WAYFARER ARCHIVE // LESEMODUS
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KAPITEL 34

Das Gewicht der Krone

Das metallische Zischen, mit dem das Schott zu Tarens Werkstatt ins Schloss fiel, hallte noch lange in Serens Ohren nach. Sie starrte auf die Stelle, an der der Mechaniker eben noch gestanden hatte. Die schwere Hellebarde lag unberührt vor ihr auf dem Tisch, doch die vertraute Ruhe, die das meditative Schleifen ihr sonst brachte, war verflogen.

Wer bist du, Taren Wayfarer? fragte sie sich im Stillen. Er war ein einziges Rätsel – ungeschliffen, verschlossen und doch von einer scharfsinnigen Wahrnehmung, die ihre sorgsam errichtete Fassade mit wenigen Worten durchbrochen hatte. Die Art, wie er sich in die Macht flüchtete, um seine eigenen Gefühle wegzusperren... es erinnerte sie fast schmerzhaft an ihre eigene Isolation. Aber während sie aus Pflichtgefühl schwieg, schien er aus nackter Angst vor Nähe zu verstummen.

Mit einem Mal brach die Welle der Zweifel über ihr zusammen, die sie seit dem Verlassen von Veridia-Vaal mühsam zurückgehalten hatte.

War es richtig gewesen, an Bord der Mantis zu gehen? Hatte sie ihr Volk im Stich gelassen, indem sie mit einer Gruppe galaktischer Vagabunden in das Unbekannte floh? Sie war die Tochter des Kommandanten. Ihr Platz war im Dreck, im Unterholz, an der Spitze der verbliebenen Schatten-Jäger von Sylva-Vaal. Sie hätte die Rolle der Kuratorin übernehmen müssen – die Hüterin des alten Wissens, die die Traditionen des Konklaves im Verborgenen bewahrte und den Widerstand mit eiserner Hand koordinierte. Stattdessen saß sie in einer fliegenden Durastahlbüchse im Hyperraum.

Der Zwiespalt brannte wie kaltes Feuer in ihrer Brust. Es gab keine logische Formel, um die Pflicht gegenüber ihrer Vergangenheit mit der Ungewissheit dieser neuen Reise zu vereinbaren. Sie war gefangen in einem Labyrinth, das sie selbst gebaut hatte.

Mit energischen Bewegungen wickelte sie die Hellebarde in das schützende Tuch, schulterte die Waffe und verließ die Messe. Sie brauchte Antworten. Und an Bord dieses Schiffes gab es nur einen, der die Last eines verlorenen Erbes wirklich verstand.

Sie fand Cal im hinteren Lagerraum der Mantis . Er saß mit gekreuzten Beinen auf einer Frachtkiste, die Augen geschlossen, die Hände locker auf den Knien. Die Luft um ihn herum wirkte ruhig, fast unbeweglich.

Seren blieb im Rahmen des Schotts stehen. Ihre Haltung war sofort wieder straff, die Kiefermuskeln angespannt. Sie wollte hier sein, aber jeder Instinkt in ihr wehrte sich dagegen, Schwäche zu zeigen.

„Ich störe deine Meditation“, stellte sie fest. Ihre Stimme klang spröde, förmlich und distanziert – die perfekte Rüstung einer Kommandantin.

Cal öffnete langsam die Augen und blickte sie an. Ein leises, verstehendes Lächeln legte sich auf sein Gesicht, als er ihre angespannte Haltung sah. Er bedeutete ihr nicht, sich zu setzen, sondern wartete einfach ab. Er kannte diese Art von Mauern zu gut.

„Du störst nicht, Seren“, sagte er ruhig. „Was beschäftigt dich?“

Seren trat einen Schritt in den Raum, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie blickte an ihm vorbei auf die nackten Durastahlwände des Frachtraums. „Dein Mechaniker. Taren. Er versteckt sich. Genau wie du. Aber er tut es hinter einer Wand aus Stille, die selbst die Macht nicht durchdringt.“ Sie hielt inne, suchte nach den richtigen Worten, um nicht über sich selbst sprechen zu müssen. „Er ist unberechenbar. Ich muss wissen, ob ich ihm vertrauen kann, wenn wir den Tenebris-Sektor erreichen.“

Cal erhob sich langsam von der Kiste und verschränkte ebenfalls die Arme. Seine Augen fixierten sie mit einer Sanftheit, die ihre spröde Abwehrhaltung fast schmerzhaft konfrontierte.

„Du bist nicht wegen Taren hier, Seren“, sagte er leise, aber direkt.

Die Maske der Schatten-Jägerin bekam einen tiefen Riss. Ihre Augen verengten sich für einen Moment, und sie spürte, wie die Hitze der Frustration in ihr aufstieg. „Du weißt nichts über mich, Jedi. Mein Volk brennt. Die Wälder, in denen ich aufgewachsen bin, werden zu Asche bombardiert, während wir durch den Hyperraum gleiten. Ich sollte auf Sylva-Vaal sein. Ich sollte die Kuratorin unseres Überlebens sein, statt...“

Sie brach ab. Das Wort erstarb auf ihren Lippen, genau wie zuvor in der Werkstatt bei Taren. Die nackte Ratlosigkeit stand ihr ins Gesicht geschrieben.

„...statt mit uns zu fliegen?“, ergänzte Cal den Satz sanft. Er trat einen Schritt näher. „Als der Jedi-Orden fiel, war ich dreizehn. Ich habe Jahre auf Bracca verbracht, Schiffe verschrottet und versucht, mein Gesicht zu vergessen. Ich dachte, wenn ich mich nur tief genug im Dreck verstecke, bleibt die Vergangenheit intakt. Ich dachte, meine Pflicht sei es, das zu betrauern, was verloren war.“

Seren sah ihn an, die Lippen fest aufeinandergepresst.

„Aber die Wahrheit ist“, fuhr Cal fort und deutete vage in Richtung des Cockpits, „man rettet die Vergangenheit nicht, indem man mit ihr stirbt. Du denkst, der Weg der Kuratorin auf Sylva-Vaal wäre der richtige gewesen, weil er vertraut ist. Weil er eine klare Struktur hat. Aber Vance hätte dich gefunden, Seren. Und mit dir wäre das letzte Licht deines Volkes erloschen.“

„Und was bin ich hier?“, fragte sie, und zum ersten Mal klang ihre Stimme nicht mehr spröde, sondern von einer tiefen, ehrlichen Erschöpfung getragen. „Eine Passagierin ohne Ziel? Eine Kommandantin ohne Armee?“

„Du bist diejenige, die den Schleier-Vektor gerettet hat“, erwiderte Cal fest. „Du bist die Brücke zu dem, was dein Volk einmal war – und zu dem, was es sein könnte. Taren flüchtet sich in Maschinen, weil die Welt da draußen ihn verletzt hat. Du flüchtest dich in deine Pflichten, weil du Angst hast, zu versagen. Ihr seid euch ähnlicher, als du glaubst. Aber du musst diese Last nicht allein tragen. Nicht an Bord der Mantis .“

Seren schwieg. Die Worte des Jedi lösten den Zwiespalt in ihrer Brust nicht auf – der Kampf zwischen der isolationistischen Tradition ihres Vaters und der unendlichen Weite der Galaxis würde sie noch lange begleiten. Aber die Isolation in ihrem eigenen Kopf fühlte sich plötzlich nicht mehr ganz so absolut an.

Sie nickte langsam, eine fast unmerkliche Geste der Anerkennung, drehte sich um und verließ den Lagerraum, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Doch ihre Schritte auf dem Gitterboden klangen ein wenig leichter.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.