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KAPITEL 25

Ceresta

Garith hatte die dritte Bodenplatte gerade aus ihrer Verankerung gehoben, als Ilyras Stimme in Cerestas Ohr knackte. Nicht laut genug, um die anderen aufmerksam werden zu lassen, aber Ceresta hörte sofort, was sich verändert hatte. Zwischen zwei Worten lag eine Pause, die vorher nicht da gewesen war.

„Sag das noch einmal“, bat sie.

„Ich sagte, dass ich den Luftzug jetzt spüre. Ganz schwach. Vielleicht bilde ich ihn mir auch ein.“

Ceresta betrachtete die Messwerte. Der Sauerstoffanteil war weiter gesunken, während die Temperatur an der südlichen Wand stieg. Beides hatte mit dem Schacht zu tun, den Garith unter ihren Füßen freilegte, und doch passte die Geschwindigkeit der Veränderungen nicht zu dem, was sie berechnet hatten. Die Anlage regelte nach. Irgendwo hinter den glatten Verkleidungen reagierte ein System auf die Störung, ohne zu wissen, dass in dem eingeschlossenen Raum ein Mensch saß.

„Du bildest dir nichts ein“, sagte Ceresta. „Die Anlage zieht Luft durch einen beschädigten Rücklauf. Wir unterbrechen das gleich.“

„Gleich ist ein schönes Wort.“

„Ich weiß. Es ist nur leider kein besonders genaues.“

Ein leises Geräusch kam über die Verbindung, vielleicht ein Lachen. Ceresta hielt daran fest, während sie Garith die Position des Rücklaufs zeigte. Er kniete bereits zwischen Werkzeugkoffern und aufgestellten Leuchten, die Ärmel bis über die Ellbogen geschoben. Auf seinem Gesicht lag der Ausdruck, den sie von schwierigen Reparaturen kannte: konzentriert, beinahe ruhig, und gerade deshalb beruhigend.

„Die Leitung sitzt tiefer als auf dem Plan“, sagte er. „Wenn wir die Verkleidung rechts lösen, kommen wir an den Verteiler. Aber ich möchte wissen, was passiert, wenn ich die falsche erwische.“

„Dann verlieren wir den Rücklauf vollständig.“

Garith sah sie an. „Und?“

„Und die Anlage könnte versuchen, die Luft über den nächsten verfügbaren Kanal auszugleichen. Den gibt es hier nicht mehr.“

Er nickte einmal. „Dann nehmen wir uns die Zeit, die richtige zu finden.“

Ceresta hätte ihn am liebsten angefahren. Sie hatten keine Zeit. Doch Garith hatte recht, und gerade weil er recht hatte, musste sie den Drang niederkämpfen, ihre Angst in eine Anweisung zu verwandeln. Sie zwang sich, den Plan ein zweites Mal zu prüfen.

Daron war am Zugang zur Weststation geblieben. Von dort hielt er Verbindung zu den Technikern, die die äußeren Energieleitungen überwachten, und sorgte dafür, dass niemand die abgesperrten Bereiche betrat. Als er sich meldete, klang seine Stimme kontrolliert.

„Die Last auf der Stationsversorgung bleibt stabil. T-6 zieht noch immer Energie aus einem eigenen Speicher. Ich kann euch den äußeren Korridor freihalten, aber nicht garantieren, dass sich die Anlage nicht erneut umschaltet.“

„Das verlangt auch niemand“, erwiderte Ceresta. „Melde mir jede Veränderung, selbst wenn sie klein aussieht.“

„Verstanden.“

Sie betrachtete die graue Scheibe in ihrem Lesegerät. Ilyras Großmutter hatte sie in einer Schachtel aufbewahrt, zusammen mit Gegenständen, deren Bedeutung über Generationen hinweg verloren gegangen war. Jetzt lag das unscheinbare Stück Material neben einer provisorischen Konsole und zeigte eine Folge alter Prüfimpulse, deren Logik Ceresta gerade erst zu verstehen begann. Sie empfand keinen Triumph darüber, dass die Verbindung zu T-6 endlich bewiesen war. Nicht in diesem Augenblick. Sie wollte nur, dass Ilyra wieder vor ihr stand.

„Ceresta?“

„Ich bin hier.“

„Du bist sehr still geworden.“

„Ich denke.“

„Das ist normalerweise der Moment, in dem andere Leute nervös werden.“

„Dann ist es gut, dass du mich kennst.“

„Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, dass du die Stirn runzelst.“

Ceresta strich sich mit dem Handrücken über die Stirn, obwohl Ilyra sie nicht sehen konnte. Garith bemerkte es und lächelte kaum sichtbar, bevor er sich wieder über die offene Bodenverkleidung beugte.

Die erste Entscheidung fiel nicht an der Konsole, sondern zwischen zwei fast identischen Leitungen. Ceresta schickte einen schwachen Prüfimpuls durch einen unabhängigen Sensor, den Garith an die linke Leitung setzte. Der Rücklauf antwortete verzögert, die andere Leitung gar nicht. Beim zweiten Versuch kehrte das Signal schneller zurück. Die alte Steuerung hatte ihren Zustand geändert, ohne eine Meldung auszugeben.

„Nicht die linke“, sagte Ceresta. „Die rechte führt zum Raum. Die andere ist der Rücklauf.“

„Gut, dass wir nachgesehen haben.“

Garith trennte die äußere Verbindung des Rücklaufs und setzte ein mechanisches Ventil ein, das ohne die Steuerung von T-6 arbeitete. Danach schlossen sie eine mobile Filtereinheit an. Sie stammte aus der Notausrüstung der Weststation und war für beschädigte Versorgungsräume gedacht, nicht für eine Anlage, deren Erbauer seit langer Zeit verschwunden waren. Aber ihre Funktion war einfach: Luft reinigen, Druck halten, verhindern, dass etwas in die falsche Richtung strömte.

Ceresta überprüfte jede Verbindung selbst. Erst als Garith ihr die letzte Dichtung zeigte und sie den Drucktest zweimal bestanden hatten, gab sie die Pumpe frei.

Zunächst geschah nichts. Dann stieg der Druck im Versorgungskanal langsam an. Auf Ilyras Seite veränderte sich das Messbild; der Sauerstoffanteil hörte auf zu fallen.

„Ilyra, kannst du mich hören?“

„Ja. Und bevor du fragst: Ich kann besser atmen.“

Ceresta setzte sich auf die Kante eines Werkzeugkastens, weil ihre Beine ihr für einen Moment nicht mehr gehorchen wollten. Garith stellte die Pumpe niedriger, damit der Druck nicht zu schnell stieg.

„Wir haben dir Zeit verschafft“, sagte sie. „Noch nicht den Ausgang.“

„Zeit nehme ich auch.“

Die Erleichterung hielt nicht lange. Auf der Konsole erschien ein neuer Hinweis, drei ineinandergreifende Kreise, von denen einer in kurzen Abständen dunkel wurde. Ceresta erkannte die Abfolge von der grauen Scheibe wieder. Sie hatte geglaubt, die Anlage prüfe eine beschädigte Schleuse. Jetzt verstand sie, dass die Sperre nur ein Teil des Vorgangs war. T-6 überprüfte, ob der gesamte Abschnitt gefahrlos wieder an die übrige Versorgung angeschlossen werden konnte. Solange die Bestätigung fehlte, blieb der Raum getrennt.

„Das System schützt nicht die Tür“, sagte sie zu Garith. „Es schützt die Versorgung dahinter.“

„Vor was?“

„Vor einer Störung, die sich durch gemeinsame Leitungen ausbreiten könnte. Was immer sie früher hier befürchtet haben, es muss ernst genug gewesen sein, um einen ganzen Abschnitt abzuschotten.“

Garith sah zum offenen Schacht. „Und wir haben gerade eine neue Leitung gelegt.“

„Eine unabhängige, mit Rückschlagsicherung. Wir haben nichts verbunden, was das System trennen wollte.“

„Dann sind wir wenigstens nicht die ersten Idioten, die eine Sicherheitsanlage für eine lästige Tür halten.“

„Wir waren nahe dran.“

Garith hob den Blick. „Nein. Wir haben gefragt, bevor wir etwas geöffnet haben. Das ist ein Unterschied.“

Ceresta wollte ihm glauben. Sie dachte an Ilyra hinter der Wand und wusste, dass ihr diese Unterscheidung erst später etwas bedeuten würde.

Die graue Scheibe enthielt keine vollständige Anleitung. Ihre Daten waren an mehreren Stellen beschädigt, und manche Zeichen bezeichneten Bauteile, für die Ceresta keine Entsprechung kannte. Sie begann, die Impulsfolgen mit den Reaktionen der Anlage zu vergleichen. Garith übernahm die Überwachung der Luftversorgung. Daron ließ einen zweiten mobilen Speicher bringen, damit die Pumpe auch dann weiterlaufen konnte, wenn die Stationsenergie ausfiel.

Eine Stunde verging nicht. Es waren vielleicht zwanzig Minuten, doch Ceresta empfand jede davon als eine Zumutung. Ilyra blieb ansprechbar, sprach allerdings weniger. Als Ceresta sie fragte, ob die Verletzung stärker schmerze, antwortete sie erst nach einer Weile.

„Wenn ich mich nicht bewege, geht es.“

„Und wenn du dich bewegst?“

„Dann ist es eine schlechte Idee.“

Ceresta schloss kurz die Augen. „Bleib sitzen. Wir haben jemanden aus der medizinischen Station in Bereitschaft. Sobald wir dich heraushaben, schaut er sich alles an.“

„Du sagst das, als würdest du mir eine Rechnung präsentieren.“

„Vielleicht stelle ich dir eine aus. Für jede Minute, in der du mir Angst machst.“

„Die kann ich unmöglich bezahlen.“

„Dann bleibst du mir etwas schuldig.“

Ilyra schwieg. Als sie wieder sprach, war der Scherz aus ihrer Stimme verschwunden. „Das habe ich ohnehin vor.“

Ceresta legte eine Hand auf die Konsole. Sie wollte antworten, doch der dritte Kreis begann plötzlich schneller zu blinken. Die Pumpe lief weiter, die Luftwerte blieben stabil. Diesmal hatte sich nicht der Raum verändert, sondern die Prüfung.

„Garith, sieh dir die Folge an.“

Er trat neben sie. Auf der Scheibe verlief ein Muster aus drei Signalen: eines bestätigte die äußere Versorgung, das zweite den abgeschotteten Abschnitt, das dritte blieb aus. Ceresta vergrößerte die alte Aufzeichnung, bis die beschädigten Zeichen sichtbar wurden.

„Das dritte Signal ist keine Freigabe“, sagte Garith. „Es ist eine Antwort.“

Ceresta betrachtete die Abfolge erneut. Die Anlage fragte nach dem Zustand eines Bauteils, das auf ihrem Plan nicht existierte. Vielleicht war es längst entfernt worden. Vielleicht lag es unter einer Verkleidung, die sie noch nicht gefunden hatten. Sie hätten versuchen können, eine passende Antwort zu senden, doch ohne zu wissen, was sie bestätigten, wäre das ein Glücksspiel gewesen.

„Wir dürfen dem System nicht erzählen, dass alles in Ordnung ist“, sagte Ceresta. „Wir müssen herausfinden, was es wissen will.“

„Und wenn wir das nicht können?“

„Dann finden wir einen Weg, die Prüfung sauber abzubrechen, ohne die Versorgung zu verlieren.“

Garith verschränkte die Arme. „Das klingt nach zwei schwierigen Wegen.“

„Ja.“

Sie hörte Ilyras Atem über die offene Verbindung. Nicht deutlich, aber regelmäßig. Ceresta erinnerte sich an den Abend, an dem Ilyra ihr zum ersten Mal die Schachtel ihrer Großmutter gezeigt hatte. Damals hatte Ilyra den Deckel mit einer Vorsicht geöffnet, die weniger den alten Gegenständen galt als dem Gefühl, etwas Persönliches preiszugeben. Ceresta hatte sich über die umständliche Aufbewahrung eines scheinbar wertlosen Stücks Technik gewundert. Sie hatte nichts davon gesagt. Stattdessen hatten sie zusammen am Tisch gesessen und versucht, die eingeritzten Linien zu verstehen. Später waren sie viel länger dort geblieben, als irgendeine Untersuchung erforderte.

„Ilyra“, sagte sie jetzt, „ich muss dich etwas fragen. An der Wand neben dir ist ein Wartungszeichen mit drei Kreisen. Kannst du erkennen, ob darunter eine zweite Markierung liegt?“

„Ich müsste aufstehen.“

„Dann nicht.“

„Ceresta.“

„Ich meine es ernst.“

„Ich kann mich an der Konsole abstützen. Der Weg ist nicht weit.“

Ceresta wollte widersprechen. Stattdessen prüfte sie die medizinischen Werte und fragte nach der Verletzung, nach Schwindel, nach dem Abstand zur Wand. Erst als Ilyra alles beantwortet hatte, ließ sie sich auf einen Versuch ein. Garith blieb an der Konsole, bereit, den Vorgang abzubrechen.

Ilyra brauchte länger als erwartet. Einmal hörte Ceresta, wie sie scharf Luft holte. Dann beschrieb sie eine schmale Vertiefung unter dem Zeichen, in der sich drei kleine Felder befanden.

„Das mittlere ist leer“, sagte Ilyra. „Die beiden anderen haben Linien. Eine gerade, eine unterbrochen.“

Ceresta hielt die graue Scheibe neben den Plan. Das gleiche Zeichen stand am Rand einer beschädigten Datenfolge, die sie bislang für eine Kennzeichnung gehalten hatte.

„Das ist keine Wartungsfreigabe“, sagte sie langsam. „Es ist eine Zustandsanzeige. Das System will wissen, ob die Leitung zum alten Prüfmodul noch angeschlossen ist.“

„Ist sie das?“, fragte Garith.

„Nein. Auf unserem Plan endet sie unter dem Korridor. Das Modul wurde ausgebaut oder ist ausgefallen. Deshalb wartet die Anlage auf eine Antwort, die nie kommen kann.“

„Und deshalb bleibt Ilyra eingeschlossen.“

„Ja.“

Ilyra meldete sich wieder. „Die unterbrochene Linie kenne ich. Sie steht auf einer der Platten meiner Großmutter neben einer handschriftlichen Ergänzung.“

Ceresta zog die Aufnahme auf. Die Notiz war klein und an einer Ecke beschädigt. Sie hatte sie bisher als bloßen Vermerk zur Aufbewahrung verstanden. Jetzt sah sie, dass die Zeichen auf einen alternativen Prüfweg verwiesen. Nicht auf einen geheimen Zugang, sondern auf ein Verfahren für den Fall, dass ein Teil der Anlage nicht mehr vorhanden war.

„Deine Großmutter hat die Ausfallprüfung dokumentiert“, sagte sie.

„Oder jemand vor ihr.“

„Ja. Jemand, der wusste, dass diese Anlage eines Tages ohne ihre ursprünglichen Bauteile weiterarbeiten müsste.“

Sie hätte gern mehr darüber nachgedacht. Stattdessen holte sie den zweiten Speicher heran und begann, eine Ersatzschaltung aufzubauen. Sie brauchte drei voneinander getrennte Messungen: den Zustand der äußeren Leitung, die Versorgung des eingeschlossenen Raums und den Nachweis, dass zwischen beiden kein gefährlicher Rückfluss bestand. Erst wenn alle drei Werte gleichzeitig stabil waren, durfte die Anlage ihre Sperre lösen.

Garith verstand sofort, weshalb sie zwei unabhängige Sensoren verlangte. „Wenn wir denselben Messwert zweimal einspeisen, sieht das System eine Übereinstimmung, die es nicht gibt.“

„Genau. Und wenn die Werte nicht stimmen, lassen wir die Tür zu.“

Er sah sie einen Moment lang an. „Das sagst du erstaunlich ruhig.“

„Ich versuche gerade, ruhig genug zu sein, um es auch zu meinen.“

Daron brachte die zusätzlichen Sensoren persönlich. Er hatte den Sanitäter am äußeren Zugang warten lassen und hielt die übrigen Techniker zurück, damit Garith im engen Korridor arbeiten konnte. Als Ceresta ihm die Schaltung erklärte, fragte er nicht nach einer Erfolgsgarantie. Er wollte wissen, bei welchem Wert er den Versuch abbrechen sollte.

Sie gab ihm drei Grenzwerte und ließ ihn sie wiederholen. Dann prüften sie die Schaltung zunächst ohne Verbindung zur Anlage. Beim ersten Test meldete der Sensor im Rücklauf einen Druckanstieg, obwohl das Ventil geschlossen war. Garith fand eine undichte Kupplung, die unter normaler Belastung kaum aufgefallen wäre. Er ersetzte sie, und beim zweiten Test blieben die Werte stabil.

„Jetzt?“, fragte Daron.

Ceresta schüttelte den Kopf. „Noch einmal.“

Beim dritten Test hielt die Schaltung auch dann, als Garith die Versorgung kurz auf den Ersatzspeicher umstellte. Erst jetzt nickte Ceresta.

„Ilyra, wir beginnen mit der Prüfung. Du musst nichts bedienen. Bleib, wo du bist, und sag mir sofort, wenn sich etwas verändert.“

„Ich hätte gern eine bessere Aussicht für diesen Anlass.“

„Ich suche dir später eine aus.“

„Versprochen?“

„Versprochen.“

Ceresta verband die Ersatzschaltung mit dem äußeren Diagnoseanschluss. Die ersten beiden Kreise leuchteten auf. Der dritte blieb dunkel. Sie gab den ersten Messwert frei, dann den zweiten. Die Anlage antwortete mit einem kurzen Ton, den sie inzwischen kannte. Es war derselbe Ton, der vor der Verriegelung erklungen war, und obwohl er diesmal nichts Bedrohliches bedeutete, spannte sich ihr ganzer Körper an.

„Dritter Messwert“, sagte Garith.

Ceresta wartete, bis die Anzeige der Luftversorgung einen vollständigen Zyklus durchlaufen hatte. Dann gab sie die letzte Prüfung frei.

Für einen Augenblick schien es zu funktionieren. Der dritte Kreis leuchtete auf, die Sperre entriegelte hörbar. Doch noch bevor Garith sich bewegen konnte, wechselte die Anzeige auf eine Warnung. Die äußere Versorgung zeigte einen Druckunterschied, den keiner ihrer Sensoren zuvor gemeldet hatte.

„Abbrechen“, sagte Ceresta.

Daron trennte die Verbindung. Die Sperre verriegelte wieder, ohne dass sich die Versorgung des Raums veränderte. Ceresta starrte auf die Werte und spürte, wie die Hoffnung, die eben noch greifbar gewesen war, in sich zusammensank.

„Was war das?“, fragte Garith.

Sie rief die Aufzeichnung auf. Die Sensoren hatten korrekt gemessen. Der Fehler lag nicht in ihrer Schaltung. Während der Prüfung hatte T-6 einen alten Druckspeicher zugeschaltet, der im Plan nicht verzeichnet war. Für das System gehörte er zur äußeren Versorgung. Für Cerestas Messung war er ein unbekannter dritter Raum.

„Wir haben etwas übersehen“, sagte sie.

„Etwas, das nicht auf den Plänen steht.“

„Trotzdem haben wir es übersehen.“

Garith stellte sich neben sie. „Ceresta, hör mir zu. Wir haben einen sicheren Abbruch. Ilyra bekommt Luft. Der Versuch hat uns gezeigt, was fehlt. Das ist kein Scheitern, solange wir daraus die richtige Konsequenz ziehen.“

Sie sah ihn an. In seinem Gesicht lag keine Beschwichtigung. Er hatte selbst zu oft vor einer Maschine gestanden, die sich anders verhielt als erwartet.

„Der Speicher“, sagte sie. „Wenn wir ihn messen, bevor er zugeschaltet wird, kann die Anlage ihn nicht mehr als unbekannten Zustand behandeln.“

„Wo sitzt er?“

Ceresta verfolgte die Leitung auf den Aufnahmen von Ilyras Raum. Sie endete unter dem Versorgungsschacht, den Garith bereits geöffnet hatte. Nur eine schmale Trennwand lag dazwischen. Der Zugang war möglich, ohne den eingeschlossenen Abschnitt zu berühren.

Daron hörte sich den Plan an und ließ zusätzliches Werkzeug bringen. Während Garith die Trennwand öffnete, setzte Ceresta sich neben die Konsole und sprach mit Ilyra. Sie erzählte ihr nicht jedes Detail des fehlgeschlagenen Versuchs, aber sie verschwieg auch nicht, dass die Tür wieder verriegelt war.

„Ich habe es gehört“, sagte Ilyra.

„Ich weiß.“

„Du klingst, als würdest du dich dafür entschuldigen wollen.“

Ceresta strich über den Rand des Lesegeräts. „Ich hätte gern früher verstanden, was die Anlage tut.“

„Du verstehst es jetzt.“

„Noch nicht vollständig.“

„Dann mach weiter. Ich bin noch hier.“

Ceresta blickte zu Garith, der gerade eine schmale Abdeckung beiseiteschob. Hinter ihr lag ein runder Behälter, kaum größer als ein Werkzeugkoffer. Seine Oberfläche war unbeschädigt, doch die Anschlüsse waren mit einer feinen Schicht dunklen Staubs bedeckt. Garith wischte einen davon frei und setzte den Sensor an.

„Wir haben ihn“, sagte er.

Der Druckspeicher war fast leer. Beim ersten Versuch hatte die Anlage seinen Restinhalt in die äußere Leitung gegeben und dadurch den Druckunterschied ausgelöst. Ceresta konnte den Speicher nicht einfach abtrennen; die Anlage würde den fehlenden Anschluss wieder als Fehler werten. Stattdessen schlossen sie ihn an einen eigenen Ausgleichsbehälter an und ließen den Druck langsam auf den Sollwert steigen. Die Sensoren überwachten dabei jede Veränderung.

Diesmal dauerte es länger. Niemand drängte. Ceresta hörte Ilyras Atem, Gariths leise Anweisungen und das gleichmäßige Geräusch der Pumpe. Daron meldete, dass die Stationsversorgung stabil blieb. Als der Druckspeicher den Sollwert erreichte, prüfte Ceresta alle drei Kreise erneut.

„Bereit?“, fragte Garith.

Sie nickte und öffnete die Verbindung.

Die Anlage begann ihre Prüfung. Ein Kreis nach dem anderen leuchtete auf. Der Druck blieb stabil, die Luftversorgung unverändert. Ceresta wartete auf den Ton, auf die Warnung, auf irgendein Zeichen, dass sie wieder etwas nicht verstanden hatte. Stattdessen hörte sie ein tiefes mechanisches Geräusch hinter der Wand. Die Verriegelung löste sich.

„Nicht bewegen“, sagte sie sofort, als Garith zur Tür ging. „Erst die Bestätigung.“

Auf der Konsole erschien eine neue Meldung. Ceresta verglich sie mit der grauen Scheibe, ließ den gesamten Messzyklus zu Ende laufen und schaltete erst dann die äußere Öffnung frei. Die Sperre glitt langsam zur Seite.

Ilyra saß an der Wand unterhalb der Konsole, die Beine angewinkelt, eine Hand auf die verletzte Seite gepresst. Ihr Gesicht war blass, und als sie Ceresta sah, versuchte sie zu lächeln. Es gelang ihr nur halb.

Ceresta hatte sich ausgemalt, wie sie zu ihr laufen würde. Stattdessen ging sie vorsichtig in den Raum, kniete sich neben sie und fragte zuerst, ob sie sich bewegen könne. Ilyra nickte, verzog aber das Gesicht, als sie den Arm hob.

„Du siehst furchtbar aus“, sagte Ceresta.

„Du auch.“

„Das ist keine besonders freundliche Begrüßung.“

„Ich wollte dir etwas Vertrautes anbieten.“

Ceresta lachte einmal auf, und dann konnte sie nicht mehr verhindern, dass ihr die Tränen kamen. Sie legte die Stirn gegen Ilyras, behutsam genug, um ihre Verletzung nicht zu berühren.

„Ich hatte solche Angst“, flüsterte sie.

„Ich weiß.“

„Nein. Ich glaube nicht, dass du das weißt.“

Ilyra hob die unverletzte Hand und legte sie an Cerestas Wange. „Dann erzählst du es mir später. Wenn wir beide wieder vernünftig atmen können.“

Der Sanitäter wartete bereits im Korridor. Ceresta ließ ihn untersuchen, was sie selbst nur vermuten konnte: eine schmerzhafte Verletzung an der Seite, starke Erschöpfung und die Folgen der schlechten Luft. Ilyra musste zur medizinischen Station, und sie protestierte nur so lange, bis der Sanitäter sie bat, einmal tief einzuatmen. Danach sagte sie nichts mehr gegen die Trage.

Garith blieb zurück, um mit Daron die Anlage in einem sicheren Zustand zu halten. Ceresta wollte ihm danken, brachte aber zunächst nur ein erschöpftes Nicken zustande. Er legte ihr kurz die Hand auf die Schulter.

„Geh mit ihr“, sagte er. „Wir kümmern uns hier darum.“

Erst auf dem Weg zur medizinischen Station bemerkte Ceresta, dass sie seit Stunden nichts gegessen hatte. Ilyra bemerkte es ebenfalls, obwohl sie die Augen geschlossen hielt.

„Du hast wieder vergessen, auf dich selbst aufzupassen.“

„Ich war beschäftigt.“

„Das habe ich mitbekommen.“

„Und du hast wieder beschlossen, alles zu kommentieren.“

„Nur das Wichtige.“

Ceresta hielt ihre Hand, bis der Sanitäter sie bat, einen Schritt zurückzutreten. Diesmal tat sie es ohne Widerstand. Sie konnte warten. Die Tür war offen, und Ilyra würde nicht mehr dahinter verschwinden.

Am Abend durfte Ceresta zu ihr. Die Untersuchungen hatten eine Prellung und eine schmerzhafte Verletzung an den Rippen ergeben, aber keine innere Blutung. Ilyra sollte sich ausruhen und in den kommenden Tagen nur langsam wieder belasten. Der Sanitäter hatte ihr das mehrfach erklärt, offenbar in der Hoffnung, dass wenigstens einer seiner Sätze Wirkung zeigte.

Ceresta fand sie halb aufgerichtet im Bett, mit einem Becher Wasser in der Hand und einem Ausdruck, der schon wieder verdächtig nach Ungeduld aussah.

„Ich habe dir etwas mitgebracht“, sagte Ceresta.

„Wenn es ein Diagnosegerät ist, werfe ich es nach dir.“

Ceresta stellte eine kleine Schale mit warmem Essen auf den Tisch. „Garith hat darauf bestanden, dass ich etwas Vernünftiges besorge. Für uns beide.“

„Dann schulde ich ihm ebenfalls etwas.“

Sie aßen langsam. Ilyra erzählte, wie die Geräusche der Anlage im abgeschlossenen Raum geklungen hatten, und Ceresta erklärte, weshalb der erste Rettungsversuch hatte scheitern müssen. Sie ließ nichts weg, was wichtig war, und Ilyra stellte Fragen, bis sie den Ablauf verstand. Irgendwann legte sie den Löffel beiseite.

„Du hättest die Tür aufbrechen können“, sagte sie.

„Ja.“

„Aber du hast es nicht getan.“

„Weil ich nicht wusste, was danach passiert.“

Ilyra betrachtete sie lange. „Das war wahrscheinlich das Schwerste daran, oder?“

Ceresta nickte. „Dich hören und trotzdem warten müssen. Wissen, dass ich etwas tun könnte, und es nicht tun dürfen.“

„Du hast etwas getan. Du hast nachgedacht.“

Ceresta lächelte schwach. „Eine unromantische Heldentat.“

„Ich finde sie ziemlich romantisch.“

Später saßen sie nebeneinander, soweit Ilyras Rippen es zuließen. Ceresta hatte ihren Arm vorsichtig um ihre Schultern gelegt, und Ilyra lehnte den Kopf an sie. Die graue Scheibe lag nicht zwischen ihnen. Ceresta hatte sie sicher verwahren lassen. Zum ersten Mal an diesem Tag wollte sie nicht wissen, was sich noch aus den alten Daten lesen ließ.

„Wir werden wieder hinuntergehen“, sagte Ilyra nach einer Weile.

„Nicht morgen.“

„Das habe ich auch nicht gesagt.“

„Und nicht, bevor wir jeden dieser Schutzmechanismen verstanden haben.“

„Einverstanden.“

Ceresta drehte den Kopf. „So einfach?“

„Ich habe heute genug über geschlossene Türen gelernt.“

Sie schwiegen, bis Ilyra ihre Hand suchte. „Ich möchte trotzdem herausfinden, weshalb meine Großmutter diese Dinge aufbewahrt hat.“

„Das möchte ich auch.“

„Nicht nur wegen T-6.“

Ceresta drückte ihre Finger. „Ich weiß.“

Draußen wurde es dunkel. Die Geräusche der medizinischen Station wurden leiser, und irgendwann erlaubte Ilyra sich, die Augen zu schließen. Ceresta blieb sitzen, bis ihr Atem tief und regelmäßig ging. Erst dann ließ sie die Anspannung des Tages ein wenig los.

Garith kam später nach Hause, als die Lichter im Wohnbereich bereits gedimmt waren. Nalea saß am Tisch und sortierte Teile eines beschädigten Kinderspielzeugs, das Tylan am Nachmittag unbedingt hatte reparieren wollen. Sie sah auf, noch bevor Garith etwas sagte.

„Du bist spät.“

„Ja.“

Sie legte das Werkzeug beiseite. „Und du siehst aus, als wäre es ein langer Tag gewesen.“

Garith setzte sich ihr gegenüber. Er erzählte ihr von T-6, von der verriegelten Tür und davon, dass Ilyra inzwischen in Sicherheit war. Nalea hörte zu, ohne ihn zu unterbrechen. Erst als er fertig war, legte sie ihre Hand auf seine.

„Du hättest eine Nachricht schicken können.“

„Ich weiß. Daron hat die Station informiert, aber ich hätte dir selbst schreiben sollen.“

„Ja“, sagte sie. Dann rückte sie näher. „Und jetzt bist du hier.“

Aus dem Nebenraum kam ein verschlafenes Geräusch. Tylan stand in der Tür, ein zerknittertes Kissen unter dem Arm. „Papa? Ist die Pumpe wieder kaputt?“

Garith musste lächeln. „Nein. Diesmal war es etwas anderes.“

„Kannst du es reparieren?“

„Wir haben es heute geschafft.“

Tylan dachte darüber nach. „Dann ist gut.“

Nalea hob ihn auf ihren Schoß, obwohl er protestierte, er sei dafür schon viel zu groß. Kitena erschien kurz darauf, wollte wissen, weshalb alle noch wach waren, und bekam von Garith eine gekürzte, aber ehrliche Antwort. Niemand stellte weitere Fragen, als er schließlich die Arme um seine Familie legte. Für einen Moment war es genug, dass sie zusammen waren.

In der Weststation liefen unterdessen die Aufzeichnungen der Rettung in einen gesicherten Speicher. Daron hatte die äußeren Zugänge wieder verschlossen und die Messreihen für Ceresta vorbereitet, damit sie am nächsten Tag nichts aus dem Gedächtnis rekonstruieren musste. Unter den Daten lag eine Reihe kurzer Impulse, die T-6 während der abgeschlossenen Prüfung ausgesendet hatte. Sie waren zeitlich genau erfasst, doch noch hatte niemand sie mit den Meldungen von außerhalb Tenebris verglichen.

Ceresta würde sie sich ansehen, wenn Ilyra wieder genug Kraft hatte, um sich über ihre Notizen zu beugen und die unleserlichen Zeichen zu verfluchen. Vielleicht würden sie dann verstehen, weshalb die Anlage überhaupt noch arbeitete und was ihre Erbauer zu schützen versucht hatten.

An diesem Abend jedoch blieb Ceresta an Ilyras Bett. Als Ilyra im Halbschlaf ihre Hand fester hielt, beugte sie sich zu ihr und küsste sie vorsichtig auf die Stirn. Es gab Fragen, die warten konnten. Und es gab einen Menschen, der endlich wieder bei ihr war.

Inoffizielle, nicht-kommerzielle Star-Wars-Fan-Fiction. Keine Verbindung zu oder Autorisierung durch Lucasfilm Ltd. oder The Walt Disney Company.