Das stumme Aufbegehren der Crew hatte Inquisitor Malakor tiefer isoliert als jede Zelle des Imperiums. Auf den Kontrollbildschirmen der Iron Vanguard liefen noch immer die endlosen, künstlich verzögerten Diagnoseschleifen, die Kommandantin Tyler angeordnet hatte. Doch Malakor hatte aufgehört, Befehle zu erteilen. Er wusste, dass jedes Wort, das er an diese Brücke richtete, im Treibsand ihrer bürokratischen Sabotage versinken würde.
Er war allein in seiner verdunkelten Kammer. Vor ihm auf dem kalten Boden stand eine kleine, unauffällige Truhe aus mandalorianischem Beskar-Stahl. Malakor strich mit den behandschuhten Fingern über die Runen des Schlosses, bevor er die Handfläche darauf presste und einen dunklen Impuls der Macht hindurchjagte.
Das Schloss klackte. Die Truhe öffnete sich.
Heraus schwebte eine rasiermesserscharfe, pyramidenförmige Geometrie aus blutrotem Kristall: ein Sith-Holocron . Das Artefakt stammte aus den verbotenen Gewölben unter dem Inquisitoren-Hauptquartier auf Nur. Es zu besitzen, war Hochverrat am Großinquisitor; es zu benutzen, ohne die Erlaubnis von Darth Vader selbst, ein Todesurteil. Doch Malakor hatte keine Wahl mehr. Die Sanduhr von Coruscant lief ab. Wenn er die Mantis nicht fand, würde das ISB ihn wegen des Mordes an Großadmiral Vance vernichten.
Malakor legte seine Maske ab. Sein bleiches, von den Narben der Dunklen Seite gezeichnetes Gesicht spiegelte sich im unruhigen, roten Glühen des Kristalls.
„Erwache“, flüsterte er.
Die Kanten der Pyramide begannen sich zu verschieben. Sie drehten und hoben sich mit einem mahlenden, kristallinen Knirschen, bis der Kern des Holocrons freigelegt war. Ein wispernder, uralter Chor aus Stimmen flutete den Raum – ein rauchiges Echo längst verstorbener Sith, das nicht im Ohr, sondern direkt im Verstand widerhallte.
Malakor zog eine kleine Vibroklinge aus seinem Gürtel. Ohne zu zögern, zog er die scharfe Kante über seine linke Handfläche. Dunkles, dickflüssiges Blut quillte hervor. Er ballte die Faust direkt über dem glühenden Kern des Holocrons.
Die roten Tropfen fielen auf den Kristall. Statt abzuperlen, wurden sie gierig vom Material aufgesaugt. Das rote Leuchten explodierte in einen grellen, pulsierenden Purpur, welches die Schatten an den Wänden in fratzenhafte Gestalten verwandelte.
Malakor schloss die Augen und projizierte seinen Hass durch das Artefakt. Er suchte nicht nach mechanischen Frequenzen oder Tachyonen-Impulsen, die Tyler sabotieren konnte. Er suchte nach dem emotionalen Echo. Er suchte nach Cals Jedi-Präsenz, nach Merrins fremdartiger Magie und vor allem nach dem brennenden, verzweifelten Geist der Schatten-Jägerin Seren.
Das Holocron fungierte als gigantischer, bösartiger Verstärker für seine Sinne. Seine Wahrnehmung riss sich von der Iron Vanguard los, schoss durch die dicke Ionenschicht von Sylva-Vaal und raste wie ein schwarzer Komet durch das Vakuum des Sektors.
In seinem Kopf explodierten Bilder: Er sah Sterne vergehen, sah kalte Galaxien – und dann spürte er es. Ein saphirblaues Pulsieren. Eine gewaltige, rotierende Anomalie, die eigentlich alles verschlingen sollte, aber stattdessen wie ein Schild um etwas Lebendiges lag. Er sah das Aufblitzen einer vertrauten Schiffshülle. Die Mantis .
„Ich habe dich…“, keuchte Malakor. Das Blut schoss ihm aus der Nase, die enorme Belastung des Rituals riss an seinen synaptischen Bahnen. Seine Augen schossen auf, die Pupillen waren vollständig von einem brennenden Schwefelgelb überzogen.
Mit einem scharfen Knall schloss sich das Holocron wieder und stürzte leblos auf den Boden. Malakor brach auf die Hände zusammen, keuchend, während sein eigener Schweiß und das Blut auf das Metall tropften.
Er hatte die Koordinaten. Er wusste jetzt, dass sie sich im unkartierten Tenebris-Sektor verbargen, geschützt von der Gravitationsanomalie.
Doch als er versuchte, aufzustehen, merkte er, wie schwer seine Glieder waren. Seine rechte Hand zitterte unkontrolliert, und die dunkle Magie des Artefakts hatte einen Teil seiner eigenen Lebenskraft als Tribut gefordert. Die Dunkle Seite gab nichts umsonst. Seine Verbindung zur Macht fühlte sich für den Moment wund und instabil an – ein gefährlicher Zustand für das, was ihm bevorstand.
Er griff nach seiner Maske und presste sie auf sein Gesicht. Das mechanische Atmen setzte ein, kalt und rhythmisch. Er brauchte diese inkompetente Brückencrew nicht mehr, um zu suchen. Er würde Tyler den Befehl geben, den Hyperraumantrieb exakt auf den Rand des Tenebris-Sektors auszurichten.
Die Jagd war wiedereröffnet, und dieses Mal gab es keine Protokolle, die ihn aufhalten konnten.