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KAPITEL 46

Das Urteil der Schatten

Die Luft auf der Brücke war so schneidend kalt geworden, dass der Atem der verbliebenen Offiziere als feiner Dunst in der Luft stand. Großadmiral Vance stand noch immer mit vorgestrecktem Finger vor der Maske des Inquisitors, die Brust wild bebend, das Gesicht rot vor aufgestautem Zorn. Er hatte sich in den Rausch seiner eigenen Autorität hineingesteigert – ein hochdekorierter Offizier des Imperiums, der glaubte, seine bürokratische Unfehlbarkeit würde ihn vor den Abgründen der dunklen Seite schützen.

„Sie sind nichts als ein Relikt, Malakor“, setzte Vance mit eisiger, bebender Stimme nach, unfähig, die herannahende Katastrophe zu sehen. „Ein Handlanger für die Drecksarbeit, der versagt hat, als es darauf ankam. Ich werde höchstpersönlich ein chiffriertes Protokoll an das Oberkommando auf Coruscant senden. Ihre Karriere ist vorbei.“

Malakor rührte sich nicht. Das mechanische Atmen seiner Maske klang konstant, fast meditativ.

„Sie sprechen von Protokollen, Großadmiral“, ertönte Malakors Stimme, tief, elektronisch verzerrt und erschreckend ruhig. „Sie sprechen von Variablen und mathematischen Modellen. Aber Sie verstehen nicht, was dieses Konklave wirklich darstellt. Sie sehen nur Zahlen auf einem Bildschirm.“

„Ich sehe ein Desaster, das Sie verursacht haben!“, herrschte Vance ihn an und machte den fatalen Fehler, noch einen Schritt näher an den Inquisitor heranzutreten. „Das Imperium duldet keine–“

Knack.

Das Geräusch war leise, fast beiläufig. Malakor hatte nicht einmal sein Lichtschwert gezogen. Seine Hand war in einer blitzschnellen, kaum wahrnehmbaren Bewegung nach vorne gezuckt. Seine behandschuhten Finger schlossen sich um Vances Kehle.

Es gab kein langes, dramatisches Ersticken durch die Macht, kein Flehen, kein Wortgefecht mehr. Ohne Vorwarnung, mit der rohen, eiskalten Präzision einer hydraulischen Presse, drückte Malakor die Luftröhre und die Halswirbel des Großadmirals zusammen. Ein dumpfes Knacken erfüllte die Brücke.

Vances Augen traten hervor, der Satz erstarb augenblicklich auf seinen Lippen. Das Rot in seinem Gesicht wich in Sekundenbruchteilen einem aschfahlen Grau. Seine Arme ruderten kurz schlaff in der Luft, dann ließ Malakor den Griff los.

Der Großadmiral der imperialen Flotte brach wie ein nasser Sack vor den Stiefeln des Inquisitors zusammen. Seine Mütze rollte über den polierten Obsidianboden und blieb in einer Pfütze aus Funken liegen, die noch immer aus der zerstörten Sensorkonsole sprühten.

Malakor blickte nicht einmal auf den Leichnam hinab. Er wandte den Kopf langsam der erstarrten Brückencrew zu. Die Offiziere saßen wie versteinert an ihren Terminals, die Gesichter kreideweiß, unfähig zu atmen, geschweige denn zu reagieren.

„Der Großadmiral ist im Kampf gegen die Aufständischen gefallen“, sagte Malakor kalt in die absolute Stille hinein. „Säubern Sie die Brücke. Und setzen Sie einen Verfolgungsvektor an.“

Doch als Malakor sich umdrehte und den Steg verließ, spürte er bereits das Gewicht seiner eigenen Tat. Er hatte Vance getötet, um seine eigene Autorität zu behaupten – doch damit hatte er sich keinen Gefallen getan.

Vance war kein einfacher Soldat. Er war ein hochgradig vernetzter Großadmiral mit tiefen Verbindungen zum imperialen Oberkommando und dem ISB (Imperialen Sicherheitsbüro). Ein Mann wie er verschwand nicht einfach ohne bürokratische Nachforschungen. Durch die Exekution des Kommandanten hatte Malakor die ohnehin fragile Befehlskette der Iron Vanguard mit einem Schlag zertrümmert.

Die Brückencrew gehorchte ihm jetzt zwar aus purer, nackter Todesangst, aber Angst blockiert das Denken. Die Effizienz des Schiffes stürzte ab. Und noch schlimmer: Ohne Vances strategisches Genie und seine mathematischen Berechnungen war Malakor nun blind. Die Sensordaten des Tachyonen-Impulses der Mantis waren hochkomplex – Daten, die Vance hätte entschlüsseln können. Malakor besaß zwar die Dunkle Seite, aber ihm fehlten die Werkzeuge, um den flüchtenden Transportern durch das logische Raster der Flotte zu folgen.

Er hatte den Kopf der Schlange abgeschlagen, nur um festzustellen, dass er nun selbst im Dunkeln wanderte, während Coruscant bald Fragen stellen würde. Der Inquisitor war nun auf dieser Jagd genauso isoliert wie seine Beute.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.