WAYFARER ARCHIVE // LESEMODUS
Kapitelübersicht
KAPITEL 21

Der Navigator

Korda Venn hatte in seinem Leben schon viele Reparaturrechnungen gesehen, aber noch nie eine, bei der ein Techniker die Worte „wirtschaftlich bedauerlich“ neben eine beschädigte Antriebsaufhängung geschrieben hatte. Er las die Bemerkung zweimal, legte das Datenpad auf den Tisch und betrachtete durch das Fenster der Stationskantine sein Schiff. Die Serrat hing im äußeren Dock, von zwei Wartungsarmen gehalten, deren Greifer im Vergleich zu ihrem Rumpf erschreckend dünn wirkten. Wo früher eine geschlossene Reihe von Panzerplatten gewesen war, standen jetzt verbogene Kanten ab.

„Wirtschaftlich bedauerlich“, wiederholte Sira und nahm ihm das Pad weg. „Das ist eine hübsche Umschreibung für: Wenn wir damit springen, verteilen wir uns über drei Systeme.“

Rusk saß ihnen gegenüber, den verletzten Arm in einer Schiene und das Bein auf einem zweiten Stuhl. Er hatte darauf bestanden, zur Besprechung mitzukommen, und anschließend zehn Minuten damit verbracht, den Weg von der Krankenstation zur Kantine zu verfluchen. „Die Aufhängung hält“, sagte er. „Solange niemand von ihr verlangt, dass sie ihre Arbeit tut.“

„Du solltest im Bett liegen“, erwiderte Korda.

„Und du solltest ein Schiff besitzen, das nicht aussieht, als hätte ein wütender Schrottsammler daran geübt. Wir können nicht alle bekommen, was wir wollen.“

Sira musste lachen, obwohl sie seit dem Angriff kaum geschlafen hatte. Korda war dankbar dafür. Noch am Vorabend hatte sie auf der Brücke der Serrat gesessen und die Schäden durchgesehen, bis ihre Augen rot geworden waren. Sie sagte nicht, dass sie Angst gehabt hatte, den Frachter zu verlieren. Er fragte nicht danach. Sie kannten einander lange genug, um zu wissen, wann Schweigen Rücksicht war und wann es zur Ausrede wurde.

Die Stationswerft konnte die Steuerdüsen sichern, nicht aber die beschädigte Halterung ersetzen. Das nötige Bauteil lag in einem älteren Bergungsdepot, das nur noch gelegentlich angeflogen wurde. Ein Frachter der Stationsverwaltung hätte die Serrat dorthin schleppen können, doch auf den üblichen Routen würde die Reise fast zwei Tage dauern. Niemand wusste, ob das fremde Schiff noch nach ihnen suchte. Die Patrouille, die ihnen beim letzten Angriff geholfen hatte, war längst wieder abgezogen.

„Wir lassen sie hier“, sagte Korda schließlich. „Bis wir eine vernünftige Eskorte haben.“

Sira hob den Blick. „Und wenn die Leute, die uns angegriffen haben, vorher auftauchen?“

Er hatte keine Antwort, die er ihr guten Gewissens geben konnte.

***

Taren fand Greez im Hangar der Mantis, wo der Pilot mit einem Mechaniker über eine winzige Kerbe in der Außenverkleidung stritt. Der Mann von der Station hielt sie für oberflächlich. Greez hielt sie für den Anfang einer Katastrophe und verlangte, dass wenigstens jemand den Lack ausbesserte, bevor sie wieder starteten.

„Du hast einen Frachter aus einem Trümmerfeld geholt“, sagte Taren, als der Mechaniker gegangen war. „Dabei bekommt man manchmal Kratzer.“

„Kratzer sind eine Sache. Dass jemand behauptet, sie gehörten zur ursprünglichen Gestaltung meines Schiffs, ist eine andere.“ Greez klopfte auf die Verkleidung. „Wie geht es Rusk?“

„Er beschwert sich. Merrin sagt, das sei ein gutes Zeichen.“

„Merrin hat ihn noch nicht im Maschinenraum erlebt.“

Cal kam mit BD-1 aus dem Inneren der Mantis. Der kleine Droide trug einen Datenspeicher, den Sira ihnen überlassen hatte. Darin lagen die Aufzeichnungen der Serrat vom Angriff, einschließlich eines Navigationsfehlers, der Cal bei der ersten Durchsicht aufgefallen war. Nicht der Treffer selbst hatte ihn beschäftigt, sondern ein Augenblick unmittelbar davor: Die Positionsmarken zweier entfernter Bojen hatten für wenige Sekunden nicht mehr zu den Messungen der Sternsensoren gepasst.

„Vielleicht ein beschädigter Empfänger“, meinte Greez, als Cal die Aufzeichnung auf einem tragbaren Projektor öffnete.

„Das dachte ich auch“, sagte Cal. „Aber die Abweichung taucht in der eigenen Messung der Serrat auf, bevor ihr Sensor ausfällt.“

BD-1 gab eine Folge kurzer Töne von sich und blendete zwei Kurven übereinander. Die Linien stimmten nicht überein. Taren sah lange darauf, ohne sofort zu sprechen. Er kannte das unangenehme Gefühl, wenn ein Weg vor einem lag, den die vertrauten Karten nicht beschrieben. Bisher war es selten mehr gewesen als eine Ahnung, manchmal hilfreich und manchmal so unzuverlässig wie ein Traum nach zu wenig Schlaf.

„Es erinnert mich an die Stellen, an denen eine Route sich verändert“, sagte er. „Nicht daran, wie die Instrumente reagieren. Eher daran, wie man merkt, dass man falsch auf die Umgebung schaut.“

Cal betrachtete ihn aufmerksam. „Kannst du daraus eine Richtung ableiten?“

„Noch nicht.“

Das Wort fiel Taren schwerer, als er erwartet hatte. Er wollte Korda helfen, und er wusste, wie viel Vertrauen der Mann ihnen nach der Rettung entgegenbrachte. Eine Vermutung konnte jedoch niemanden sicher durch den Raum führen.

Seren trat zu ihnen, nachdem sie ihre Verbindung nach Tenebris beendet hatte. Daron hatte bestätigt, dass Nerava begrenzte technische Unterstützung über einen neutralen Umschlagplatz organisieren konnte. Eine Einladung nach Tenebris war damit ausdrücklich nicht verbunden; die Sicherheitsverantwortlichen wollten zunächst wissen, wie die Serrat verfolgt worden war und ob ihre Systeme manipuliert worden waren. Seren hielt diese Vorsicht für richtig, auch wenn sie Korda lieber eine einfachere Nachricht überbracht hätte.

„Es gibt Hilfe“, sagte sie. „Nur müssen wir sie erst an den richtigen Ort bringen.“

Cal zeigte ihr die abweichenden Messwerte. Seren ließ sich erklären, was bekannt war, und fragte dann nicht nach dem Rätsel, sondern nach der Entfernung bis zum Bergungsdepot. Greez rief die übliche Route auf. Die Karte führte durch zwei überwachte Handelssektoren und an einem Transitknoten vorbei, an dem jedes beschädigte Schiff sofort auffiel.

„Wenn sie uns dort suchen, liefern wir ihnen eine genaue Ankunftszeit“, sagte Seren.

„Es gibt einen älteren Korridor“, erwiderte Greez und vergrößerte die Karte. „Wenig Verkehr, aber die letzte Vermessung ist Jahre her. Ich habe ihn damals nicht genommen, weil die Markierungen unzuverlässig waren.“

Taren sah auf die dunkle Lücke zwischen den eingezeichneten Punkten. Etwas daran kam ihm vertraut vor, doch diesmal behielt er den ersten Gedanken für sich. „Kannst du mir die alten Messungen zeigen?“

***

Am Nachmittag saßen sie mit Korda und Sira in einem kleinen Besprechungsraum, dessen Fenster auf die Reparaturbucht hinausging. Rusk hatte eine Verbindung zugeschaltet bekommen, weil Merrin ihm untersagt hatte, noch einmal durch die halbe Station zu humpeln. Er erschien auf dem Bildschirm in einem Krankenhemd und mit einem Ausdruck tiefer persönlicher Beleidigung.

Sira prüfte die vorgeschlagene Strecke, ohne Taren ausreden zu lassen, sobald ihr etwas unklar erschien. Das gefiel ihm. Sie fragte nach den letzten bekannten Störungen, nach dem Abstand zwischen den Navigationsmarken und danach, wie sie mit einem Schiff ohne volle Steuerleistung einen Kurswechsel durchführen sollten. Cal lieferte die technischen Daten, BD-1 ergänzte die Messwerte, und Greez erklärte, welche Manöver er mit der Mantis übernehmen konnte. Keiner tat so, als reiche Tarens Gefühl allein.

„Ihr wollt uns also durch einen Korridor bringen, den ihr nicht kennt“, fasste Sira zusammen.

„Wir kennen seinen Eingang und sein Ende“, sagte Greez. „Dazwischen ist die Karte schlecht.“

„Das klingt weniger beruhigend, als du wahrscheinlich beabsichtigt hast.“

„Ich beabsichtige überhaupt nicht, beruhigend zu klingen. Ich will, dass wir vorher alles durchrechnen.“

Korda sah zu Taren. „Und du glaubst, dass du uns dort führen kannst?“

Taren hätte gern Ja gesagt. Stattdessen zeigte er auf die Aufzeichnungen der Serrat. „Ich glaube, dass ich erkennen könnte, wann die Messungen nicht mehr zur tatsächlichen Lage passen. Aber ich brauche Siras Sensoren, BD-1s Auswertung und Greez am Steuer. Wenn wir nicht weiterkommen, kehren wir um.“

„Auch wenn das bedeutet, dass wir wieder hier landen?“, fragte Korda.

„Gerade dann.“

Sira ließ die Projektion noch einmal laufen. „Wir könnten die Serrat nicht schnell genug wenden, wenn die Hauptdüsen ausfallen. Ich brauche eine Zugverbindung zur Mantis, die sich im Notfall sofort lösen lässt.“

Rusk beugte sich auf dem Bildschirm vor. „Und ich brauche jemanden, der endlich aufhört, so zu tun, als sei unser Steuerbordaggregat gesund. Es hält für die Strecke, wenn wir die Last verteilen. Für einen Sprung reicht es nicht.“

„Dann springen wir nicht“, sagte Korda. Er blickte zu Seren, die bislang vor allem zugehört hatte. „Du hast noch nichts dazu gesagt.“

„Weil die Entscheidung über dein Schiff bei dir liegt. Ich möchte nur wissen, was wir tun, wenn uns jemand folgt.“

Cal erklärte die vorgesehene Funkstille und den Umweg, den die Mantis nach dem Auslaufen zunächst fliegen würde. Seren bestand darauf, dass der Reparaturplatz erst dann informiert wurde, wenn die beiden Schiffe den unübersichtlichen Abschnitt verlassen hatten. Niemand sollte aus einer ungesicherten Nachricht den Standort eines künftigen Treffpunkts ableiten können.

Korda nahm sich Zeit. Er sah auf die Serrat hinaus, deren Schäden in der grellen Beleuchtung der Werft noch deutlicher hervortraten, und wandte sich schließlich seiner Pilotin zu. „Kannst du sie führen?“

„Wenn du mir nicht in die Steuerung greifst.“

„Das habe ich seit acht Jahren nicht getan.“

„Sieben. Und du hast damals behauptet, du wolltest nur den Alarm leiser stellen.“

Er lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. „Dann versuchen wir es.“

***

Die Serrat verließ die Station bei künstlichem Morgengrauen. Ihre Hülle trug provisorische Verstärkungen, und die Steuerborddüsen reagierten mit einer Verzögerung, die Sira schon nach wenigen Minuten zur Weißglut brachte. Die Mantis flog zunächst neben ihr, bis Greez den Frachter über eine flexible Schleppkupplung auf Zug nehmen konnte. Es war keine elegante Konstruktion, aber Rusk hatte die Belastungsgrenzen selbst überprüft und drei Verbesserungsvorschläge gemacht, bevor Merrin ihm das Datenpad aus der Hand nahm.

„Du darfst dich aufregen“, sagte sie. „Du musst dafür nicht aufstehen.“

Rusk betrachtete die Schiene an seinem Arm. „Ich hatte nicht vor aufzustehen.“

„Du hattest bereits einen Fuß auf dem Boden.“

Merrin blieb noch einen Moment bei ihm, während die Schiffe ihren Kurs nahmen. Sie hatte die beiden Verletzten des Transporters am Morgen besucht. Die Schwester hatte zum ersten Mal wieder nach ihrem Bruder gefragt, ohne vorher wissen zu wollen, ob das fremde Schiff zurückgekehrt sei. Für Merrin war das eine kleine, aber wichtige Veränderung gewesen. Sie erzählte Rusk davon, weil sie wusste, dass ihn die Sorge um die Geretteten beschäftigte, auch wenn er sie hinter seinen Beschwerden versteckte.

Auf der Brücke der Mantis verfolgte Taren die Markierungen des alten Korridors. Seren stand neben ihm, eine Hand locker an der Rückenlehne seines Sitzes. Sie hatte sich geweigert, aus der Reise eine feierliche Prüfung zu machen. Trotzdem bemerkte sie, wie oft er seine Finger öffnete und wieder schloss, wenn eine neue Messung eintraf.

„Du musst niemandem beweisen, dass du das kannst“, sagte sie leise.

„Ich weiß.“

„Dann hör auf, jedes Mal die Luft anzuhalten, wenn BD-1 piept.“

Er sah sie an und musste lächeln. „Ist es so offensichtlich?“

„Nur für jemanden, der dich kennt.“

Die ersten Stunden verliefen ohne Zwischenfall. Sira hielt die Serrat sauber in Greez' Schleppachse, und Cal verglich die alten Bojendaten mit den aktuellen Sternsensoren. Als sie den überwachten Verkehr hinter sich gelassen hatten, wurde der Raum stiller. Auf den Anzeigen standen nur noch die beiden Schiffe und vereinzelte Trümmer kleinerer Gesteinskörper, die sich langsam entlang des Korridors bewegten.

Taren spürte die Veränderung, bevor BD-1 sie meldete. Es war keine Stimme und kein Bild, eher ein Widerstand gegen die Selbstverständlichkeit der Richtung, in die sie flogen. Er bat Greez um eine leichte Kurskorrektur. Die Instrumente bestätigten den neuen Kurs zunächst, doch Sira meldete wenige Minuten später, dass sich ihre Entfernung zur nächsten Marke schneller verringerte als berechnet.

„Wir treiben seitwärts“, sagte sie. „Nicht viel. Aber stetig.“

Cal überprüfte die Sensoren. „Die Geschwindigkeit stimmt. Der Bezugspunkt offenbar nicht.“

Taren konzentrierte sich auf das Gefühl, das ihn zum Kurswechsel gebracht hatte. Je länger er daran festhielt, desto sicherer schien es ihm. Und desto weniger beachtete er, wie die Anzeigen auseinanderliefen.

„Noch ein Stück nach links“, sagte er.

Greez drehte sich halb zu ihm um. „Die Serrat hängt hinter uns, und wir kommen gerade an einer Ansammlung von Gesteinsbrocken vorbei. Ich brauche einen Grund, keinen Wunsch.“

„Ich glaube, dort ist der freie Weg.“

„Glauben kann ich später. Im Moment fliege ich.“

Sira unterbrach sie. „Wenn ihr noch weiter nach links zieht, verliere ich den Abstand. Meine Steuerborddüse kommt nicht schnell genug nach.“

Taren sah auf die Projektion. Seine erste Eingebung hatte ihn in eine Richtung geführt, die jetzt mit den Messungen kollidierte. Für einen Moment war er versucht, darauf zu bestehen, weil er das Gefühl so deutlich wahrnahm. Dann erinnerte er sich an Kordas Blick im Besprechungsraum und daran, was er versprochen hatte.

„Greez, halte den Kurs“, sagte er. „Ich habe mich zu früh festgelegt.“

***

Sie nahmen die Geschwindigkeit heraus, bis die Schleppkupplung nicht mehr unter voller Last stand. Die Serrat schob sich ein wenig zur Seite, fing sich aber wieder. Auf beiden Brücken arbeiteten die Besatzungen nun mit den gleichen Anzeigen. BD-1 fand in den Messwerten ein Muster: Die Positionsabweichung wuchs nicht gleichmäßig, sondern änderte sich immer dann, wenn sie sich an einer der alten Markierungen orientierten.

„Die Bojen sind nicht mehr dort, wo die Karte sie erwartet“, sagte Cal.

„Dann fliegen wir eben nach den Sternen“, meinte Greez.

„Auch die Sterne sehen wir von einem Ort aus, dessen Position wir gerade falsch berechnen“, entgegnete Sira. „Wenn wir nur eine Messung ersetzen, behalten wir denselben Fehler.“

Seren war zum Fenster getreten. Draußen zog eine dunkle Gesteinsformation langsam vorbei, deren schmale Ausläufer auf den Anzeigen wie mehrere voneinander getrennte Körper erschienen. Sie beobachtete, wie sich die scheinbaren Abstände verschoben, während die Mantis fast stillstand. „Taren, du suchst die Stelle, an der der Weg wieder richtig wird. Was, wenn es diese Stelle gar nicht gibt?“

Er trat neben sie. „Dann müssten wir den Weg ständig neu bestimmen.“

„Und zwar nicht allein.“

Es war keine Offenbarung. Er hatte die anderen die ganze Zeit um Messwerte gebeten. Erst jetzt verstand er, dass er sie wie Bestätigungen seiner eigenen Wahrnehmung behandelt hatte, statt als gleichwertige Teile eines Bildes, das keiner von ihnen allein sehen konnte.

Sie änderten das Verfahren. Greez hielt die Geschwindigkeit niedrig, Sira meldete die tatsächlichen Reaktionen der Serrat, und Cal ließ BD-1 fortlaufend die Abweichungen zwischen Sternsensoren und alten Markierungen berechnen. Taren beschrieb nur noch, wo er eine Veränderung wahrnahm, ohne daraus sofort einen Kurs abzuleiten. Seren achtete darauf, dass sie nicht erneut einem einzigen Hinweis folgten, und zwang niemanden zu einer Entscheidung, bevor die anderen sie verstanden hatten.

Auf diese Weise fanden sie eine Passage zwischen zwei weit auseinanderliegenden Trümmerfeldern, die auf der alten Karte als durchgehende Sperrzone eingetragen war. Sie war eng genug, dass Greez den Frachter nicht einfach hinter sich herziehen konnte. Sira musste die Serrat für mehrere Minuten aus eigener Kraft führen, während die Mantis voranflog und ihre Messungen übertrug.

„Ich sehe euren Ausgang“, sagte Sira. „Aber meine rechte Düse hängt immer noch nach.“

„Dann lass sie nachhängen“, erwiderte Greez. „Du musst nicht genau unsere Spur treffen. Halte den Abstand zu dem großen Brocken auf deiner Seite.“

„Ich weiß, wie man einen Frachter fliegt.“

„Wunderbar. Dann sind wir schon zwei.“

Ein dumpfer Schlag ging durch die Serrat. Auf Siras Anzeige fiel die Reserveleistung kurz ab, und das Schiff drehte sich langsamer als erwartet. Taren sah den Frachter im Sichtfenster seitlich aus der sicheren Passage driften. Er spürte, wie sein Körper sich anspannte, und unterdrückte den Impuls, eine weitere Richtung vorzugeben.

„Sira, was brauchst du?“, fragte er stattdessen.

„Zeit. Und dass ihr mir den Stein rechts nicht aus den Augen verliert.“

BD-1 pfiff eine Warnung. Cal gab ihr die verbleibende Entfernung durch, während Greez die Mantis so positionierte, dass die Schleppkupplung wieder Zug aufnehmen konnte, ohne die beschädigte Aufhängung der Serrat zu überlasten. Sira hielt dagegen, nutzte den kurzen Zug zur Korrektur und brachte den Frachter in die Passage zurück. Der Fels glitt in einer Entfernung vorbei, die Korda später für deutlich zu gering erklären würde. Jetzt sagte er nichts, bis Sira wieder freie Sicht hatte.

„Wir sind durch“, meldete sie schließlich. In ihrer Stimme lag keine triumphierende Freude, nur die Erleichterung eines Menschen, der sich den nächsten Atemzug erst erlaubte, wenn die Arbeit getan war.

Greez löste die Schleppkupplung nicht sofort. Er wartete, bis die Anzeigen beider Schiffe stabile Positionen meldeten und das Bergungsdepot als schwaches Licht zwischen den Sternen erschien. Erst dann lehnte er sich zurück und rieb sich mit zwei Händen das Gesicht.

„Wenn irgendjemand diese Strecke später als Abkürzung bezeichnet“, sagte er, „werde ich persönlich dafür sorgen, dass er sie zu Fuß zurücklegen muss.“

***

Das Depot bestand aus einem alten Ringdock, einer Werkhalle und mehreren Wohnmodulen, die aneinandergebaut worden waren, ohne dass sich je jemand um ein einheitliches Aussehen bemüht hatte. Es lag weit genug von den großen Handelsrouten entfernt, um unauffällig zu bleiben. Die Betreiberin, eine ältere Frau namens Vesha, begrüßte Korda mit der Bemerkung, er habe schon bessere Tage gehabt, und verlangte anschließend die vollständige Schadensliste, bevor sie irgendeine Zusage machte.

Als sie Rusks provisorische Verstärkungen sah, hob sie anerkennend die Brauen. „Wer hat das gemacht?“

„Ich“, sagte Rusk über den Bordkanal.

„Dann hoffe ich, dass du nach deiner Genesung nicht sofort wieder verschwindest. Hier arbeiten Leute, die könnten etwas von dir lernen.“

„Schick sie zu mir, wenn sie gute Manieren haben.“

„Dann schicke ich niemanden.“

Die Reparatur würde Zeit kosten, aber das passende Bauteil war vorhanden. Korda bestätigte Seren, dass er und seine Mannschaft bis zum Abschluss der Arbeiten am Depot bleiben würden. Vesha erhielt nur die Informationen, die sie für ihre Arbeit brauchte; von Tenebris und Nerava erfuhr sie nichts. Seren informierte Daron über den sicheren Ausgang der Reise und die vereinbarte technische Unterstützung. Mehr musste an diesem Tag nicht entschieden werden.

Am Abend saßen die beiden Besatzungen in einer kleinen Gemeinschaftsküche des Depots. Es gab warmes Brot, einen Eintopf, dessen Zutaten Greez zunächst misstrauisch prüfte, und einen Tisch, an dem endlich alle Platz fanden. Rusk hatte von Merrin die Erlaubnis bekommen, eine Stunde mit den anderen zu verbringen, solange er seinen Arm ruhig hielt. Er nutzte sie, um Vesha ausführlich zu erklären, warum ein bestimmter Schraubentyp seit Jahrzehnten falsch eingesetzt wurde. Sie hörte interessiert zu und widersprach ihm bei jedem zweiten Satz.

Sira saß neben Cal und verglich ihre eigenen Messungen mit BD-1s Aufzeichnungen. Sie wollte den Korridor nicht noch einmal fliegen, aber sie wollte verstehen, warum sie beinahe die Orientierung verloren hatten. BD-1 zeigte ihr eine korrigierte Karte, die an mehreren Stellen bewusst Lücken ließ.

„Das ist das Ehrlichste, was ich heute gesehen habe“, sagte sie. „Eine Karte, die zugibt, was sie nicht weiß.“

Merrin beobachtete das Gespräch von der anderen Tischseite. „Ihr redet über den Raum, als müsste er sich entscheiden, welche Gestalt er haben will.“

„Vielleicht sind unsere Messungen nur schlecht“, sagte Cal.

„Vielleicht“, erwiderte sie. Sie wirkte nachdenklich, aber nicht beunruhigt. „Es ist nur seltsam, wie schnell wir etwas für feindlich halten, sobald es sich nicht so verhält, wie wir es erwarten.“

Taren sah zu ihr hinüber. Sie hatte nicht behauptet, mehr zu wissen als die anderen, und doch blieb ihm der Gedanke im Kopf. Merrin griff nach ihrem Becher und fragte Rusk, ob er sich inzwischen daran gewöhnt habe, Anweisungen zu befolgen. Damit war das Gespräch für den Moment beendet, und Rusk nutzte die Gelegenheit, sich wortreich über die Krankenstation zu beklagen.

Später gingen Taren und Seren durch einen schmalen Verbindungsgang zu einem Beobachtungsfenster, hinter dem die Mantis und die Serrat nebeneinander im Dock lagen. Auf der einen Seite arbeiteten bereits zwei Mechaniker am Frachter; auf der anderen hatte Greez endlich jemanden gefunden, der die Kerbe in seiner Verkleidung ernst nahm.

„Du warst heute stiller als sonst“, sagte Seren.

„Ich habe gedacht, ich müsste den Weg erkennen, bevor die anderen ihn sehen können.“

„Und jetzt?“

Taren betrachtete die beiden Schiffe. „Jetzt weiß ich wenigstens, wie gefährlich dieser Gedanke werden kann.“

Seren schob ihre Hand in seine. „Du hast rechtzeitig zugehört. Das ist mehr, als manche Leute nach zwanzig Jahren Erfahrung schaffen.“

„Du meinst Greez?“

„Ich habe keinen Namen genannt.“

Er lachte, und sie blieben noch eine Weile am Fenster stehen. Korda würde sein Schiff reparieren lassen, Rusk würde wieder gesund werden, und Sira hatte eine Karte, die sie morgen vermutlich erneut auseinandernehmen würde. Für heute genügte es, dass sie alle angekommen waren. Taren wusste nicht, ob er sich schon Navigator nennen konnte. Aber zum ersten Mal hatte er verstanden, dass der Weg nicht ihm allein gehören musste.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.