Die Iron Vanguard glitt wie ein gigantischer, stummer Sarg durch das Vakuum über Sylva-Vaal. Doch das Schweigen täuschte. Unter der makellosen Oberfläche des Sternenzerstörers, tief in den grauen Gängen der Offiziersquartiere und den abgeschirmten Räumen des Imperialen Sicherheitsbüros (ISB), fraß sich das Misstrauen wie Säure durch die imperiale Hierarchie.
In einem abgedunkelten Besprechungsraum der Sektion 4 saß Kommandantin Tyler, die bisherige Erste Offizierin von Großadmiral Vance, vor einem flackernden Datenbildschirm. Ihr Gesicht war starr, die Lippen zu einem schmalen Strich gezogen. Ihr gegenüber stand Captain Krennel, der leitende ISB-Überwacher des Sektors. Zwischen ihnen lag kein Hologramm der Rebellen, sondern die verschlüsselte Akte über den „Heldentod“ von Großadmiral Vance.
„Er glaubt tatsächlich, wir wären so einfältig“, flüsterte Tyler, und ihre Stimme zitterte vor mühsam unterdrückter Wut. „‚Gefallen im Kampf gegen die Aufständischen‘. Vance war nicht einmal in der Nähe der Hangars. Seine Halswirbel wurden mit mechanischer, roher Gewalt zertrümmert. Jedes Kind auf der Brücke weiß, wer seine Finger im Spiel hatte.“
Krennel tippte mit seinem mechanischen Stift auf die Tischplatte. Sein weißer ISB-Rock war makellos, doch seine Augen wanderten nervös zur Tür. „Es spielt keine Rolle, was wir wissen , Kommandantin. Malakor operiert unter dem direkten Mandat des Imperators. Offiziell hat die Inquisition freie Hand.“
„Vance war kein namenloser Rekrut!“, zischte Tyler und lehnte sich vor. „Er hatte Familie auf Coruscant, Verbindungen zum Flottenkommando. Wenn wir zulassen, dass diese… diese religiösen Fanatiker unsere Führungskräfte nach Belieben abschlachten, weil ein mathematisches Modell eine Sekunde zu spät anschlägt, dann ist die Flotte nichts weiter als ein Schlachthof.“
Krennel nickte langsam. Das ISB hatte die Aufgabe, die imperiale Ordnung zu sichern – und die Inquisition wurde intern zunehmend als unberechenbarer Störfaktor gesehen, der die imperiale Bürokratie mit Terror statt mit Struktur lähmte.
„Was schlagen Sie vor, Tyler? Wenn Sie meutern, schlägt er Ihnen den Kopf ab, bevor Sie die Brücke erreichen.“
„Wir meutern nicht“, erwiderte Tyler mit einem kalten, berechnenden Funkeln in den Augen, das sie von Vance gelernt hatte. „Wir arbeiten nach Vorschrift. Exakt nach Vorschrift.“
Ein paar Decks höher, im primären Sensor-Zentrum, stand Inquisitor Malakor hinter den Technikern. Seine schwere, schwarze Silhouette warf einen langen Schatten über die Konsolen. Das monotone, mechanische Atmen seiner Maske hielt die Mannschaft in einem Zustand permanenter Starre.
„Haben Sie den Verfolgungsvektor des Tachyonen-Impulses?“, fragte Malakor. Seine Stimme schnitt durch den Raum wie eine gefrorene Klinge.
Der leitende Sensor-Techniker, ein junger Mann namens Jenson, spürte, wie ihm der kalte Schweiß den Nacken hinunterlief. Er hatte die Daten vor sich. Er sah die feinen Resonanzspuren, die direkt in den Tenebris-Sektor führten. Es waren komplexe Gleichungen, die Vance mit seinen geheimen Flottenschlüsseln in Minuten entschlüsselt hätte. Jenson wusste genau, welchen Filter er anwenden musste.
Doch im Augenwinkel sah er Kommandantin Tyler an der Tür stehen. Sie sagte nichts. Sie berührte lediglich das imperiale Abzeichen an ihrer Uniform – das vereinbarte Zeichen.
Verlangsamt das Protokoll. Lasst ihn im Dunkeln wandern.
„Inquisitor…“, stammelte Jenson und ließ seine Finger absichtlich über die falsche Tastenkombination gleiten. Ein künstliches Rauschen flutete den Bildschirm und löschte einen Teil der Frequenzlinien. „Das Signal… der Tachyonen-Strahl hat die primären Empfänger des Sternenzerstörers überlastet. Die Ionisationsschicht des Atmosphären-Inhibitors blockiert unsere eigenen Rekonstruktions-Algorithmen. Ohne die autorisierten Entschlüsselungscodes von Großadmiral Vance… stecken wir in einer mathematischen Schleife fest.“
Malakor trat einen Schritt näher. Die Luft um Jenson herum wurde so dünn, dass er glaubte, gleich in Ohnmacht zu fallen. Der Inquisitor spürte die Angst des Jungen durch die Macht – aber Angst war in seiner Welt normal. Er interpretierte sie als Ehrfurcht vor seiner Präsenz, nicht als Deckmantel für eine stille, bürokratische Sabotage.
„Rechnen Sie es neu“, befahl Malakor kalt. „Nutzen Sie die sekundären Kerne. Wenn Sie bis zur nächsten Wache keine Koordinaten haben, werden Sie den Großadmiral auf die Verlustliste des Imperiums folgen.“
„Zu Befehl, Inquisitor“, flüsterte Jenson und begann mit zitternden Händen, eine völlig veraltete und zeitaufwendige Diagnose-Schleife zu starten, die das System für die nächsten Stunden blockieren würde.
Während Malakor auf der Brücke die verängstigten Offiziere bewachte, leitete Krennel im tiefen Bauch des ISB-Sektors ein streng geheimes, hochverschlüsseltes Datenpaket am imperialen Holo-Netz vorbei. Es war keine Nachricht an die Flotte. Es war ein direkter Bericht an das Hauptquartier des ISB auf Coruscant.
Der Inhalt: Eine lückenlose Dokumentation über Vances Tod, die willkürliche Zerstörung imperialer Ausrüstung auf der Brücke durch den Inquisitor und das taktische Versagen der Inquisition, die imperiale Beute auf Sylva-Vaal zu sichern.
Die Crew der Iron Vanguard schützte die Mantis und die Flüchtlinge des Konklaves nicht aus Sympathie für die Rebellion. Sie taten es aus Hass auf den Inquisitor. Indem sie die Datenströme verzögerten, die Berichte fälschten und sich hinter bürokratischen Fehlermeldungen versteckten, machten sie Malakor blind.
Er hatte den Kopf der Flotte abgeschlagen, und nun bewegte sich der gigantische Sternenzerstörer nur noch wie ein gelähmter Riese im Kreis, während die Zeit unaufhaltsam gegen den Inquisitor lief.