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KAPITEL 36

Bruchstücke im fahlen Licht

Das Summen der Mantis im fahlen Hyperraum war das einzige Geräusch, das das dumpfe Schmatzen beim Kauen der kreideartigen Notfallriegel untermalte. Um der klinischen Tristesse der verwüsteten Kombüse zu entkommen, hatte die Crew sich im Kreis auf dem Boden der Messe zusammengesetzt. Mittendrin lag der Schleier-Vektor: Er war so modifiziert worden, dass sein saphirblaues Holo-Licht nicht die Navigationskarte an die Decke warf, sondern ein sanftes, rhythmisches Flackern am Boden erzeugte. Es warf tanzende Schatten an die Wände, die unwillkürlich an die kargen Lagerfeuer der Vaal-Welten erinnerten.

Eine Weile sprach niemand. Doch die künstliche Lagerfeuerromantik schien die Zungen zu lösen.

„Wisst ihr“, begann Greez leise, während er mit einem seiner vier Arme gedankenverloren ein Stück sauberes Tuch um seine Finger wickelte, „jeder denkt immer, Lateros brechen auf, weil wir das Abenteuer suchen. Aber ich? Ich bin geflohen. Vor meinen eigenen Schulden, vor den falschen Leuten, aber am meisten... vor der Angst, unbedeutend zu sein. Auf Lateron bist du entweder Teil des Kollektivs oder du bist Ballast. Als ich die Mantis bekam, dachte ich, ich wäre der König der Galaxis.“ Er lachte kurz, ein trockenes, freudloses Geräusch. „Und dann saß ich allein im Cockpit. Monatelang. Bis ich Cere und Cal traf. Mein größter Verlust war nicht mein ganzes erspartes Geld auf Nar Shaddaa. Es war der Glaube daran, dass ich allein klarkomme. Jetzt weiß ich, dass mein Cockpit nur deshalb einen Sinn hat, weil hinten Leute sitzen, für die es sich lohnt, das Schiff heil durch den Dreck zu fliegen.“

Cal nickte langsam. Er saß mit angezogenen Knien da, BD-1 hatte seinen Kopf schwer auf Cals Schienbein gebettet.

„Auf Bracca gab es keine Lagerfeuer“, sagte Cal und starrte direkt in das blaue Flackern des Holocrons. „Nur die brennenden Wracks alter Sternenzerstörer und den Gestank von geschmolzenem Metall. Wenn dort jemand von den Abwrackern in die Tiefe stürzte, hat am nächsten Tag niemand mehr seinen Namen genannt. Es war verboten, sich zu erinnern. Weil Erinnerungen dich schwach machen, wenn du überleben willst. Als Prauf starb... als er sich für mich opferte... da wurde mir klar, dass das kein Überleben war. Es war nur ein langes, langsames Sterben. Meine größte Angst ist nicht das Imperium oder die Inquisitoren. Es ist die Angst, wieder der Junge auf dem Schrottplatz zu werden, der wegsieht, wenn andere fallen.“ Er blickte auf und sah Seren direkt an. „Wir vertrauen uns nicht, weil wir fehlerfrei sind. Wir vertrauen uns, weil wir wissen, wie es sich anfühlt, absolut nichts mehr zu haben.“

Plötzlich bewegte sich Taren. Er hatte die Augen geschlossen, doch seine Finger zuckten leicht, als würde er unsichtbare Kabel im Takt des Schiffsantriebs sortieren.

„Die Unterstadt von Taris hat kein Licht“, sagte er, und seine Stimme war so leise, dass alle sich unwillkürlich vorbeugen mussten. „Nur das Leuchten der Reklametafeln von oben. Die Reichen werfen ihren Müll runter, und wir bauen daraus unser Leben. Ich habe nie gelernt, mit Menschen zu sprechen. Maschinen... Maschinen lügen nicht. Wenn man einen Bolzen falsch setzt, bricht er. Das ist ehrlich.“ Er öffnete die Augen, und im fahlen Blaulicht wirkten sie seltsam glasig. „Wenn die Macht durch mich fließt, fühle ich jeden Mikroriss im Rumpf der Mantis . Ich fühle eure Herzschläge. Es ist zu laut. Es macht mir Angst. Aber als das Imperium meine Werkstatt niederbrannte, dachte ich, das Rauschen in meinem Kopf bringt mich um. Cal hat mich nicht mitgenommen, weil ich ein nützlicher Mechaniker bin. Er hat mich mitgenommen, als ich schreiend im Schutt saß und meine Hände nicht mehr spüren konnte. Er hat einfach gewartet, bis das Rauschen aufhörte.“

Ein langes Schweigen folgte auf Tarens Worte. Selbst BD-1 gab keinen einzigen Ton von sich.

Seren spürte, wie die Kälte ihrer kriegerischen Isolation, die sie so sorgsam als Kuratorin gepflegt hatte, Risse bekam. Sie hatte diese Crew für eine Zweckgemeinschaft gehalten – Rebellen, Outlaws, Getriebene. Doch was sie hier sah, war kein militärisches Bündnis. Es war ein Geflecht aus Narben, das sich gegenseitig hielt. Jeder von ihnen hatte seine Maske fallen gelassen, ungefiltert und roh. Sie verstanden nun, warum Greez trotz seiner Marotten das Schiff nicht verließ, warum Cal die Last der Galaxis trug und warum Taren trotz seiner tiefen Blockaden die Systeme am Laufen hielt. Sie hielten einander, weil sie die Einzigen waren, die die Dunkelheit des anderen kannten.

„Und du, Kuratorin?“, fragte Greez leise, ohne jede Schärfe in der Stimme. „Was brennt in deinem Feuer?“

Seren sah auf ihre Hände, die noch immer den Abdruck des Griffs ihrer Cortosis-Hellebarde trugen. Die Worte der anderen arbeiteten in ihr, schwer und unausweichlich.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.