifstein beiseite. Ihre dunklen Augen fixierten ihn, ruhig und unergründlich. „Und? Was sagt das Auge eines Taris-Mechanikers zu einer Waffe des Konklaves?“

Taren spürte wieder diese gefährliche Neugierde in sich aufkeimen, die ihn so verwundbar machte. Er blickte von der Hellebarde zu Seren. Sie war das komplette Gegenteil von ihm. Er war ein Kind des Chaos, aufgewachsen im Dreck und im Abfall einer gigantischen Metropole, ohne Namen, ohne Erbe, ein Überlebenskünstler, der sich jede Sekunde neu erfinden musste. Sie dagegen war das Produkt einer jahrhundertealten Tradition, geschmiedet durch Disziplin, Stolz und eine unumstößliche Identität, die selbst jetzt, wo ihre Heimat brannte, nicht wankte. Sie hatte Wurzeln. Er hatte nur Bruchstücke.

Diese Perfektion und Stärke faszinierten ihn, aber sie machten ihm auch Angst. Wenn er sich ihr öffnete, wenn er versuchte, diese Welt zu verstehen, lief er Gefahr, seine eigene mühsam errichtete Schutzmauer einzureißen.

„Das Cortosis“, sagte er, und seine Stimme wurde fester, als er sich wieder auf die Technik flüchtete. „Es ist rein. Nicht gestreckt wie die imperialen Legierungen. Wenn ein Lichtschwert oder ein Blasterschuss diese Klinge trifft, erzeugt das Material eine sofortige Energie-Rückkopplung, die die Waffe des Angreifers kurzschließt. Aber die thermische Belastung für den Griff muss enorm sein. Wie isoliert dein Volk die Handfläche des Kämpfers?“

Ein winziges, kaum merkliches Lächeln stahl sich auf Serens Lippen – das erste Mal, seit er sie kennengelernt hatte. Es war kein spöttisches Lächeln, sondern eines der Anerkennung.

„Mein Vater hat den Schaft aus dem Kernholz eines veridianischen Eisenbaums geschnitzt und mit flüssigem Cortosis-Staub beschichtet“, antwortete sie und schob die Waffe ein Stück über das Tuch in seine Richtung, als Einladung. „Das Holz leitet keine Energie. Es absorbiert den Schock.“

Taren streckte vorsichtig die Hand aus. Seine Finger, gezeichnet von alten Narben und Schmieröl, berührten das dunkle Holz des Schafts. Er nutzte seine rudimentäre Machtsensitivität nicht, um die Waffe zu manipulieren, sondern um die feinen Vibrationen des Metalls zu spüren. Er fühlte die Kälte des Cortosis, aber er fühlte auch die unbändige Energie, die darin ruhte.

Als er aufblickte, stellte er fest, dass Seren ihn genau beobachtete. Nicht als Kommandantin, die einen Fremden prüft, sondern mit einer spürbaren, vorsichtigen Aufmerksamkeit.

„Du nutzt die Macht anders als Cal“, stellte sie leise fest. „Cal ist wie ein offenes Buch im Wind. Du... du ziehst dich in ein Versteck zurück, wenn man dir zu nahekommt.“

Taren zog die Hand zurück, als hätte er sich verbrannt. Seine Maske hatte einen Riss bekommen. Er griff nach seinem Schraubenschlüssel, steckte ihn wieder ein und wich ihrem Blick aus.

„Man überlebt auf Taris nicht, wenn man zu laut ist“, murmelte er, drehte sich um und ging zurück zum Schott. Doch bevor er die Messe verließ, hielt er kurz inne, ohne sich umzudrehen. „Die Balance der Klinge ist übrigens perfekt. Gute Arbeit beim Schmieden.“

Mit diesen Worten trat er hinaus in den Gang, während das leise Zischen des Schotts das Gespräch beendete und sein Herz im Takt des Hyperraumantriebs schlug.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.