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KAPITEL 22

Die falsche Richtung

Greez hatte sich vorgenommen, diesen Flug zu genießen. Das war kein übertriebener Wunsch. Er verlangte weder ein Festessen noch einen warmen Strand, nicht einmal eine Nacht, in der niemand mitten im Schlaf an seine Kabinentür klopfte. Er wollte nur die Mantis von einem Ort zum anderen bringen, ohne dass unterwegs jemand eine alte Waffe aktivierte, eine vergessene Anlage erwachte oder Taren eine Richtung bemerkte, die auf keiner Karte stand.

Seit sie das Reparaturdepot verlassen hatten, war der Weltraum erfreulich gewöhnlich geblieben. Hinter ihnen arbeitete Korda Venn daran, die Serrat wieder flugtüchtig zu machen. Rusk hatte bei ihrem Abschied aufrecht gestanden, obwohl er dabei aussah, als würde er seinem verletzten Bein einen persönlichen Vorwurf machen. Sira hatte BD-1 eine Kopie ihrer Messungen gegeben und darauf bestanden, dass der Droide sich meldete, falls er darin etwas entdeckte, das nicht nach einem beschädigten Sensor aussah.

„Und wenn ihr wieder einen Weg findet, der sich bewegt“, hatte sie zu Taren gesagt, „dann nehmt diesmal eine Karte mit, die schneller denkt als ihr.“

Greez hatte das für einen ausgezeichneten Abschiedsgruß gehalten. Taren betrachtete die Aufzeichnungen dennoch mit echtem Interesse. Seit dem Reparaturdepot wusste er, dass eine plausible Spur erst nach gemeinsamer Prüfung zu einem Kurs werden durfte und dass Greez bei Gefahr das letzte Wort über den Flug hatte. Seren hatte er versprochen, Vermutungen nicht länger wie Gewissheiten zu behandeln.

„Du schaust seit einer Stunde auf dieselben Linien“, sagte Greez. „Ich habe nichts dagegen, wenn jemand die Aussicht bewundert. Aber normalerweise nimmt man dafür das Fenster.“

Taren hob den Blick. Auf dem kleinen Projektor zwischen seinen Händen verliefen mehrere helle Kurven nebeneinander, kreuzten sich und trennten sich wieder. „Es sind nicht dieselben Linien. BD hat die Messungen aus dem Korridor mit den älteren Daten verglichen.“

BD-1, der auf der Lehne neben ihm stand, pfiff zustimmend.

„Gut“, sagte Greez. „Dann haben wir jetzt mehr Linien. Ich freue mich für euch.“

Cal trat aus dem Gang ins Cockpit, einen Becher Wasser in der Hand. Er blieb hinter Taren stehen und sah auf die Darstellung. „Was ist daran anders als gestern?“

„Gestern haben wir angenommen, dass die Abweichungen vom beschädigten Navigationssystem der Serrat stammen. Aber BD hat denselben Versatz in unseren eigenen Aufzeichnungen gefunden. Nicht durchgehend. Nur an drei Stellen, an denen wir den Kurs korrigiert haben.“

Cal betrachtete die Markierungen. „Drei Stellen ergeben noch kein Muster.“

„Nein. Aber sie liegen in einem ähnlichen Abstand zueinander.“

Greez warf einen Blick auf seine Anzeigen. Vor ihnen erstreckte sich ein ruhiger Abschnitt des äußeren Handelsraums. Eine verlassene Erzförderzone lag weit außerhalb der regulären Route; ihre alten Navigationswarnungen waren seit Jahren bekannt. Nichts daran war ein Geheimnis. „Ich höre gerade sehr aufmerksam zu“, sagte er, „und ich möchte festhalten, dass ich das Wort ähnlich nicht mag, wenn es in der Nähe meiner Triebwerke fällt.“

Taren lächelte, doch sein Interesse blieb bei den Daten. „Wir müssten nicht weit abweichen. Die erste Markierung liegt knapp außerhalb unseres Kurses.“

„Da ist ein altes Förderfeld.“

„Am Rand davon. Wir könnten uns die Messwerte ansehen und wieder umkehren.“

Cal sah erst zu Taren, dann zu Greez. „Was sagt die Karte?“

„Die Karte sagt, dass ich einen wunderbaren direkten Weg habe“, antwortete Greez. „Einen Weg, auf dem Schiffe fliegen, weil andere Schiffe ihn vorher schon überlebt haben.“

Seren erschien in der Tür. Sie musste den letzten Satz gehört haben, denn ihr Blick wanderte sofort zu der Projektion. „Worüber wird verhandelt?“

„Über einen Umweg“, sagte Cal.

„Über eine Beobachtung“, verbesserte Taren.

„Über meinen Blutdruck“, sagte Greez.

Seren ließ sich die drei Markierungen erklären. Sie fragte nach der Entfernung, nach den bekannten Hindernissen und danach, ob der Bereich von den üblichen Verkehrskontrollen erfasst wurde. Erst als sie die Antworten hatte, wandte sie sich an Greez. „Kannst du einen kurzen Messflug verantworten?“

Er trommelte mit zwei Fingern gegen die Konsole. „Bis zum äußeren Warnring. Langsam, mit freier Rückfluglinie. Sobald meine Instrumente anfangen, Geschichten zu erzählen, sind wir weg.“

„Dann gilt genau das“, sagte Seren. Sie sah Taren an. „Wir suchen keine Bestätigung um jeden Preis.“

„Verstanden.“

Merrin, die hinter ihr stehen geblieben war, verschränkte die Arme. „Es ist bemerkenswert, wie oft ihr alle dieselbe Vereinbarung trefft und anschließend hofft, sie nicht zu brauchen.“

„Wir brauchen sie nicht“, sagte Greez, „weil ich sie ernst nehme.“

Er änderte den Kurs um wenige Grad. Die Mantis glitt aus dem üblichen Verkehrskorridor, während die Sterne vor der Frontscheibe ihre Position kaum merklich verschoben. Der Flug blieb zunächst so ruhig, wie Greez es sich gewünscht hatte.

Im Aufenthaltsraum befestigte Cal eine zusätzliche Sicherung an einem Schrank, dessen Tür seit der letzten Reparatur bei jeder stärkeren Beschleunigung aufsprang. Merrin half ihm, indem sie die widerspenstige Tür festhielt. Es war eine alltägliche Arbeit, und gerade deshalb gefiel sie ihm. Seit Tagen hatten sie kaum etwas getan, das nicht von einer dringenden Entscheidung begleitet gewesen war.

„Du hältst Tarens Idee nicht für falsch“, sagte Merrin.

„Ich halte sie für unbewiesen.“

„Das ist ein Unterschied, auf den du großen Wert legst.“

Cal prüfte die Verriegelung. „Er hat etwas entdeckt, das wir nicht erklären können. Wenn wir es untersuchen, lernen wir vielleicht etwas. Wenn wir schon vorher wissen wollen, was es bedeutet, machen wir Fehler.“

Merrin ließ die Tür los. Sie blieb geschlossen. „Dann hoffe ich, dass du ihm das gesagt hast.“

„Zweimal.“

„Vielleicht solltest du es ein drittes Mal versuchen, ohne wie ein Lehrer zu klingen.“

Cal lachte leise. „Du kannst es besser.“

„Ich weiß.“

Als sie ins Cockpit zurückkehrten, hatte BD-1 die erste Markierung erreicht. Greez hielt die Geschwindigkeit niedrig, und Taren verglich die Projektion mit dem, was er jenseits der Instrumente wahrnahm. Es war keine Stimme, kein Ruf. Eher ein schwer zu fassender Eindruck von Nähe, wie die Erinnerung an eine Tür, deren Lage man im Dunkeln noch kennt.

„Hier“, sagte er. „Wenn wir ein wenig nach Steuerbord gehen, müssten wir die zweite Linie treffen.“

Greez überprüfte die Anzeige. „Die zweite Linie auf deiner Projektion liegt näher am Warnfeld, als mir lieb ist.“

„Noch außerhalb.“

„Noch“, wiederholte Greez und nahm die Korrektur vor. „Das ist heute offenbar das Wort des Tages.“

Die Messwerte veränderten sich. BD-1 stieß einen aufgeregten Ton aus, als zwei zuvor getrennte Kurven für wenige Sekunden übereinanderlagen. Taren spürte, wie sich seine Vermutung zu etwas Greifbarem verdichtete. Er hatte nicht erwartet, dass die Abstände exakt stimmen würden; dass sie es beinahe taten, erschien ihm umso überzeugender.

„Da ist eine Ordnung“, sagte er.

Seren stand hinter seinem Sitz. „Oder etwas, das unter diesen Bedingungen wie eine Ordnung aussieht.“

„Vielleicht. Aber wir können die dritte Stelle überprüfen, ohne das Feld zu berühren.“

Greez sah auf die Warnmarkierung. „Ein letzter Messpunkt. Danach zurück.“

Er lenkte die Mantis entlang einer breiten Kurve, die genügend Abstand zu den bekannten Trümmerbahnen ließ. Eine Weile blieb alles stabil. Dann sprang die Positionsanzeige um einen Bruchteil einer Einheit, obwohl weder Geschwindigkeit noch Schub verändert worden waren.

„BD?“ Greez deutete auf die Anzeige.

Der Droide prüfte die Daten und gab einen unsicheren Laut von sich. Ein zweiter Sensor zeigte dieselbe Abweichung, ein dritter nicht.

„Wir haben eine Störung“, sagte Greez. „Messflug beendet.“

Taren blickte auf die Projektion. Die dritte Linie lag direkt vor ihnen, doch der abweichende Sensor machte aus ihr keine verlässliche Richtung. Er legte das Datenpad beiseite. „Der Messflug ist beendet. Du hast recht, Greez. Wir drehen um; ich kann diese Markierung nicht sicher einordnen.“

Greez bestätigte den Kurswechsel. Die Mantis begann zu wenden, während BD-1 die widersprüchlichen Werte sicherte. Taren ließ die Projektion geschlossen und meldete nur die Positionswerte, die von mindestens zwei Sensoren bestätigt wurden.

Dann verschwand der vertraute Eindruck so plötzlich, als hätte jemand ein Licht gelöscht.

Greez' Instrumente schlugen Alarm.

Die Mantis wurde seitlich gerissen. Cal prallte gegen die Rückenlehne des Copilotensitzes, Merrin fing sich am Türrahmen ab, und BD-1 klammerte sich mit beiden Füßen an der Konsole fest. Vor ihnen glitt ein dunkler Brocken aus dem Sternenfeld, viel näher, als die Langstreckensensoren ihn angezeigt hatten.

Greez stieß einen Fluch aus und riss das Steuer herum. Die Mantis drehte unter dem Trümmerstück hinweg. Kaum war es verschwunden, tauchten weitere Objekte auf, kleine und große, die sich in unregelmäßigen Bahnen bewegten.

„Das ist nicht der äußere Rand!“, rief Greez. „Wir sind mitten in der alten Förderzone!“

„Unsere Position kann nicht—“ Taren brach ab. Er sah, dass die Anzeige zwei verschiedene Orte gleichzeitig auswies. Das Feld hatte sich schneller verschoben, als die Projektion es abbilden konnte; die Messung gab keine sichere Richtung mehr her.

Seren legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Taren. Was erkennst du?“

Er versuchte, den Eindruck wiederzufinden. Zwischen den Trümmern gab es Bewegung, Schwerkraft, Reflexionen. Doch nichts davon formte den Weg, dem er eben noch so sicher gefolgt war. „Die Messung ist keine sichere Richtung“, sagte er. Die Worte kosteten ihn Überwindung. „Ich kann sie nicht einordnen.“

„Dann lass die Projektion“, sagte Seren. „Greez braucht jetzt freie Anzeigen.“

Taren schaltete sie ab. „Greez, die Projektion liefert keine sichere Richtung. Ich schalte sie ab; nimm die bestätigten Positionswerte.“

„Gut, dass du es sagst“, antwortete der Pilot. „Alle festhalten. Ab jetzt hören wir auf mein Schiff.“

Ein metallisches Krachen lief durch den Rumpf, als ein kleiner Splitter den äußeren Steuerbordflügel traf. Sofort erschien eine Warnung für die Lageregelung. Greez fing die Bewegung ab, aber die Mantis reagierte verzögert. Er probierte eine Gegenkorrektur, nahm sie zurück und fluchte diesmal leiser.

„Cal, im Wartungsgang sitzt der Verteiler für die rechte Steuerdüse. Sieh nach, ob die Leitung noch Druck hat. Nicht öffnen, solange sie heiß ist.“

„Bin unterwegs.“ Cal verschwand mit BD-1 aus dem Cockpit.

„Merrin, ich brauche jemanden, der die Trümmer auf der linken Seite beobachtet. Der Nahbereichssensor hat dort einen toten Winkel.“

Merrin trat an das seitliche Fenster. „Wie nah darf es werden?“

„Am liebsten überhaupt nicht.“

„Eine klare Vorgabe.“

Seren setzte sich auf den freien Platz und rief die manuellen Anzeigen auf. „Die großen Objekte bewegen sich nicht gleichmäßig. Sie folgen mehreren Umlaufbahnen.“

„Das sehe ich“, sagte Greez. „Ich muss nur herausfinden, welche von ihnen uns zuerst zerquetscht.“

Ein weiterer Stoß ließ das Deck unter ihren Füßen zittern. Aus dem Gang meldete sich Cal über die Sprechanlage. „Die rechte Steuerdüse hat Druck, aber das Ventil öffnet nur teilweise. BD versucht, den Antrieb auf die Reserveleitung zu legen.“

„Sag ihm, er soll nichts überbrücken, das nach einer Explosion aussieht.“

Ein empörtes Piepen war zu hören.

„Ja, Kleiner, ich weiß, dass du vorsichtig bist!“

Greez führte die Mantis zwischen zwei gewaltigen Erzbrocken hindurch, die sich langsam aufeinander zubewegten. Ihre Oberflächen waren von alten Bohrspuren gezeichnet. Dazwischen schwebten Metallteile, wahrscheinlich Überreste der Fördermaschinen, die hier vor Jahrzehnten gearbeitet hatten. Einer der Brocken drehte sich und legte eine zerklüftete Seite frei, an der ein vorspringender Grat den Durchflug versperrte.

Greez reduzierte den Schub. Die Mantis glitt schräg unter dem Grat vorbei, so knapp, dass Taren einzelne Schichten des dunklen Gesteins erkennen konnte.

„Links kommt ein kleineres Stück“, sagte Merrin ruhig. „Es dreht schneller als die anderen.“

Seren markierte die Position. Greez wich aus, doch ein zweites Fragment tauchte dahinter auf. Er konnte ihm nur entgehen, indem er die Mantis weiter nach unten brachte, in eine Zone, die auf den Karten als dichtes Trümmerband verzeichnet war.

„Da unten ist es schlimmer“, sagte Taren.

„Ich weiß.“ Greez sah nicht zu ihm hinüber. „Aber hier oben ist es in zwei Sekunden vorbei.“

Merrin beobachtete die kleineren Fragmente, die am Fenster vorbeizogen. Einige schossen unkontrolliert durch den Raum, andere schienen in Gruppen zu wandern. Sie trat näher an Seren heran und zeigte auf zwei Markierungen. „Die kleinen Stücke folgen den großen nicht. Sie werden immer wieder seitlich fortgezogen.“

„Von einer Schwerkraftstörung?“

„Vielleicht. Aber seht, wo sie nicht hindurchfliegen.“

Zwischen zwei wandernden Gruppen blieb ein schmaler Bereich frei. Seren vergrößerte die Anzeige und verglich die Positionen der letzten Sekunden. „Das ist kein fester Korridor. Die Lücke verschiebt sich.“

„Eine Lücke reicht mir“, sagte Greez. „Wenn ich weiß, wohin sie wandert.“

Taren wollte sich bereits über die Projektion beugen, hielt jedoch inne. Er hatte ihnen eben erst bewiesen, wie gefährlich eine zu schnelle Erklärung sein konnte. Stattdessen betrachtete er die Messpunkte, ohne ihnen eine Bedeutung aufzuzwingen. „Sie zieht nach unten und rechts“, sagte er schließlich. „Nicht schnell. Aber gleichmäßig genug, um ihr zu folgen.“

Seren prüfte die Werte. „Für die nächsten zwölf Sekunden stimmt das.“

„Zwölf Sekunden“, wiederholte Greez. „Ich liebe großzügige Zeitfenster.“

Aus dem Wartungsgang kam ein lautes Klacken, gefolgt von BD-1s triumphierendem Pfeifen. Cal meldete sich sofort. „Reserveleitung ist aktiv. Die Düse reagiert wieder, allerdings nur mit halber Leistung.“

„Halbe Leistung ist besser als keine.“ Greez bewegte das Steuer probeweise. Die Mantis antwortete schwerfällig, aber verlässlich. „Alle zurück in die Sitze. Ich nehme die Lücke.“

Er beschleunigte nicht sofort. Zuerst ließ er das Schiff ein wenig absinken, gerade genug, um den nächsten Gesteinsbrocken über sich hinwegziehen zu lassen. Dann drehte er die Mantis auf die Seite und führte sie entlang der wandernden Öffnung. Ein Trümmerstück streifte den Schutzschild, der in einem kurzen Lichtblitz aufleuchtete. Greez korrigierte den Winkel, wartete einen Atemzug und gab erst dann Schub, als die zweite Gruppe auseinanderzudriften begann.

Für Taren wirkte der Flug beinahe langsam. Er wusste, dass sie sich mit hoher Geschwindigkeit bewegten, doch Greez' Entscheidungen waren so genau aufeinander abgestimmt, dass keine Bewegung überflüssig erschien. Er folgte keinem unsichtbaren Pfad. Er las, was vor ihm lag, und vertraute dem Schiff, das er besser kannte als irgendeinen anderen Ort.

Die Mantis schoss durch die letzte Öffnung. Hinter ihnen schlossen sich die Trümmerbahnen wieder, während vor der Frontscheibe endlich freier Raum erschien.

Greez hielt den Kurs noch lange, bevor er den Schub verringerte. Erst als die Positionsanzeigen wieder übereinstimmten und die Warnungen für das Förderfeld hinter ihnen lagen, lehnte er sich zurück. Seine Hände zitterten leicht. Er legte sie auf die Knie, damit niemand es sah.

Niemand sprach. Aus den Lautsprechern kam nur das leise, unregelmäßige Geräusch der beschädigten Steuerdüse.

„Wir sind draußen“, sagte Seren schließlich.

„Ich habe es bemerkt“, erwiderte Greez. Er klang erschöpfter, als Taren ihn je gehört hatte. „Ich war dabei.“

Cal kehrte mit BD-1 zurück. Der Droide sprang auf die Konsole und ließ eine Reihe besorgter Töne hören. Greez sah auf die Schadensübersicht. Ein Steuerflügel hatte einen tiefen Riss, die rechte Düse musste ersetzt werden, und mehrere Leitungen waren überlastet. Sie konnten weiterfliegen, aber weder schnell noch besonders weit.

„Nächster sicherer Wartungspunkt?“, fragte Seren.

Greez rief die Karte auf. „Ein kleiner Außenposten, sechs Stunden von hier, wenn wir die Düse schonen. Kein schöner Ort. Aber er hat einen Hangar und hoffentlich Leute, die wissen, welches Ende eines Werkzeugs man festhält.“

„Dann nehmen wir ihn“, sagte Seren.

Taren stand auf. „Greez—“

„Später.“ Der Pilot hielt den Blick auf den Anzeigen. „Erst bringe ich uns an einen Ort, an dem mein Schiff nicht auseinanderfällt.“

Taren nickte und verließ das Cockpit. Es war keine Zurückweisung, die er Greez übelnehmen konnte. Nach allem, was gerade geschehen war, hatte der Pilot das Recht auf ein paar Stunden ohne Erklärungen.

Im Aufenthaltsraum blieb Taren vor dem Tisch stehen, an dem noch die Kopie von Siras Messungen lag. Vor wenigen Stunden hatte er darin eine Möglichkeit gesehen, etwas Wichtiges zu verstehen. Als die Anzeigen auseinanderliefen, hatte er den Messflug abgebrochen und Greez die bestätigten Werte überlassen. Trotzdem ließ ihn der Schaden nicht los. Er fragte sich, ob er die Unsicherheit früher hätte benennen müssen, bevor die Mantis so nahe an den Rand der Förderzone geraten war.

Seren fand ihn dort, als sie die Schadensberichte abgeschlossen hatte. Sie setzte sich ihm gegenüber und ließ ihm Zeit, bevor sie sprach.

„Du hast die Abbruchentscheidung mitgetragen, sobald die Daten auseinanderliefen.“

„Ich weiß.“

„Und als er abbrechen wollte, hast du ihn gebeten weiterzufliegen.“

Taren sah sie an. „Ja. Und ich hätte schon vorher klarer sagen müssen, dass die dritte Linie nur eine Vermutung war.“

„Du hast deine Vermutung nicht über seine Entscheidung gestellt. Das ist ein Unterschied zu dem, wovor du dich selbst gerade fürchtest.“

Er ließ den Blick auf den stillen Projektor sinken. „Ich habe den Messpunkt vorgeschlagen, und damit habe ich uns näher an die Gefahrenzone gebracht. Beim nächsten Mal sage ich zuerst, was an meiner Deutung noch unsicher ist.“

Seren nickte langsam. „Du hast dich heute irren können, ohne die Besatzung in deiner Vermutung festzuhalten. Genau so wird aus einem Fehler eine Erfahrung.“

„Wir sind trotzdem in Gefahr geraten.“

„Die Förderzone war gefährlich, und der Schaden ist ernst. Aber du hast die Grenze akzeptiert, als die Daten sie gezeigt haben. Übernimm Verantwortung für deine Annahme, nicht für die Bewegung des ganzen Feldes.“

Er ließ die Hände auf dem Tisch liegen. Seren legte ihre darüber, ohne seinen Blick festzuhalten. Sie war ihm nah, aber sie nahm ihm nichts von dem ab, was er selbst verstehen musste.

„Ich hätte gern, dass du mir sagst, es sei schon alles gut“, sagte er nach einer Weile.

„Das wird es wieder. Aber heute ist nicht alles gut. Greez hat uns sicher zurückgebracht, und das Schiff ist beschädigt. Sprich mit ihm, sobald er bereit ist.“

„Das werde ich.“

Sie drückte seine Hand. „Dann bleib nicht allein hier sitzen, bis du dir eingeredet hast, du dürftest nie wieder eine Entscheidung treffen.“

Später, als die Mantis auf ihrem langsamen Kurs zum Außenposten flog, brachte Cal zwei Teller aus der kleinen Küche. Greez hatte nichts gegessen, seit sie das Depot verlassen hatten, und Cal wusste, dass ein leerer Magen dessen Laune selten verbesserte. Er stellte einen Teller neben den Pilotensitz und setzte sich wortlos auf den zweiten Platz.

„Du brauchst mich nicht zu bewachen“, sagte Greez.

„Ich bewache das Essen. Falls du es nicht willst.“

Greez nahm den Teller. „Dann bist du ein schlechter Wächter.“

Eine Zeit lang aßen sie schweigend. Schließlich betrachtete Greez die Schadensanzeige und schüttelte den Kopf. „Diesmal hast du sofort mitgedreht, als ich den Messflug beendet habe. Das hat uns geholfen, auch wenn das Feld uns trotzdem erwischt hat.“

„Du hast das Schiff aus der Drehung gebracht, bevor die nächste Störung kam“, sagte Cal.

„Und Taren hat dir die Anzeigen gelassen, als sie nicht mehr zusammenpassten.“

„So habe ich es erlebt.“

Greez sah ihn von der Seite an. „Du könntest wenigstens so tun, als wolltest du mich aufmuntern.“

„Du hast uns herausgebracht. Das sollte reichen.“

Der Pilot kaute langsam. „Ich will, dass wir Beobachtung und Kurs gemeinsam trennen, bevor eine Vermutung zum Risiko wird.“

„Dann sag es ihnen.“

„Werde ich.“ Greez stellte den Teller ab. „Vor allem Taren.“

Als Taren eine Stunde später ins Cockpit kam, saß Greez allein dort. Die Anzeigen warfen blasses Licht auf sein Gesicht, und vor der Scheibe lagen die Sterne wieder so ruhig, als hätten sie mit dem Chaos nichts zu tun gehabt.

„Kann ich reinkommen?“, fragte Taren.

„Du bist schon drin.“

Taren setzte sich nicht. „Der Messflug war beendet, sobald die Werte auseinanderliefen. Ich hätte die Unsicherheit früher benennen sollen. Danke, dass du uns aus der Förderzone gebracht hast.“

Greez drehte den Sitz ein Stück. „Weißt du, was mir heute wichtig war?“

„Dass du die Abbruchentscheidung angenommen hast, als die Messung nicht mehr trug.“

„Genau. Ich will, dass du eine unsichere Linie aussprichst, bevor wir sie fliegen. Das hast du heute gelernt.“

Taren senkte den Blick. „Dann kennzeichne ich die Möglichkeit künftig, bevor sie jemand für einen Kurs hält.“

„Dann halten wir uns beim nächsten Mal beide daran.“ Greez sah hinaus zu den Sternen. „Ich bin gern dein Pilot, Taren. Und ich will, dass wir die Daten gemeinsam prüfen, bevor wir ihnen ein Schiff anvertrauen.“

„Das will ich auch.“

„Heute hast du die Grenze mit mir gezogen.“

Taren ließ den Satz stehen. „Ja. Das mache ich beim nächsten Mal früher.“

Greez schwieg einen Moment. Dann deutete er auf den freien Sitz. „Setz dich. Wenn wir schon sechs Stunden brauchen, kannst du mir helfen, die Schäden zu sortieren. Dann lernen wir beide, wie wir beim nächsten Mal früher merken, dass eine Linie noch kein Kurs ist.“

Taren setzte sich. „Und ich lerne, wann ich eine Vermutung noch nicht als Kurs ausgeben darf.“

„Das wäre ein guter Anfang.“

Sie arbeiteten die Liste gemeinsam durch. Bei einigen Schäden konnte BD-1 später helfen, andere würden Ersatzteile verlangen. Greez erklärte, warum die rechte Düse selbst mit funktionierender Reserveleitung nicht belastet werden durfte, und Taren hörte zu, ohne auf eine Gelegenheit zu warten, das Gespräch wieder auf seine Messungen zu lenken.

Als Seren schließlich im Eingang erschien, fand sie die beiden über einer Ersatzteilliste. Greez schimpfte über die Preise für Steuerdüsen, während Taren ernsthaft versuchte, einen günstigeren Lieferanten zu finden. Es war kein großes Zeichen der Versöhnung. Gerade deshalb beruhigte es sie.

Sie trat zu Taren, legte ihm kurz die Hand auf den Rücken und sah auf die Anzeige. „Wie schlimm?“

„Schlimm genug“, sagte Greez, „dass ich auf dem nächsten Markt wahrscheinlich mein letztes Hemd verkaufen muss.“

„Du hast noch andere Hemden“, erwiderte Seren.

„Darum geht es nicht.“

„Ich weiß.“ Sie lächelte. „Es geht um die Mantis.“

Greez betrachtete sie überrascht. Dann nickte er. „Genau darum.“

Später standen Taren und Seren am kleinen Fenster des Verbindungsgangs. Hinter der Scheibe zog das Sternenfeld ruhig vorbei, und irgendwo tief im Schiff arbeitete die beschädigte Düse mit einem Geräusch, das sie auf jedem weiteren Flug an diesen Tag erinnern würde.

„Ich werde die Daten noch einmal prüfen“, sagte Taren. „Aber nicht heute.“

Seren lehnte den Kopf an seine Schulter. „Heute wäre ein schlechter Tag, um aus ihnen eine neue Theorie zu machen.“

„Morgen vielleicht auch.“

„Dann eben übermorgen.“

Er legte den Arm um sie. In der Nähe des Reparaturdepots hatte er geglaubt, einen Weg gefunden zu haben, der sich mit genügend Aufmerksamkeit erschließen ließ. Jetzt wusste er, wie viel er dabei übersehen hatte. Die Erkenntnis schmerzte, doch sie nahm ihm nicht die Neugier. Sie gab ihr nur ein anderes Gewicht.

Im Cockpit stellte Greez den Kurs ein letztes Mal nach. Der Außenposten lag noch Stunden entfernt. Die Mantis würde ihn erreichen, langsam und mit einem beschädigten Flügel, aber auf einem Weg, dessen Risiken er kannte. Für diesen Abend war ihm das genug.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.